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Datenanalyse Wie Andreas Böhm aus dem KI-Mittelständler One Logic einen Champion formen will

One Logic hat sich gegen SAP und Palantir bei der IT-Plattform für die Impfstoff-Verteilung durchgesetzt. Firmengründer Andreas Böhm beschleunigt nun die Expansion.
12.07.2021 - 13:59 Uhr Kommentieren
One Logic, die Firma des Gründers, ist noch klein, steht aber vor einem Wachstumsschub. Quelle: One Logic
Andreas Böhm

One Logic, die Firma des Gründers, ist noch klein, steht aber vor einem Wachstumsschub.

(Foto: One Logic)

München Für einen Menschen mit großen Ambitionen hat Andreas Böhm einen leisen Auftritt. Mit einem Lächeln öffnet er die Tür zu einem der Prachtbauten der Münchener Innenstadt. Außen an der Hauswand hängt das Schild mit dem Namen seiner Firma, One Logic GmbH. Das Unternehmen entwickelt Systeme, um mit Künstlicher Intelligenz große Mengen an Daten zu verarbeiten. Von den Eckdaten her betrachtet ist die Firma klein. „Wir sind langsam gewachsen, das wird sich nun ändern“, sagt Böhm.

Acht Jahre nach der Gründung hat One Logic knapp 200 Mitarbeiter; mit einem jährlichen Umsatz von unter 20 Millionen Euro ist die Firma solider Mittelstand. „Wir hätten schneller wachsen können, das wäre aber zum Nachteil unserer Kunden gewesen“, sagt Böhm. Die Qualität der Produkte hätte leiden können, wenn der Fokus auf Absatzzahlen und nicht auf den IT-Systemen selbst gelegen hätte.

Nun soll es schneller gehen, sehr viel schneller. „Ich will einen Champion bauen; ein Unternehmen von der Bedeutung einer SAP“, sagt der 38-Jährige, der in der Nähe von Passau geboren wurde. Mit einer Bewertung von 144 Milliarden Euro an der Börse ist der Softwarekonzern Deutschlands wertvollstes Unternehmen. Böhm hält bei dem Satz dem Blick stand und lächelt.

Der Mann ist ambitioniert. „Zugleich ist er sehr zielstrebig“, sagt Andreas Pfeifer. Der kennt Böhm noch aus der Zeit, als er in Passau studiert hat. Der frühere Geschäftsführer von Accenture hatte ihn damals als Berater engagieren wollen. „Er hat ein beeindruckendes unternehmerisches Talent“, sagt Pfeifer.

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    Doch Böhm lehnte ab, er wollte sein Talent für sich selbst nutzen. Rückenwind gab ihm sein erster Auftrag. Im Alter von 23 Jahren entwickelte er als studentischer Berater für Volkswagen eine Datenplattform, mit der der Autobauer einen Milliardenbetrag im Einkauf einsparen konnte.

    Wachstumsmarkt Künstliche Intelligenz

    Inzwischen ist Pfeifer bei Accenture ausgestiegen und engagiert sich für One Logic. Er ist nicht der einzige Manager in den Reihen des Start-ups, für den One Logic auf den ersten Blick zu klein erscheint. Vom Autozulieferer ZF kam im März Spartenvorstand Klaus Geißdörfer. Der Job biete ihm die Möglichkeit, seine Vorstellungen einer vollständigen Digitalisierung umzusetzen, begründete er den Wechsel zum deutlich kleineren Arbeitgeber. Von Oracle warb er Stefan Roskos für den Vertrieb ab.

    Böhm, ein jugendlicher Mann mit schwarzem Hemd, Chinohose und zurückgekämmtem Haar, hat starke Spieler um sich versammelt. „Jeder von denen kann etwas, was ich nicht kann“, sagt er. Seine Leidenschaft gehört den Zahlen. „Schon im Vorschulalter habe ich immer neue Berechnungen angestellt und meine Mutter mit Fragen dazu gelöchert“, berichtet Böhm.

