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Dominic Williams Wie ein Internet-Revoluzzer das Geschäftsmodell der Cloud angreift

Die Stiftung Dfinity will Konzerne wie Amazon und Microsoft durch Innovationen entmachten und das Netz demokratisieren. Ein gewagtes Unterfangen.
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Der Dfinity-Gründer will die Dominanz der Internetriesen brechen. Quelle: Sportsfile/Getty Images
Dominic Williams

Der Dfinity-Gründer will die Dominanz der Internetriesen brechen.

(Foto: Sportsfile/Getty Images)

Düsseldorf Die Cloud ist heute allgegenwärtig: Große und kleine Internetunternehmen lassen ihre Software und ihre Daten von großen Speicherplatzanbietern wie Amazon, Microsoft und Alibaba verwalten. Doch wenn es nach Dominic Williams geht, ist es mit dieser Schlüsselstellung bald vorbei.

Der Informatiker hat eine Vision – nicht weniger als die „Vollendung des Internets“. Falls die Mission gelingt, müssten die Internetriesen wie Amazon, Google und Facebook um ihr Geschäftsmodell bangen. Denn Williams will ein radikal offenes Netz schaffen – und hat dafür immerhin fast 200 Millionen Dollar eingesammelt. Bis Ende 2019 solle ein erstes Testsystem laufen, sagte er dem Handelsblatt.

Williams sieht große Teile des Netzgeschehens heute vergleichbar mit der Situation in den 1990er-Jahren, als Anbieter wie Compuserve und AOL geschlossene Netze aufbauen wollten – und schließlich vor der Idee des freien World Wide Webs kapitulieren mussten. Ähnlich werde es den Anbietern von Speicherplatz gehen – also etwa Amazon Web Service, Microsoft Cloud und Alibaba Cloud, prophezeit der Seriengründer, der unter anderem ein Online-Computerspiel für Kinder geschaffen hat.

„Bislang bauen viele Cloud-Kunden ihr Unternehmen auf dem Rücken dieser Anbieter auf – und begeben sich so in eine große Abhängigkeit“, warnt der Informatiker. Es sei schwierig, den Anbieter zu wechseln, wenn der seine Konditionen ändert. Mit seiner Stiftung Dfinity will Williams von der neutralen Schweiz aus die Grundlage für ein neues, offenes System legen.

Ähnlich wie im World Wide Web die Datenströme des Internets über zahllose Computer laufen, sollen Speicherkapazitäten weltweit zusammenarbeiten. Die Technik für den „Internet Computer“, die die Stiftung entwickeln will, soll auch neue, offene Konkurrenten zu Plattformen wie Facebook, WhatsApp und LinkedIn ermöglichen. Weil die Netzwerke zu natürlichen Monopolen neigen, hätten sie eine zu große Macht, sagt Williams.

So habe eine technische Umstellung bei Facebook dem aufstrebenden Spieleanbieter Zynga einst den Garaus gemacht. Offene Angebote haben, so hofft Williams, als einzige das Potenzial, die Monopole aufzubrechen. Dann soll es technisch unmöglich sein, offene Schnittstellen zu schließen – der Fall Zynga könnte sich so nicht wiederholen. „Die Tech-Geschichte zeigt, dass offene Netzwerke überlegen sind“, sagt Williams.

Die Stiftung soll dabei ein Blockchain-basiertes Belohnungssystem entwickeln: Anbieter, die Speicherplatz freigeben, erhalten Tokens, ebenso wie Menschen, die sich an der Verwaltung des Systems beteiligen, indem sie etwa die Speicheranbieter akkreditieren. Die entsprechenden Tokens seien schon jetzt mit fast zwei Milliarden Dollar bewertet, sagt er.

Vorsprung durch Technik

Technisch hält Wirtschaftsinformatiker Nils Urbach, Professor an der Universität Bayreuth und Leiter des Fraunhofer Blockchain-Labors, die Aufgabe für lösbar. „Es lässt sich aber von außen nicht realistisch beurteilen, wie schnell das wirklich umsetzbar ist“, sagt er. Die Blockchain-Stiftung Ethereum, ein ideelles Vorbild, leide etwa darunter, dass Operationen lange dauerten und das System nur schlecht zu skalieren sei.

Sollte Dfinity eine technisch gute Lösung aufbauen, sieht er jedoch einen Markt – auch weil Unternehmen das Risiko, an eine möglicherweise hackbare Cloud gebunden zu sein, loswerden könnten. Eine offene Lösung könnte zudem kostengünstiger sein. Allerdings: Noch sei unklar, wer für offene Alternativen etwa zu Facebook die Werbetrommel rühren würde und ob genügend Menschen sich engagieren würden.

Williams skizziert einen raschen Fahrplan: Seine 2015 im „Crypto-Valley“ im schweizerischen Zug gegründete Stiftung soll von derzeit 75 Mitarbeitern bis zum Jahresende auf 150 anwachsen. Ende dieses Jahres soll ein öffentliches Testsystem starten, der endgültige Start könne dann möglicherweise bereits im ersten Halbjahr 2020 stattfinden, sagte er. Erste Nutzer sollen Menschen sein, die das Internet vorausdenken. Diese sollen dann auch große Unternehmen überzeugen, auf die offene Cloud umzusteigen.

Die technischen Voraussetzungen – schnelles Internet und billige Hardware – seien jedenfalls da. „Hunderte Millionen Dollar warten nur darauf, das zu finanzieren“, ist Williams überzeugt. Die Stiftung habe jedoch erstmals genug Geld für die Entwicklungsarbeit. Wirtschaftsinformatiker Urbach sieht aber, dass die Investoren bei der Blockchain deutlich genauer Geschäftsmodelle prüfen als während des Booms vor zwei Jahren.

Klar ist allerdings auch, dass der Blockchain-Hype vorbei ist, als Geldgeber wie Andreessen Horowitz in Williams’ Projekt investierten. „Wir sind nicht wirklich Blockchain“, sagt Williams denn auch. Sein System soll mehr wie das bekannte Internet-Protokoll arbeiten. Er selbst beschreibt sich als „Distributing-Software-Nerd“. Er habe eine langjährige Erfahrung in dem Bereich. Und er könne die besten Leute zusammenstellen – und auch bei den Internetriesen abwerben. „Wir haben das beste Team in dem Bereich“, sagt er selbstbewusst. Direkte Konkurrenten sieht er nicht. Der Netz-Revolutionär ist also auf einsamer Mission.

Mehr: Mit der zweiten Übernahme baut Google sein Cloud-Geschäft für Firmen aggressiv aus. Aber auch IBM will in dem Markt mitmischen.

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