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DrSmile Diese Gründer wollen mit schönen Zähnen Geld verdienen

Jens Urbaniak und Christopher von Wedemeyer wollen mit DrSmile die ästhetische Zahnmedizin modernisieren. Aus der Branche gibt es an dem Start-up viel Kritik.
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Christopher von Wedemeyer (links) und Jens Urbaniak wollen mit DrSmile durchstarten. Quelle: DrSmile
Start-up-Gründer

Christopher von Wedemeyer (links) und Jens Urbaniak wollen mit DrSmile durchstarten.

(Foto: DrSmile)

FrankfurtEin strahlendes Lächeln mit geraden weißen Zähnen – das ist nicht nur in Hollywood Mode, sondern längst in der breiten Öffentlichkeit gefragt. Neben Bleaching, der Zahnaufhellung, wird auch die Korrektur von Zahnfehlstellungen bei Erwachsenen immer beliebter.

Auf diesen Trend ist Jens Urbaniak aufgesprungen. Zusammen mit Christopher von Wedemeyer hob er 2016 die Marke DrSmile aus der Taufe. Das erste Produkt sind sogenannte Aligners – mithilfe durchsichtiger Schienen können kleine und mittlere Zahnfehlstellungen behoben werden.

„Wir wollen die erste Anlaufstelle für schöne Zähne sein“, beschreibt Urbaniak die Idee von DrSmile, der in mittlerweile acht deutschen Großstädten eigene Standorte betreibt. Urbaniak, 32, studierter Volkswirt, sammelte Start-up-Erfahrung bei Rocket Internet und hatte 2015 das inzwischen aufgegebene Concierge-Startup Go Butler in Berlin mitgegründet. Christopher von Wedemeyer, 28, ist Absolvent der Frankfurt School of Finance und arbeitete als Analyst. Beide Gründer kennen sich bereits aus Schultagen.

Zunächst konzentriert sich DrSmile zwar auf die Alignertherapie. Ziel ist es aber, die gesamte Palette der ästhetischen Zahnmedizin abzudecken, also auch für die gewünschte Zahnfarbe und Zahnform zu sorgen. „Bei immer mehr Menschen steigen die ästhetischen Ansprüche an ihre Zähne“, beobachtet Urbaniak.

Das kann auch Kieferorthopäde Thomas Drechsler aus Wiesbaden bestätigen, der bereits seit vielen Jahren die aus Amerika stammende Alignertherapie für Selbstzahler und Privatversicherte anbietet. Dennoch ist das Verfahren noch ein Nischenmarkt. Denn 80 bis 90 Prozent der Patienten beim Kieferorthopäden sind Kinder. Und die bekommen in der Regel feste oder flexible Metallzahnspangen, deren Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden.

Unsichtbare Zahnschienen

„Viele Kollegen in Deutschland beäugen die Alignertherapie immer noch skeptisch, auch weil sie die bekannten Behandlungspfade nicht so gern verlassen“, sagt Drechsler. Man müsse bei dieser Therapie computeraffin sein, denn die Behandlungsschritte werden mithilfe eines Computergrafik-Verfahrens simuliert, sagt der Kieferorthopäde, der auch im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Aligner Orthodontie ist.

Das Potenzial ist Drechslers Einschätzung nach groß. Knapp 40 Prozent der Erwachsenen haben Zahnfehlstellungen, ermittelte eine Studie aus den Niederlanden. „Metallspangen treffen den Bedarf der Erwachsenen nicht“, sagt der Kieferorthopäde.

Die unsichtbaren Zahnschienen hat das US-Unternehmen Align Technology 1997 erfunden, das zuletzt mit Schienen und digitalen Scannern mehr als zwei Milliarden Dollar umsetzte. Seit Ende 2016 die ersten Patente der Firma ausgelaufen sind, haben viele neue Spieler den Markt betreten. Darunter auch verschiedene Internetfirmen wie YourSmileDirect oder Smile me Up online, die Do-it-yourself-Sets für den Abdruck zu Hause und die Selbstbehandlung verschicken.

Ein Angebot, das die deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie als medizinisch unverantwortlich und für potenziell gesundheitsgefährdend zurückweist. Auch der Berliner Anbieter SunshineSmile verschickt solche Abdruckboxen, bietet aber in Beratungszentren in diversen Großstädten 3D-Scans vor Ort an.

Mit App und Arzt vor Ort

DrSmile, der sich häufig mit den DIY-Anbietern in einen Topf geworfen sieht, bemüht sich um Abgrenzung: „Von Alignertherapien, die ausschließlich telemedizinisch ohne Vor-Ort-Termin behandeln, distanzieren wir uns ganz klar“, sagt Urbaniak. „Wir wollen das höchste Maß an medizinischem Standard bieten.“

Der Gründer betont, dass man an jedem DrSmile-Standort mit approbierten Zahnärzten zusammenarbeite. Die untersuchen den Kunden vor der Behandlung und begleiten ihn während der Therapie. Zudem biete DrSmile Vor-Ort-Termine mit dem Zahnarzt mindestens zur Mitte und zum Abschluss der Behandlung. Dazwischen erfolge die Begleitung über die App.

Dennoch bekommt auch DrSmile aus der Zunft der Kieferorthopäden viel Gegenwind. Unter anderem, weil sie die Grenzen von Heilpraktiker- und Zahlheilkundegesetz übertreten sehen. „Wenn eine GmbH selbst heilkundliche Leistungen anbietet, ohne hierfür die entsprechende Erlaubnis zu haben, dann halte ich dieses für unzulässig“, sagt etwa Rechtsanwalt Stephan Gierthmühlen, Geschäftsführer des Berufsverbands der Deutschen Kieferorthopäden.

Urbaniak kontert diese Kritik. DrSmile arbeite bei den Niederlassungen stets mit Partnern zusammen, die über die Berechtigung verfügen, Zahnärzte oder Kieferorthopäden anzustellen. „Den GmbHs ist dies entweder gesetzlich gestattet, oder es liegt ausdrücklich durch die zuständige Behörde eine Genehmigung vor“, sagt er.

Jenseits der eigenen Praxen hat DrSmile ein Partnerarzt-Netzwerk mit ungefähr 50 niedergelassenen Zahnärzten aufgebaut. Rund 3000 Alignertherapien hat DrSmile 2018 verkauft. Das Unternehmen mit rund 80 Mitarbeitern wird laut Urbaniak von Kapitalgebern aus der eigenen Umgebung finanziert.

Für gewöhnlich kosten Alignertherapien laut Hersteller Align zwischen 3500 und 6500 Euro, bei kleinen Fehlstellungen auch weniger. DrSmile startet ab 1790 Euro pro Therapie – die Kosten steigen je nach Fehlstellungsgrad und Behandlungsdauer.

Trotz des Gegenwinds aus der Ärzteschaft ist Unternehmer Urbaniak überzeugt, dass die Veränderungen im Markt nicht aufzuhalten sind: „Digitale Technologien werden die Zahnmedizin modernisieren. Wir nutzen diese bereits – von der Online-Terminbuchung über das 3D- Computergrafik-Verfahren bis hin zur Behandlungskontrolle“, sagt er.

Die nächste Großstadt, in die DrSmile expandieren will, steht auch schon fest: Mannheim soll Standort Nummer neun werden.

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