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Aldi

Bisher herrschte eine sportliche Konkurrenz zwischen Nord und Süd.

(Foto: Aldi Nord)

Die größten Familienunternehmen der Welt Schleichende Revolution: Warum Aldi Nord und Süd zusammenrücken

Die Trennung in zwei Gesellschaften war ein Grund für den weltweiten Erfolg von Aldi. Jetzt nähern sich die Unternehmen der Albrecht-Familie wieder an.
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Düsseldorf Für eingefleischte Aldi-Fans wird es bald Überraschungen geben. So könnte es nicht mehr lange dauern, und in Märkten von Aldi Nord steht beispielsweise Orangensaft der Aldi-Süd-Marke rio d‘oro in den Regalen. Bei Aldi Süd dagegen wird es künftig Milchprodukte statt unter der Marke Milfina unter dem Namen Milsani geben. Einen Großteil der Eigenmarken, so die Planung, wollen die Unternehmen bis Ende 2020 vereinheitlichen.

Was sich zunächst unspektakulär anhört, ist ein echter Paradigmenwechsel. Denn bei den beiden Discount-Brüdern vollzieht sich zurzeit eine schleichende Revolution. Damit wird – zumindest in Teilen – die wohl folgenreichste Zäsur in der Geschichte des Discountpioniers rückgängig gemacht: die Trennung in Aldi Nord und Aldi Süd.

Beide Unternehmen beeilen sich zwar zu betonen, dass eine Fusion der Unternehmen nicht geplant sei. Doch die Entwicklung ist deutlich – und geht weit über die Zusammenlegung von Eigenmarken hinaus.

Beispielhaft zeigt sich das an der gemeinsamen Einführung der neuen Biomarke Schneekoppe. Produkte des Unternehmens, das dem Ex-Fußballprofi Philipp Lahm gehört, werden seit Mai bei Aldi Nord und Süd angeboten. Für die Unternehmen hat das gleich mehrere Vorteile. So können sie den Einkauf für diese Biolinie zusammenlegen – und verringern die Kosten der Beschaffung.

Außerdem können sie bundesweit TV-Werbung schalten mit Lahm als Testimonial. Das Zusammenwachsen in Einkauf, Marketing, Kommunikation und Zahlungssystemen über den Aldi-Äquator hinweg ist kein Tabu mehr – und die möglichen Effizienzgewinne sind riesig.

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Jahrzehntelang wäre das undenkbar gewesen. Gerade die sportliche Rivalität zwischen Aldi Nord und Aldi Süd und der Ehrgeiz, nicht hinter den anderen zurückzufallen, war eine wichtige Triebkraft für den Erfolg. Denn anfangs hatte Aldi in seinem Segment kaum Konkurrenz, waren die Brüder Karl und Theo Albrecht doch die Erfinder des Discount-Prinzips.

Sie hatten nach dem Zweiten Weltkrieg den Lebensmittelladen der Eltern im Essener Arbeiterviertel Schonnebeck übernommen. Doch den Brüdern war das nicht genug, sie trieb der unbedingte Wille an, aufzusteigen, sie waren das, was man heute ein Start-up nennen würde. Der große Unterschied zu vielen heutigen Gründern: Investoren wollten die Brüder nicht – selbst Banken waren ihnen suspekt.

Ihr Wachstum finanzierten sie stets aus dem laufenden Geschäft. Und da das Geschäft gut lief, expandierten sie schnell. 1960 hatten die Albrechts schon 300 Läden. Heute sind sie weltweit präsent, nicht nur in Europa, sondern auch in Australien und den USA.

Ihre Motivation war es, mit den scheinbar übermächtigen Filialbetrieben mithalten zu können. „Ja, ich wollte groß werden“, sagte der damals 94-jährige Karl Albrecht rückblickend in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, dem einzigen, das einer der verschwiegenen Brüder je gegeben hat. „Egal wie sie mich beschimpft haben, ich wollte groß werden“, erinnert er sich, wie die etablierten Einzelhändler auf den Emporkömmling herabblickten.

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Das lag an der Idee der Brüder Anfang der 1960er-Jahre, die den Lebensmittelmarkt stärker veränderte als alles zuvor. Sie reduzierten das Angebot radikal und trieben die Selbstbedienung auf die Spitze. Die Kunden mussten sich die Waren aus Kartons nehmen, die auf Paletten gestapelt waren – was viele Kunden anfangs befremdete. Dafür bekamen sie in den Läden unter dem neuen Namen Aldi hohe Qualität zu Tiefstpreisen – das Discount-Konzept war geboren und wurde in der Folge zu einem durchschlagenden Erfolg.

Fast zeitgleich beschließen die Brüder, ihr Imperium aufzuteilen. Lange hielt sich die Legende, sie hätten sich darüber zerstritten, ob in den Läden Zigaretten verkauft werden dürften oder nicht. Tatsächlich waren Karl und Theo Albrecht trotz großer Gemeinsamkeiten und enger Verbundenheit zwei unterschiedliche Charaktere mit durchaus eigenen Vorstellungen und Zielsetzungen.

Ehe sie darüber in Krach geraten konnten, zogen sie am 1. Januar 1961 eine Trennlinie, die sich von der niederländischen Grenze ungefähr bei Bocholt nach Süden zieht, das Ruhrgebiet zwischen den Firmensitzen Essen (Aldi Nord) und Mülheim (Aldi Süd) teilt und sich dann oberhalb von Düsseldorf nach Osten wendet.

Statussymbole sind verpönt

Beide Gründer setzten bald auf familienfremde Manager, was wohl auch ein Erfolgsfaktor war. Doch während sich Karl schon früh weitgehend aus dem operativen Geschäft zurückzog und seinem Führungsteam relativ freie Hand ließ, kümmerte sich Theo mit Begeisterung um jedes Detail.

Allerdings ein Prinzip galt für beide: Der Erfolg des Unternehmens geht immer vor privaten Interessen. Und sowohl Karl wie Theo pflegten eine Sparsamkeit, die fast schon an Geiz grenzte. Sie entsagten so gut wie allen Statussymbolen, die sie sich als Milliardäre hätten leisten können. Spätestens nachdem Theo 1971 Opfer einer Entführung wurde, verschwanden die beiden auch fast vollständig aus der Öffentlichkeit.

Im juristischen Streit mit ihrer Schwiegertochter Babette hat die Witwe von Theo, Cäcilie Albrecht, dieses lange Jahre ungeschriebene Gesetz dann sogar schriftlich fixiert. In einer eidesstattlichen Versicherung fürs Gericht betonte sie: „Für uns Eltern und unsere Söhne stand das Unternehmen immer an erster Stelle, dem wir alles andere untergeordnet haben.“ Quasi als Vermächtnis wiederholte sie dies fast wortgleich in ihrem Testament, das nach ihrem Tod im vergangenen Jahr eröffnet wurde.

Vermögen steckt in Stiftungen
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