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Die größten Familienunternehmen der Welt Dalian Wanda: Der zweifelhafte Aufstieg zum chinesischen Immobilienimperium

Mit Immobilien- und Unterhaltungsgeschäften erschuf Wang Jianlin einen der größten Konzerne Chinas. Nun baut sein Sohn Wang Sicong ein E-Sports-Imperium auf.
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Inzwischen stehen in China mehr als 100 solcher Einkaufszentren mit Kinos, Hotels und Apartments. Quelle: picture alliance/dpa
Wanda Plaza

Inzwischen stehen in China mehr als 100 solcher Einkaufszentren mit Kinos, Hotels und Apartments.

(Foto: picture alliance/dpa)

Peking Wenn Wang Jianlin in Rente geht, dann will er erst einmal seine Autobiografie schreiben. 2020, so sagte er einst in einem Fernsehinterview, wäre es so weit. Dann ist Wang, Gründer und Vorsitzender des Immobilien- und Unterhaltungskonzerns Dalian Wanda, 66 Jahre alt.

Viel zu erzählen hätte er. Denn kaum ein anderer Unternehmer ist so gut vernetzt und schillernd wie Wang, dessen Privatvermögen sich auf geschätzte 20 Milliarden Dollar beläuft. Als langjähriges Mitglied der Kommunistischen Partei hat er bei Nationalen Volkskongressen über Gesetze mitgestimmt; das Staatsfernsehen wählte ihn 2005 und noch einmal 2012 zur Wirtschaftspersönlichkeit des Jahres.

Und sein Sohn Wang Sicong steht ihm mit fast 45 Millionen Followern auf Weibo, dem chinesischen Twitter, in Sachen Bekanntheit in nichts nach. Während der Junior mit seinen 700 Millionen Dollar an geschätztem Privatvermögen als einer der bekanntesten Vertreter der sogenannten „fuerdai“, der reichen zweiten Generation, gilt, steht die Geschichte des Seniors exemplarisch für die Generation der zahlreichen Selfmade-Milliardäre im aufstrebenden Reich der Mitte.

Wang Jianlin kam 1954 als Sohn eines kommunistischen Kadermitglieds zur Welt. Schon mit 16, als die Kulturrevolution noch immer in China wütete, trat er der Volksbefreiungsarmee bei. Die Militärzeit wirkt bis heute nach: Wang mag Disziplin. Angestellte, die unpünktlich sind oder sich nicht an die strenge Kleidervorschrift halten, müssen eine Geldstrafe zahlen.

Nach einer kurzen Phase als Beamter wurde Wang 1988 in die nordchinesische Hafenstadt Dalian versetzt und übernahm die Leitung eines staatlichen Bauunternehmens für Wohngebäude. Mithilfe eines Kredits im Wert von 80.000 Dollar, den ihm ein Freund aus Armeezeiten besorgt hatte, krempelte er das Unternehmen um und holte es aus den roten Zahlen. 1992 taufte er die Firma in Dalian Wanda um und begann einen Restrukturierungsprozess, der zur vollständigen Privatisierung des Konzerns führte und Wang die Mehrheitsbeteiligung sicherte.

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Seitdem ist das Unternehmen rasant mit der chinesischen Wirtschaft gewachsen. Berühmt wurde er dabei mit sogenannten Wanda Plazas, also riesige Einkaufszentren mit Kinos, Hotels und Apartments. Das erste baute Wang 2002 im nordchinesischen Changchun; danach folgten mehr als 100 weitere Plazas in ganz China. 2018 lag der Jahresumsatz der Konzerngruppe bei knapp 32 Milliarden Dollar.

In China gilt die Immobilienbranche als besonders korrupt, schließlich besitzt der Staat die Rechte an Grundstücken. Wer Land pachten möchte, um Häuser darauf zu bauen, muss in der Regel die entsprechenden Politiker und Bürokraten für sich gewinnen, um den Zuschlag für das eigene Projekt zu bekommen. Gleichzeitig sehen viele lokale Regierungschefs Wandas Immobilien als Prestigeobjekte an. Sie erhoffen sich von ihnen mehr Arbeitsplätze, mehr Steuergelder und schließlich mehr Binnenkonsum.

Wang drückt es anders aus: Er liefere Beamten und Politikern Projekte, die das Wirtschaftswachstum und somit ihre individuellen Karrieren voranbringen. Im Gegenzug dafür bekomme er die besten und profitabelsten Grundstücke. Auf denen baute er dann mit „Wanda-Geschwindigkeit“, in der Regel in 18 Monaten, die riesigen Wanda Plazas. „Der Erfolg in diesem Zeitraum kann darüber entscheiden, ob man als Beamter befördert wird oder nicht“, erklärt Wang Yongping, der Vizedirektor des chinesischen Verbandes für Gewerbeimmobilien.

