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Emmanuel Arnaud und Charles-Edouard Girard Homeexchange – der heimliche Airbnb-Konkurrent

Unter den Haustausch-Communitys ist das französische Unternehmen durch Übernahmen rasch gewachsen. Nun suchen sich die Gründer einen neuen Gegner.
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„Wir wollen die Haustauschszene demokratisieren“, sagen die Gründer der Plattform Homeexchange. Quelle: Homeexchange
Emmanuel Arnaud und Charles-Edouard Girard (v.l.)

„Wir wollen die Haustauschszene demokratisieren“, sagen die Gründer der Plattform Homeexchange.

(Foto: Homeexchange)

ParisNormalerweise läuft es andersherum. Erst kauft sich ein US-Unternehmen bei einem Franzosen ein, dann schluckt er es. So war es immer wieder bei erfolgreichen französischen Start-ups. Die Franzosen Emmanuel Arnaud und Charles-Edouard Girard, Gründer der französischen Haustausch-Plattform Guesttoguest, haben gezeigt, dass es auch anders geht. Die Franzosen haben nicht gewartet, bis ein Käufer kam, sondern selbst den bekannten US-Konkurrenten Homeexchange übernommen.

„Wir haben von Anfang an eine große Zukunft im Hausaustausch gesehen“, sagt Girard, der als Executive Chairman zusammen mit CEO Arnaud das Unternehmen leitet. Die beiden sind auch Hauptaktionäre – „mit über 25 Prozent aber unter 50 Prozent“. Ein weiterer großer Aktionär ist die französische Versicherung MAIF, insgesamt gibt es 90 Aktionäre, darunter viele Geldgeber.

Arnaud, Wirtschaftswissenschaftler von der renommierten französischen Hochschule HEC und Girard, Ingenieur von der Eliteschule Centrale Paris, gründeten 2011 Guesttoguest. Der Konkurrent Homeexchange, 1992 ins Leben gerufen, war damals die bekannte Haustausch-Plattform. „Sie hatte zu dem Zeitpunkt 40.000 Mitglieder“, erzählt Girard. Vor allem Häuser von höherem Standard wurden zum Tausch angeboten.

Die US-Plattform nahm einen Jahresbetrag von den Mitgliedern, damit konnten diese so oft tauschen, wie sie wollten. Die beiden Franzosen gingen ganz anders vor. „Wir wollten die Haustauschszene demokratisieren und mehr Menschen zum Haustausch bringen“, sagt Girard.

Deshalb durfte man sich bei Guesttoguest zuerst ein Haus oder eine Wohnung für den Tausch suchen und zahlte dann eine Gebühr für den Austausch, rund zehn Euro pro Tag. „Der kostenlose Einstieg überzeugte viele, und so gewannen wir schnell Kunden, die nicht die Jahresgebühr für Homeexchange ausgeben wollten.“

In ein bis anderthalb Jahren wollen wir eine Million Häuser anbieten. Charles-Edouard Girard, Executive Chairman von Homeexchange

Damit erreichten sie auch eine neue Anhängerschaft. Während bei Homeexchange oft wohlsituierte Familien gegenseitig tauschten, wurden bei Guesttoguest auch bescheidenere Domizile ausgetauscht. „Das führte dazu, dass sich auch Familien Urlaub leisteten, die es sonst nicht gekonnt hätten.“ Gleichzeitig setzten die Franzosen auf viel Kommunikation in ihrem Netzwerk, sie erleichterten es, durch Suchfunktionen ähnliche Tauschpartner zu finden, etwa Rentner oder Familien mit kleinen Kindern.

Das Konzept überzeugte auch großzügige Geldgeber; sie bekamen insgesamt 33 Millionen Euro Kapital. So konnte Guesttoguest schnell expandieren, vor allem in Europa. Sie übernahmen die Konkurrenz-Plattformen Itamos, Knok, Trampolinn und Homeforhome. Und dann gelang ihnen 2017 der ganz große Coup. Sie kauften Homeexchange, wobei die genaue Kaufsumme nicht genannt wurde. „Die Gründer von Homeexchange waren schon um die 70 Jahre alt und wollten aufhören, das war die Gelegenheit für uns“, sagt Girard.

Zu dem Zeitpunkt war Guesttoguest nach Angaben von Girard schon auf 350.000 Kunden angewachsen, Homeexchange hatte erst 60.000 Abonnenten. Insgesamt sind es derzeit zusammen etwa 400.000 Häuser, weil nicht aktive Mitglieder von den Seiten genommen wurden.

Eine Weile ließen die Franzosen die Plattformen nebeneinander herlaufen, stellten aber fest, dass sie sich zu sehr ähnelten, und 2018 folgte dann der Zusammenschluss unter der globalen Marke Homeexchange. Dennoch sind weiter beide Modelle möglich, eine einmalige Zahlung für den Austausch oder ein Jahresabonnement von 130 Euro. Zusätzlich wurde ein Punktesystem für Haustausch eingeführt. Mit den Gastpunkten kann man bei anderen Mitgliedern übernachten und damit „bezahlen“, ohne die Person bei sich zu Hause zu empfangen.

Das Ziel der Franzosen: „In ein bis anderthalb Jahren wollen wir eine Million Häuser anbieten.“ Deutschland, die USA und Frankreich sehen die Gründer als Wachstumsmärkte. Die Konkurrenten sind winzig, wie etwa homelink, und kommen nur auf einen Bruchteil der Kunden. Der Markt ist nach allen Aufkäufen sehr überschaubar geworden.

Im Februar 2019 wurde auch noch Nightswapping übernommen, und Homeexchange stärkte weiter seine führende Position in der Haustausch-Community. Gegründet wurde Nightswapping 2013 in Lyon von Serge Duriavig. Dieser erklärte, er sei begeistert, dass sich sein Unternehmen mit dem „Marktführer der kostenlosen Unterkünfte“ zusammenschließe. Homeexchange betonte, man stärke damit seine Position als „Marktführer in der Haustauschbranche“.

Doch gerade angesichts dieser massiven Konsolidierung wird immer deutlicher, dass der eigentliche Wettbewerber in einer anderen Branche sitzt: die US-Plattform Airbnb. Und der Onlinemarktplatz für Unterkünfte spielt in einer ganz anderen Liga: Im Jahr 2018 wurden laut Statista bei Airbnb fünf Millionen Inserate geschaltet, der Umsatz wird auf 3,5 Milliarden Dollar im Jahr 2017 geschätzt.

Im Vergleich dazu wird aus dem Marktführer im Haustauschbereich mit rund 70 bis 80 Prozent, so wie Girard schätzt, auf einen Schlag wieder ein kleines Start-up. Homeexchange hat insgesamt 100 Angestellte in Boston, Paris und Kroatien, wo der Kundenservice sitzt. Über ihre Umsätze schweigen die Franzosen sich aus. Geld kommt vor allem durch die Jahresgebühr von 130 Euro herein. Das Modell nutzen etwa 80 Prozent der 400.000 Immobilienbesitzer in 187 Ländern, was rund 40 Millionen Euro an Gebühren entspräche. Der Rest zahlt pro Austausch wie einst bei Guesttoguest. Riesige Umsätze mache man nicht, räumt Girard ein. „Aber wir sind rentabel.“

„Viele Leute fürchten sich noch davor, ihr eigenes Haus zu tauschen, sie mieten lieber, um in die Ferien zu fahren“, so Girard. Aber wenn man gegenseitig tauscht, ergebe sich ein anderes Vertrauensverhältnis als beim Mieten und ein ganz anderes Ferienerlebnis. „Davon wollen wir immer mehr Leute überzeugen.“

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