    Die Leidenschaft führte zur Gründung von One Logic. Mit der Firma will Böhm die IT-Plattformen bereitstellen, mit denen Unternehmen ihre Daten intelligenter nutzen können. Bislang herrscht bei den Beständen der meisten Firmen ein Wildwuchs, die Daten werden eher verwaltet als geschickt für das Geschäft genutzt.

    Das Zauberwort heißt „Künstliche Intelligenz“ (KI). Mit deren Hilfe lassen sich über die Datensätze das Verhalten von Kunden vorhersagen und die Betriebsabläufe effizienter steuern. Mehr Umsatz bei gleichzeitig geringeren Produktionskosten lautet das Versprechen.

    Diese selbst lernenden Datenplattformen sind einer der größten Wachstumsmärkte im ohnehin schon boomenden Technologiesektor. Wettbewerber wie C3AI, Exasol oder Palantir erwarten eine Verdoppelung der Nachfrage Jahr für Jahr. Es ist ein Milliardengeschäft, das gerade erst in Schwung kommt.

    Böhms One Logic ist klein, aber sie will vorn mitmischen. Seine Plattformen sollten in jedem Unternehmen laufen, sagt Böhm. SAP-Format eben. Die Chance dazu ist aus Sicht der Technologieberatung Gartner da. In einer weltweiten Untersuchung haben deren Analysten One Logic als einen von fünf ausgezeichneten Anbietern solcher Systeme identifiziert. „Cool“ seien deren Produkte, urteilen die Gartner-Experten.

    Es ist eine seltene Auszeichnung für ein Start-up aus Deutschland. „Den Schwung wollen wir nun nutzen“, sagt Böhm. Er denkt an eine internationale Expansion etwa in die USA und Japan. Absprungbasis könnte die bestehende Kundenbasis sein.

    Einsatzgebiet Impfstoffe

    Zu der gehören heute etwa BASF, Payback und Thyssen-Krupp. Für den Freistaat Bayern hat Böhms Firma die KI-Plattform entwickelt, über die die Impfstoffe von Biontech und anderen Pharmafirmen verteilt werden. Das System erkennt frühzeitig Engpässe und berechnet die Wahrscheinlichkeiten, wie häufig Impftermine nicht wahrgenommen werden.

    Auf den Auftrag ist Böhm stolz, und zwar nicht nur, weil One Logic sich laut Branchenkreisen gegen SAP und Palantir durchsetzen konnte. „Wir haben das System innerhalb weniger Wochen aufgebaut“, sagt er. Es sei effizient und laufe stabil. „So etwas begeistert mich mehr als hohe Umsatzzahlen.“

    Die KI-Systeme hat die Mannschaft von Böhm am Stammsitz in Passau über die Jahre selbst entwickelt und bei Dutzenden Kunden installiert. „Wir kommen nun an den Punkt, an dem wir das Geschäft skalieren können“, sagt Böhm. Die Elemente für die Plattformen habe One Logic bereits entwickelt.

    Im Vergleich zu Schwergewichten wie SAP oder Palantir ist One Logic winzig. In seinem Feld sticht die Firma aber heraus. „Wir haben eine Besonderheit“, sagt Böhm. In Deutschland gebe es lediglich zwei Start-ups mit über 150 Mitarbeitern, die im Bereich Künstlicher Intelligenz unterwegs seien. Neben One Logic ist das Exasol.

    Der Wettbewerber war im vergangenen Jahr mit einem fulminanten Start an die Börse gegangen. Die etwas größere Exasol wird heute mit rund einer halben Milliarde Euro bewertet. Vielleicht ist das ein Fingerzeig, wohin Böhm seine Firma steuern wird.

    Siehe: Fast 50 Prozent Kursgewinn: Exasol gelingt erster Börsengang des Jahres 2020

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