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Eftichios Vassilakis Aegean Airlines will nach der Griechenland-Krise durchstarten

Die Fluglinie ist aus der langen griechischen Rezession stärker hervorgegangen. Firmenchef Eftichios Vassilakis bestellt nun neue Jets im Milliardenwert.
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Der Präsident und größte Aktionär der griechischen Aegean Airlines hat seine Fluggesellschaft nach vorne gebracht. Quelle: Aegean Airlines
Eftichios Vassilakis

Der Präsident und größte Aktionär der griechischen Aegean Airlines hat seine Fluggesellschaft nach vorne gebracht.

(Foto: Aegean Airlines)

AthenMit gemischten Gefühlen mustert Eftichios Vassilakis das Gebäck auf dem Konferenztisch. „Möchten Sie etwas?“, fragt er den Besucher. Als der dankend ablehnt, sagt Vassilakis seiner Mitarbeiterin: „Dann räumen Sie bitte alles ab, sonst komme ich in Versuchung.“

Kein Fett ansetzen, das ist nicht nur das persönliche Motto des 51-jährigen zweifachen Vaters. Schlank und fit ist auch die Maxime, nach der Vassilakis als Präsident und größter Aktionär seine Fluggesellschaft Aegean Airlines führt. Im 20. Jahr der Firmengeschichte setzt Griechenlands größte Airline nun zu einem neuen Höhenflug an: Bei Airbus hat Aegean 30 neue Jets der Typen A320neo und A321neo geordert.

Für weitere zwölf Maschinen sicherte sich Aegean Optionen. Laut Listenpreis sind dies Flieger für rund fünf Milliarden Euro. Das ist nicht nur die bedeutendste Order in der Geschichte der Airline, sondern die bisher größte private Investition in Griechenland.

Zusätzlich sollen bis zu 20 Maschinen der neuesten Airbus-Generation geleast werden. Die Fluggesellschaft, die heute 153 Destinationen in 41 Ländern Europas und des Nahen Ostens bedient, stellt damit die Weichen für weiteres Wachstum.

„Wir investieren in Effizienz“, erklärt Vassilakis. „Diese neuen Flugzeuge haben mehr Möglichkeiten: Wir können größere Entfernungen fliegen – zu geringeren Kosten. Und wir können unseren Passagieren mehr Service bieten.“ Von seinem Schreibtisch blickt Vassilakis auf die Grafik eines griechischen Künstlers.

Sie zeigt ein Experimental-SUV der Marke Opel. Es erinnert daran, wie alles angefangen hat: Vater Theodoros Vassilakis übernahm nach einem BWL-Studium in den USA 1963 die familieneigene Texaco-Tankstelle in Heraklion auf Kreta. Drei Jahre später startete er mit sechs VW-Käfern als Konzessionär von Hertz eine Autovermietung. In den 70er-Jahren begann Theodoros Vassilakis mit dem Import von Fahrzeugen der Marken Opel und Isuzu.

Der Himmelssturm startete 1994 mit der Übernahme der kleinen Lufttaxi-Firma Aegean Aviation. Fünf Jahre später nahm Vassilakis mit zwei brandneuen Jets des Typs Avro RJ 100 den Linienverkehr zwischen Athen, Heraklion und Thessaloniki auf: Aus Aegean Aviation wurde Aegean Airlines. 2010 folgte der Beitritt zur Star Alliance, drei Jahre später übernimmt Aegean den Konkurrenten Olympic Air.

Das seit 1974 unter dem Namen Autohellas gebündelte Autogeschäft ist immer noch das zweite Standbein der Familie. Mit Niederlassungen in acht europäischen Ländern ist Autohellas der weltgrößte Hertz-Konzessionär. Seit dem Tod des Gründers 2018 steht dessen Sohn Eftichios als Präsident an den Spitze der Airline. An der seit 2007 börsennotierten Fluggesellschaft hält die Familie Vassilakis 37 Prozent der Anteile.

Flotte gewachsen, Passagiere verdoppelt

Weitere 32 Prozent liegen bei fünf griechischen Unternehmerfamilien. „Aegean hat damit die Vorteile beider Welten“, erläutert Vassilakis: „Die fünf Familien repräsentieren seit dem Start die Mehrheit des Kapitals. Wir sind als einzige Familie im Management aktiv, während die anderen vier Großaktionäre im Board die Aufsicht ausüben. Das ist eine gute Kombination.“

