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Daniel Kiefer und Carsten Schifter Wie zwei Mittelständler Mecklenburg-Vorpommern helfen wollen

Die Wahlerfolge der AfD könnten im Osten Investoren abschrecken. Zwei Neu-Unternehmer lassen sich nicht entmutigen – erleben aber viele Hindernisse.
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Mit der Übernahme des Mittelständlers Gerso haben sich die Ex-Manager den Grundstein für ein nachhaltiges Wirken als Unternehmer gelegt. Quelle: Presse
Daniel Kiefer (l.) und Carsten Schifter

Mit der Übernahme des Mittelständlers Gerso haben sich die Ex-Manager den Grundstein für ein nachhaltiges Wirken als Unternehmer gelegt.

(Foto: Presse)

Hamburg Kilometerlange Sandstrände, idyllische Buchten und die mondänen Dreikaiserbäder – die Insel Usedom ist ein Ferienparadies und wird jedes Jahr von mehreren Hunderttausend Urlaubern aus dem In- und Ausland besucht. Für Daniel Kiefer und Carsten Schifter ist die Insel Usedom zu einer neuen beruflichen Heimat geworden.

Die beiden erfolgreichen Manager aus Schleswig-Holstein haben ihre Karrieren in internationalen Konzernen gegen die Übernahme des mittelständischen Unternehmens Gerso getauscht – ein Schritt, den sich nur wenige Manager trauen.

Gerade in Ostdeutschland ist das keine Selbstverständlichkeit. Und Experten befürchten, dass es angesichts der Wahlerfolge der AfD in Sachsen und Brandenburg künftig noch schwieriger wird, potenzielle Unternehmer anzulocken. „Ausländerfeindlichkeit, wie sie die AfD momentan befeuert, schreckt Investoren ab, verhindert neue Jobs und schadet somit der gesamten Region“, warnt Reint Gropp, Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle.

Auch Clemens Fuest, der Präsident des Münchener Ifo-Instituts warnt schon seit Längerem vor negativen Auswirkungen. Fremdenfeindliche Aussagen von Parteien, die in Parlamenten vertreten sind, könnten ähnlich wie fremdenfeindliche Übergriffe Investoren abschrecken, fürchtet er. Das könne es auch schwierig machen, Mitarbeiter aus anderen Regionen oder Ländern zu einem Umzug zu bewegen.

Die Neu-Unternehmer Kiefer und Schifter haben sich von dieser Stimmung nicht abschrecken lassen. Für sie ist die im Frühjahr 2019 erfolgte Übernahme des vor 30 Jahren gegründeten Händlers von Laden- und Verkaufseinrichtungen das Ziel eines lange vorbereiteten und mitunter steinigen Weges.

Bereits seit zehn Jahren sind die beiden Unternehmer neben ihren Hauptberufen in Immobilienprojekten und Geschäftsbeteiligungen engagiert und konnten auch hierdurch wertvolle unternehmerische Erfahrungen sammeln. 2016 wurden sie dann durch einen Aufruf in einer Fachzeitung auf das Thema Unternehmensnachfolge aufmerksam.

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Es folgten zahllose Treffen mit Unternehmens- und Steuerberatern, Banken, Wirtschaftsprüfern und Unternehmern, um den geeigneten Kandidaten für eine Übernahme zu finden. „Das war eine sehr intensive Zeit, weil parallel in den Konzern-Jobs weiter viel Leistung gebracht werden musste“, erinnert sich Carsten Schifter.

Er war unter anderem bis Mitte 2018 Finanzleiter für das Iran-Geschäft eines US-Konsumgüterherstellers und musste auch später oft zu den Gesprächen einfliegen. Sein Geschäftspartner Daniel Kiefer war bis zuletzt in der Geschäftsführung eines multinationalen Konsumgüterherstellers tätig.

Erst im Spätsommer 2018 eröffnete sich mit der Firma Gerso endlich die Übernahmechance, nach der die beiden lange gesucht hatten. Der Gründer der Firma wollte in den Ruhestand wechseln, um sich seinen Buchprojekten und seiner Tätigkeit als Dozent und Coach zu widmen. Und er war froh, mit Kiefer und Schifter zwei so ernsthafte Interessenten zu finden.

Denn die Suche nach einem Nachfolger für einen Unternehmensinhaber ist alles andere als ein Selbstläufer – nicht nur im Osten. In Deutschland kommt es im Schnitt jedes Jahr zu 30.000 Übergaben von wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen. Indes, so der Nachfolgeexperte der DIHK, Marc Evers, werde das Thema Nachfolge für Unternehmer immer wichtiger.

In den vergangenen Jahren sind in Deutschland mehrere Unternehmerbörsen entstanden, die unter anderem direkt von den Handelskammern, aber auch von ehemaligen Bankern oder spezialisierten Firmen betrieben werden.
Dabei gibt es wachsende Probleme – gerade im Mittelstand. Viele junge Menschen scheuen die Risiken, die eine Unternehmensneugründung oder die Übernahme eines Unternehmens mit sich bringen.

Für das vergangene Jahr zählte die Förderbank KfW in Deutschland 547.000 Neugründungen von Unternehmen – ein Rückgang von zwei Prozent im Vergleich zu 2017, mit weiter sinkender Tendenz. Für die Inhaber von Unternehmen, die einen Nachfolger suchen, wird die Situation zunehmend schwierig.

„Das ist ein höchst brisantes Thema, dass so viele Unternehmer einen Nachfolger suchen, aber nicht finden“, sagt Daniel Kiefer im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Unternehmer sollten sich frühzeitig mit diesem aus ihrer Sicht tabuisierten Themenbereich auseinandersetzen und Vorsorgemaßnahmen treffen. Erst dann können viele an einer Übernahme interessierte Zukunftsunternehmer auch auf attraktive Firmen stoßen.“

Zwar stelle der Staat grundsätzlich zahlreiche Hilfen durch die KfW oder Bürgschaftsbanken bereit, allerdings sind die Verfahren zuweilen sehr komplex und arbeitsintensiv für den Antragsteller. Darüber hinaus haben Kiefer und sein Geschäftspartner Carsten Schifter eher weniger positive Erfahrungen mit Banken gemacht.

Qualifiziertes Fachpersonal fehlt
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