Um nicht der „größten Blase der Geschichte“ ausgeliefert zu sein, wie Wang vor drei Jahren in einem Interview die Entwicklung auf dem chinesischen Häusermarkt bezeichnete, diversifizierte er früh: Wanda sollte nicht nur ein Immobilien-, sondern auch ein Unterhaltungsimperium werden. So beteiligt sich Wanda mit 20 Prozent am spanischen Fußballklub Atlético Madrid, kauft sich systematisch in Hollywood ein, übernimmt den Schweizer Sportrechtevermarkter Infront, wird offizieller Fifa-Partner und baut nahe Qingdao die größte Filmstadt der Welt.

Der Aufstieg daheim und international war atemberaubend. Und die Stimmen, die abstritten, dass Wandas Erfolg nur auf Können und Timing, sondern auch auf zweifelhaften politischen Beziehungen aufgebaut seien, wurden immer lauter. 2015 erschien ein Artikel in der „New York Times“, der die Verstrickungen des Unternehmens mit den Elitezirkeln Chinas nachzeichnete. Verwandte und Geschäftspartner der Mitglieder des Politbüros, des Machtzentrums Chinas, wurde sehr früh die Chance angeboten, Anteile an Wanda zu erwerben, deren Wert sich über die Jahre vervielfachte.

Öffentlich betet Wang gerne vor, dass sein Unternehmen und dessen Mitarbeiter sich von Bestechung fernhalten. „Es ist nun einmal Fakt, dass die chinesische Wirtschaft von der Regierung bestimmt wird und die Immobilienindustrie Genehmigungen benötigt“, sagte er in einem Interview. „Ich würde daher sagen, dass es nicht möglich ist, die Regierung beim Geschäftemachen zu ignorieren.“ Deshalb müsse man mit Peking gute Beziehungen pflegen, sich aber von der Politik fernhalten.

Bestechungsgelder und „irrationale“ Einkaufstouren

Wandas Hände sind jedoch nicht lilienweiß, wie der Fall von Jin Cheng, einem Mitglied der politischen Führung in Wandas Heimatstadt Dalian, zeigt. Jin Cheng wurde 2016 zu 30 Jahren Haft verurteilt, weil er zwischen 1998 und 2015 Bestechungsgelder im Wert von 2,5 Millionen Dollar entgegengenommen haben soll, unter anderem auch zwei Zahlungen in den Jahren 2008 und 2009 von Wanda-Managern. Der Konzern behauptete vor Gericht, dass es sich um einen Einzelfall handele. Doch als Resultat der Bestechung verkaufte Dalian seine Anteile an den Unternehmensgründer, und das Unternehmen konnte vollständig privatisiert werden.

Doch selbst die besten politischen Kontakte konnten Wang ein Jahr später nicht helfen, als Peking im Sommer 2017 unter anderem Wanda für seine „irrationalen“ Einkaufstouren rügte, bei denen es Fußballklubs, Hotels, Kinos und Immobilien im Ausland kaufte.

Das Unternehmen habe mit diesen Transaktionen nicht Profitabilität im Auge gehabt, sondern mit ihnen Kapital aus China hinausschaffen wollen, kritisierten regierungsnahe Quellen. Chinas Regierung stufte sowohl den Abfluss des Renminbis sowie einen sich immer weiter auftürmenden Schuldenberg als systemgefährdend ein. Die Behörden in Peking wiesen Banken an, die Finanzierung für Wandas ausländische Investitionen, die im Konflikt mit Chinas Kapitalverkehrskontrollen stand, erst einmal einzustellen.

Alsbald rief Wang das sogenannte „Asset Light“-Modell, eine Verschlankungskur für sein Unternehmen, aus. Konkret bedeutete es, dass Wanda Dutzende seiner Vermögenswerte, vor allem die im Ausland befindlichen, wieder veräußerte und sich stattdessen auf den chinesischen Markt zurückbesann. Seit Ende 2016 kamen dabei rund 25 Milliarden Dollar zusammen. „Wanda hat seine Bilanz schon um mehr als 20 Prozent verringert“, sagt Brock Silvers, Geschäftsführer bei der Vermögensberatungsfirma Kaiyuan Capital.

Doch es bleiben immer noch knapp 26,5 Milliarden Dollar an Schulden laut Wandas eigenen Angaben. Und die einfach zu monetarisierenden Vermögenswerte hat man bereits in den vergangenen zwei Jahren verkauft, meint Silvers.

Auch sonst meidet Wang, der auf Jahresfeiern gerne mal ein Ständchen gibt, zurzeit eher das Rampenlicht. Dabei war er früher immer für kontroverse Sprüche zu haben. Erst 2016 löste er einen Sturm der Empörung aus, als er jungen Geschäftsleuten riet: „Seid nicht zu ehrgeizig, und setzt euch erst einmal ein kleines Ziel, wie zum Beispiel: Ich will 100 Millionen Yuan verdienen.“ Dieses „kleine Ziel“ sind umgerechnet 15 Millionen Dollar – entsprechend laut waren die Proteste in den sozialen Medien.

König der Provokationen
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