Griechenland hat seit dem Ausbruch der Schuldenkrise 2009 mehr als Viertel seiner Wirtschaftskraft verloren. Aber Aegean steht heute stärker da als vor dem Beginn der achtjährigen Rezession. Die Flotte wuchs von 33 auf 61 Maschinen, die Passagierzahlen haben sich mehr als verdoppelt. In den ersten neun Monaten 2018 erwirtschaftete die Fluggesellschaft einen Umsatz von gut 939 Millionen Euro. Der Nettogewinn stieg auf 81 Millionen Euro, ein Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Auch Aegean spürte die Krise: „Wir haben in den Jahren 2010 bis 2012 rote Zahlen geschrieben, aber die Verluste waren nie existenzbedrohend – zwei oder zweieinhalb Prozent vom Umsatz“, erinnert sich Vassilakis. Dass die Airline schon 2013, auf dem Tiefpunkt der Krise, wieder einen Gewinn erwirtschaftete, ist vor allem dem umsichtigen Krisenmanagement von CEO Dimitris Gerogiannis zu verdanken.

Der in Yale und an der London School of Economics ausgebildete Gerogiannis arbeitete in den USA und in Deutschland, darunter bei Daimler, bevor er 1999 als Finanz- und Verwaltungschef zu Aegean kam. 2007 rückte er als Managing Director in die Position des CEO auf.

Mehr internationale Routen

Flexibilität ist das Schlüsselwort des Aegean-Krisenmanagements: „Wir haben es mit Dimitris geschafft, in der Krise sehr schnell von einem überwiegend auf den Inlandsverkehr ausgerichteten Flugverkehr auf internationale Routen umzuschalten“, sagt Vassilakis. Die Zahl der Auslandsziele hat sich zum Vorkrisenjahr 2008 auf 122 verzehnfacht. Darunter sind sieben deutsche Flughäfen.

Abstriche beim Service hat Vassilakis auch in der Krise nicht gemacht. Er positioniert Aegean klar als Vollanbieter, die sich mit den Großen der Branche messen will. „Unsere Strategie war von Anfang an, auf der Kurzstrecke, die unser Brot-und-Butter-Geschäft ist, einen Tick besser zu sein als die großen Netzwerk-Carrier“, sagt Vassilakis. „Besserer Service, stärker motivierte Crews, etwas mehr Platz, Fokussierung auf den Passagier.“

Das findet Anerkennung. Bereits zum neunten Mal wurde Aegean 2018 vom britischen Beratungsunternehmen Skytrax als „Beste regionale Airline Europas“ ausgezeichnet. Jetzt kamen zwei weitere Preise hinzu: Die Leser von „Condé Nast Traveller“ wählten Aegean unter den 20 besten Fluggesellschaften auf Platz fünf, noch vor Branchenriesen wie Lufthansa und Swiss. Und beim Flugportal eDreams landete Aegean unter den weltbesten Airlines 2019 sogar auf Platz drei – hinter Turkish Airlines und Emirates.

„Aegean ist eine erstaunliche Erfolgsgeschichte“, sagt Jens Flottau vom Fachmagazin „Aviation Week“. „Die Entwicklung von Airlines hängt in der Regel direkt vom Wirtschaftswachstum ab, für eine griechische Fluggesellschaft waren die Rahmenbedingungen in den letzten Jahren also extrem schwierig.“

Aegean habe eine kluge Strategie verfolgt und im Europaverkehr expandiert, so Flottau. Dabei hätten die Griechen aber der Versuchung widerstanden, Langstrecken einzuführen. „Entscheidend für die gute Lage ist auch, dass es das Management geschafft hat, die Kosten im Vergleich niedrig zu halten“, so der Luftfahrtexperte.

Die jüngste Pleitewelle in der europäischen Airline-Industrie, die zuletzt Germania traf, schreckt den Aegean-Chef Vassilakis nicht. Sie gibt ihm aber zu denken. „Die Entwicklung in der Branche bestätigt unsere Unternehmensphilosophie der maßvollen, bedachten Schritte“, sagt Vassilakis. Wachstumsmöglichkeiten sieht Aegean-CEO Gerogiannis nicht zuletzt dank der bestellten Flugzeuge: „Der A320neo hat fast eine Stunde mehr Reichweite als sein Vorgänger.“

Damit werden neue Ziele in Mittelasien oder Nordafrika erreichbar. „Wir wollen schneller wachsen als der Schnitt der Branche in Europa, etwa acht bis zehn Prozent im Jahr“, sagt Vassilakis. „Sie können von Aegean ein graduelles Wachstum erwarten, aber keine großen Sprünge.“

Dass Übermut beim Fliegen gefährlich werden kann, wer wüsste das nicht besser als die Griechen. Die Sage von Ikarus, der mit seinen Flügeln der Sonne zu nah kam und abstürzte, kennt hier jedes Kind, wie auch den Namen der Insel, auf der er beigesetzt sein soll: Ikaria. Heute gibt es dort einen kleinen Flughafen – eine von 31 Destinationen der Aegean-Tochter Olympic Air.

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