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Daniel Terberger Modedienstleister fordert von Altmaier Hilfe zur Selbsthilfe

Der Chef des Modedienstleisters Katag sieht seine Branche am Abgrund. Er warnt vor noch mehr Pleiten und einer Verödung der Innenstädte.
25.06.2020 - 14:11 Uhr Kommentieren
Der Firmenchef zeichnete ein verheerendes Bild der aktuellen Lage in der Branche. Quelle: Katag AG
Daniel Terberger

Der Firmenchef zeichnete ein verheerendes Bild der aktuellen Lage in der Branche.

(Foto: Katag AG)

Düsseldorf Es war eine emotionale Rede, die Daniel Terberger am Mittwochabend hielt. Der Chef des Modedienstleisters Katag, der eigentlich jedes Jahr rund 400 Modehändler, -häuser und -hersteller der mittelständischen Textilwirtschaft zur Cheftagung an den Hauptsitz nach Bielefeld lockt, fand sich stattdessen zur virtuellen Cheftagung in Berlin ein. Sein Stargast war Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU).

Terberger hatte dem Minister etwas zu sagen. Und seine Botschaft war zweigeteilt: Es sei großartig, wie schnell und viel die Bundesregierung geholfen habe. Aber: Der Modeeinzelhandel brauche Hilfe, er sei in seiner Existenz bedroht. Die Umsatzeinbußen lägen nicht bei 50, sondern 80 Prozent und zum Teil seien es 100 Prozent gewesen. Hingegen hätten die großen Player wie Amazon, Aldi und Lidl sowie Zalando „den größten Wumms abgeschöpft“.

Er bezog sich dabei auf das Zitat von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), der die Hilfsprogramme mit „Wumms“ angekündigt hatte. „Das ist für uns besonders bitter“, sagte der 52-jährige Terberger, der seine Partner und Kunden bedroht sieht. Seit dem Shutdown Mitte März stehen gesunde Firmen der Modehandelsbranche kurz vor der Pleite. Appelrath Cüpper, Tom Tailor, Karstadt/Kaufhof hat es schon erwischt. Und es werden mehr, sei zu befürchten.

Terberger erklärte seine Befürchtungen: Zunächst mussten alle Händler ihre Läden schließen, dann durften nur diejenigen mit weniger als 800 Quadratmeter Verkaufsfläche öffnen. Die Umsätze aus dieser Zeit seien unwiederbringlich weg. Inzwischen arbeiteten alle wieder – in Kurzarbeit und unter Hygienerichtlinien – aber mit verringerter Frequenz und verringertem Umsatz. Und jetzt müssten sie noch ihre „Margen zerstören“, um die bestellte Ware überhaupt noch an die Kunden zu bringen, klagte der Unternehmer, der im vergangenen Jahr rund 1,1 Milliarden Euro umsetzte.

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    „Die gigantischen Verluste häufen sich weiter auf.“ Der normalerweise stets gut gelaunte Firmenchef zeichnete ein verheerendes Bild der aktuellen Lage in der Branche. Er stellte die Frage in den Raum, wie die gigantischen Verluste gerecht verteilt und die Themen Digitalisierung und Nachhaltigkeit angepackt werden könnten, wenn die Unternehmen gleichzeitig KfW-Kredite zurückzahlen müssen. „Oder ist das vergebliche Liebesmüh?“, fragte Terberger. Müssten die Modehändler das Feld den Amazons und Zalandos überlassen?

    Hoffnungen auf Nachbesserungen beim Verlustvortrag

    Die Verzweiflung in der Branche ist so groß, weil von dem vielen Geld, das die Bundesregierung für die Wirtschaft ausgibt, im Modehandel abgesehen von der Kurzarbeit nicht wirklich etwas ankommt. Beispiel Mehrwertsteuersenkung: Für die Unternehmen sei der Aufwand hoch und die Wirkung gering. Nicht nur die Verbraucher bräuchten Geld, sondern auch die Unternehmer. Man müsse sich fragen: „Wer ist denn morgen noch da? Das ist eine schmerzliche Erkenntnis,“, sagte Terberger.

    Beispiel Verlustrücktrag: Dabei geht es um die Möglichkeit für Unternehmen, die aktuellen Verluste mit den bisher gezahlten Steuerbeiträgen für 2019 verrechnen zu können. Terberger hält das für eine gute Sache, die Maßnahme sei aber leider viel zu kurz gedacht und müsste aus seiner Sicht eine viel längere Zeit bestehen bleiben. „Da könnte man sich weiß Gott mehr vorstellen.“ Altmaier zeigte sich verständnisvoll, wenngleich er keine allzu großen Hoffnungen wecken wollte, weil schließlich der Koalitionspartner SPD auch mitmachen müsse.

    Terberger hat seinen Arbeitsauftrag erkannt: Er und seine Branchenkollegen müssten ihre Geschäftsmodelle überprüfen, sich um Digitalisierung und Nachhaltigkeit kümmern und die Lieferketten aufrechterhalten. Gleichzeitig appellierte er an den Minister: Zombiefirmen müssten aussortiert werden, aber für die gesunden Unternehmen müsse man etwas tun. Die bräuchten Unterstützung bei ihren Bemühungen, sich den neuen Herausforderungen zu stellen.

    Altmaier teilte diese Auffassung und bat die Unternehmer, mit ihren Ideen zu ihm zu kommen. Er werde sie prüfen. Der Minister sprach von der kulturellen Vielfalt in den Innenstädten, die wichtig für unser Land sei. Zugleich mahnte er aber, dass der Onlinehandel eben auch seine Vorteile hätte – vor allem bei Hemden in seiner Größe, wie er inzwischen festgestellt habe.

    Mehr: Die Coronakrise bedroht das Erfolgsmodell der Modebranche

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