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Digitalisierung Das Start-up Actyx baut ein Betriebssystem für die Fabrik

Die Fabrik der Zukunft ist digital. Um Mittelständlern diesen Weg zu erleichtern, entwickeln drei Gründer eine Software für die vernetzte Produktion.
28.07.2020 - 04:14 Uhr Kommentieren
Die Actyx-Gründer stellen das Betriebssystem für die digitale Vernetzung von Fabriken. Quelle: Actyx
Roland Kuhn, Oliver Stollmann, Maximilian Fischer

Die Actyx-Gründer stellen das Betriebssystem für die digitale Vernetzung von Fabriken.

(Foto: Actyx)

Düsseldorf Geht es um die Digitalisierung der deutschen Industrie, gehören pessimistische Zwischenrufe aus der Start-up-Szene fast zum guten Ton. Maximilian Fischer, Mitgründer der Softwarefirma Actyx, bildet da eine Ausnahme. „Oft heißt es, Deutschland habe als Wirtschaftsstandort einen Rückstand bei der Entwicklung von Software“, sagt der studierte Maschinenbauer.

Doch das stimme so pauschal nicht. „Wenn es um die Digitalisierung der Fabrik geht, sind wir führend“, legt sich der 31-Jährige fest, „das liegt auch an unserem industriellen Ökosystem.“ Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es eine so enge Verzahnung von produzierenden Firmen und Zulieferern, die bei der Einführung neuer Technologien meist eng kooperieren.

Fischer weiß das. Schon während seines Maschinenbaustudiums kam der Gründer viel in der Welt herum. Angefangen an der ETH in Zürich, folgten weitere Stationen an der EPF in Lausanne sowie am California Institute of Technology (Caltech) im Großraum Los Angeles. 2016 gründete er schließlich mit Roland Kuhn und Oliver Stollmann das Start-up Actyx in München – und arbeitet seither daran, die Digitalisierung der Industrie zu beschleunigen.

Auch Kuhn und Stollmann bringen viele Jahre Industrieerfahrung mit: So arbeitete Stollmann, den Fischer als Studienkollegen in Zürich kennen lernte, bereits für Miele, Audi ABB und Xerox. Kuhn wiederum kommt aus der Luft- und Raumfahrttechnik und leitete ein Entwicklungsteam bei der Softwarefirma Lightbend, die vor allem im Cloud-Geschäft tätig ist.

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    Kerngeschäft des Trios ist das Herzstück der digitalen Fabrik. Denn die Münchener entwickeln nicht einfach nur Programme für einzelne Maschinen, sondern ein komplettes Betriebssystem. Damit kann jede Anlage in einer Fabrik überwacht, gesteuert und damit auch verbessert werden. Rechnen soll sich das Investment bereits nach wenigen Monaten.

    Das komplizierte Geschäftsmodell erklärt Gründer Fischer mit einem Gleichnis. „Eine Fabrik ist ein komplexes System, das sich mit einem Orchester vergleichen lässt.“ Es müssten viele verschiedene Musiker zusammengebracht werden. „Heute funktioniert diese Orchestrierung in der Fabrik stark analog – also mit Zetteln und Tabellen. Mit intelligenter Software lässt sich dieses Zusammenspiel aber viel besser koordinieren.“

    Dabei stellt Actyx mit seinem Betriebssystem, das auf allen möglichen Maschinen laufen kann, vor allem Softwareentwicklern einen Rahmen zur Verfügung: Sie entwickeln darauf aufbauend spezifische Programme für Unternehmen, um beispielsweise die Kommunikation zwischen Fabrikarbeiter und Vertrieb zu beschleunigen. Fertigungsanweisungen auf Papier sind nicht länger nötig.

    Weil Actyx die Apps größtenteils nicht selbst entwickelt, arbeitet das Unternehmen mit mehreren Partnern zusammen, die im Auftrag ihrer Kunden Softwarelösungen auf Basis des Betriebssystems entwickeln. Dazu gehören Unternehmen wie Nordcloud, Actemium oder neuerdings Alleantia, die im Hauptgeschäft Industriekonzerne bei Digitalisierungsprojekten unterstützen.

