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Diabeloop Französisches Start-up will Diabetes-Patienten mit KI helfen

Diabeloop hat ein automatisches Insulinversorgungssystem für Menschen mit Typ-1-Diabetes entwickelt. Jetzt steht der Marktstart in Deutschland bevor.
04.08.2020 - 12:07 Uhr Kommentieren
Das AID-System (Automated Insulin Delivery) der Firma Diabeloop aus Grenoble soll Menschen mit Typ-1-Diabetes bei ihren täglichen Therapieentscheidungen entlasten. Der Algorithmus verarbeitet die Informationen eines Sensor, der kontinuierlich den Blutzucker im Unterhautgewebe des Patienten misst und steuert die Insulindosis, die die am Körper getragene Pumpe in das Fettgewebe abgeben geben muss. Quelle: Diabeloop
KI steuert automatische Insulinversorgung

Das AID-System (Automated Insulin Delivery) der Firma Diabeloop aus Grenoble soll Menschen mit Typ-1-Diabetes bei ihren täglichen Therapieentscheidungen entlasten. Der Algorithmus verarbeitet die Informationen eines Sensor, der kontinuierlich den Blutzucker im Unterhautgewebe des Patienten misst und steuert die Insulindosis, die die am Körper getragene Pumpe in das Fettgewebe abgeben geben muss.

(Foto: Diabeloop)

Frankfurt Für Menschen mit Typ-1-Diabetes ist ihre Erkrankung eine Art 24-Stunden-Job. Ihre Bauchspeicheldrüse gibt nur noch wenig lebensnotwendiges Insulin frei, deshalb müssen sie es sich selbst zuführen. Der Bedarf ändert sich mehrfach am Tag und in der Nacht, je nach Ernährung, körperlicher Anstrengung und anderen Einflüssen.

Seit vielen Jahren arbeiten Forscher daran, das Management der Krankheit zu automatisieren und eine Art künstliche Bauchspeicheldrüse zu schaffen. Der US-Konzern Medtronic hat bereits ein solches System auf dem Markt, auch Konzerne wie Roche und Lilly forschen an solchen Lösungen. Das französische Start-up Diabeloop hat ein eigenes dieser sogenannten AID-Systeme (Automated Insulin Delivery) entwickelt, das es nun auf den deutschen Markt bringen will.

„Mithilfe maschinellen Lernens kann das System den Patienten die vielen therapeutischen Entscheidungen abnehmen, die den Alltag von Menschen mit Typ-1-Diabetes bestimmen“, sagt Diabeloop-Co-CEO Marc Julien. Herzstück des von Diabeloop entwickelten Systems ist ein selbstlernender Algorithmus, der sich der Physiologie und dem Lebensstil des Patienten anpassen soll. Er steckt in einem Gerät in Smartphonegröße und funktioniert in Kombination mit einem Glukosesensor, der die Blutzuckerwerte im Gewebe misst, und einer kleinen Pumpe am Körper, die Insulin ins Bauchgewebe abgeben soll.

Der Algorithmus wird über ein paar Wochen trainiert, er lernt aus den Gewohnheiten des Patienten. Das System misst alle fünf Minuten den Blutzuckerspiegel und steuert die Menge, die an Insulin abgegeben werden muss – auch in der Nacht. „Lediglich bei Mahlzeiten und Sport muss der Patient dem System einen Hinweis geben, damit es die Insulinversorgung richtig einstellen kann“, sagt Julien.

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    Diabeloop ist ursprünglich aus einem medizinischen Forschungsprojekt hervorgegangen. Der Diabetologe Guillaume Charpentier und der Ingenieur Erik Huneker haben das Unternehmen 2015 gegründet. Ein Jahr später kam der Ingenieur Marc Julien ins Team, um die Vermarktung voranzutreiben.

    Seit Ende 2018 hat Diabeloop die CE-Kennzeichnung als Medizinprodukt. Die Zulassungsstudie hat bei den Patienten deutlich verbesserte Blutzuckerwerte und eine reduzierte Anzahl an gefährlichen Unterzuckerungen ergeben.

    Expansion nach Deutschland

    Anfang des Jahres hat das in Grenoble ansässige Start-up eine Finanzierungsrunde der Serie B über 31 Millionen Euro abgeschlossen, mit der der Markteintritt in anderen europäischen Ländern – vor allem zunächst in Deutschland – vorangetrieben werden soll. Hierzulande gibt es mehr als 300.000 Menschen mit Typ-1-Diabetes.

    Die Kosten der Versorgung eines Patienten mit einem AID-System werden in der Branche auf 26.000 bis 29.000 Euro über vier Jahre veranschlagt. Für das KI-Tool strebt Diabeloop eine zusätzliche monatliche Vergütung an. Wie hoch die sein könnte, verraten die Manager derzeit noch nicht.

    Das Start-up ist ursprünglich aus einem medizinischen Forschungsprojekt hervorgegangen. Quelle: Diabeloop
    Erik-Huneker (l.), Guillaume-Chapentier (M.), Marc-Julien

    Das Start-up ist ursprünglich aus einem medizinischen Forschungsprojekt hervorgegangen.

    (Foto: Diabeloop)

    Mittlerweile ist die deutsche Diabeloop GmbH gegründet. Deutschlandchef Christian Krey ist mit privaten und gesetzlichen Krankenkassen im Gespräch, um sogenannte Selektivverträge abzuschließen, in deren Rahmen Patientengruppen versorgt werden sollen. Parallel strebt Diabeloop auch den Eintrag seines Systems in das Hilfsmittelverzeichnis an, um als Medizinprodukt von Ärzten verschrieben werden zu können. Wenn alles gut läuft, so hofft Krey, können Ende des Jahres die ersten Patienten in Deutschland mit dem AID-System von Diabeloop versorgt werden.

    Diabetologen wie Matthias Kaltheuner aus Leverkusen warten schon darauf. Sie wissen aus ihrer täglichen Arbeit mit erwachsenen Diabetes-Patienten, wie schwierig das Management der Krankheit sein kann. „Wenn das System von Diabeloop hält, was es verspricht, wäre das für Patienten mit Typ-1-Diabetes eine große Erleichterung“, sagt der Mediziner. „Aber wir wissen das eben noch nicht, weil wir das System hier in Deutschland noch nicht testen konnten.“

    Seiner Einschätzung nach scheint das Diabeloop-System mehr Automatik und Künstliche Intelligenz einzusetzen, als es bisher verfügbare System am Markt tun. „Die Bedienung wäre für den Patienten viel einfacher und angenehmer“, sagt Kaltheuner.

    Bislang hat der US-Konzern Medtronic das einzige AID-System auf dem Markt. Das System läuft in den USA bei mehr als 250.000 Benutzern und wird auch in Deutschland vertrieben. Laut Kaltheuner ist das System für Patienten allerdings relativ aufwendig zu bedienen. Medtronic bessert nach und will eine neue, weiterentwickelte Generation seines Minimed-Systems auf den Markt bringen. Die Zertifizierung für Europa hat das Unternehmen im Juni bekommen.

    Mehr: Wie neue Technologien das Leben von Diabetikern verändern.

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