    Fachkräfte besser managen

    Thomas Baus, verantwortlich für die globale Produkteinführung von Nordcloud, lobt dabei die Einfachheit des Systems: „Die Actyx-Plattform ermöglicht es uns, mit unglaublicher Geschwindigkeit zuverlässige Lösungen für unsere Kunden zu bauen.“ So konnten die Entwickler beispielsweise eine mobile Werkerassistenz-App für den schwedischen Gleitlagerhersteller SKF innerhalb von nur drei Wochen fertigstellen.
    Es gehe auch darum, die Ressourcen dieser derzeit hochgefragten Fachkräfte besser einzusetzen, ergänzt Fischer. „Unser Betriebssystem bietet ihnen einen einfachen Zugang zur digitalen Fabrik, wo sie bei der Entwicklung eigener Apps aufsetzen können.“ Das soll vor allem den Mittelstand entlasten, der es wegen des IT-Fachkräftemangels oft schwerer hat als Großkonzerne, entsprechendes Personal oder Dienstleister zu akquirieren.

    Derzeit ist die Software von Actyx weltweit in 15 Fabriken im Einsatz, darunter bei SKF, dem schwäbischen Gerüstsystemhersteller Peri sowie bei Stölzle Glas. Auch der Duisburger Stahlhändler Klöckner hat das System an einzelnen Standorten implementiert, deutschlandweit sollen noch in diesem Jahr alle Werke folgen.

    Klöckner-Deutschlandchef Sven Koepchen zeigt sich nach den ersten Monaten, in denen sein Unternehmen mit Actyx arbeitet, überzeugt. „Mit dem neuen Set-up konnten wir unsere Produktivität im Laser-Schnitt bislang um zehn Prozent steigern“, sagte er dem Handelsblatt. „Insgesamt rechnen wir mit einer Verbesserung der Wirtschaftlichkeit um 20 bis 30 Prozent.“

    Bei der Einführung des Betriebssystems wurde Klöckner von Actyx unterstützt, angefangen bei der Anschaffung entsprechender Geräte über die Installation der Software bis zur Schulung der Mitarbeiter. Vorher habe er Gespräche mit mehreren Unternehmen geführt und den Actyx-Gründern „gründlich auf den Zahn gefühlt“, so Koepchen. „Entscheidend war dabei auch die einfache Anbindung der Software an unsere bestehenden Systeme.“ Geld verdient Actyx mit seiner Software in erster Linie über den Verkauf der monatlich oder jährlich abgerechneten Lizenzen.

    Hoffen auf Digitalisierungsschub

    Auch Investoren konnten Fischer und seine Mitstreiter von ihrer Idee überzeugen. Zu den Geldgebern des Start-ups zählen unter anderem der Berliner Early-Stage-Investor Paua, der sich auf B2B-Unternehmen spezialisiert hat, sowie der Pre-Seed-Investor System One.

    Paua-Gründer Christian Buchenau sitzt auch im Aufsichtsrat des Unternehmens – ebenso wie Rolf Mathies, einer der Gründer des VC-Fonds Earlybird, und Jürgen Jasperneite, Professor für Rechnernetze an der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe. Auch wenn das Unternehmen noch nicht profitabel arbeitet, hat Actyx mit seinen knapp 30 Mitarbeitern die Frühphase der Gründung mittlerweile hinter sich.

    Maximilian Fischer hofft, dass die Coronakrise der Digitalisierung in der Fertigung einen weiteren Schub verleiht. So überlegten derzeit viele Firmen, wie sie ihre Produktion künftig krisenfester aufstellen können, und erwögen daher teilweise auch eine Rückverlagerung der Produktion nach Deutschland. „Um die Produktion in Hochlohnländern wettbewerbsfähig wieder aufbauen oder ausbauen zu können, wird ohne Frage Automatisierung und Digitalisierung an Relevanz gewinnen.“

    Mehr: Neue Anwendungen beweisen das Potenzial der Blockchain-Technologie.

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