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Enders Colsman Vom Klimasünder zum Restaurantretter: Nachfrage bei Heizpilz-Hersteller steigt rasant

Das einst geschmähte Gerät soll Gastronomiebesuche im Corona-Winter möglich machen. Hersteller Enders Colsman erlebt daher einen unerwarteten Aufschwung.
22.10.2020 - 13:47 Uhr Kommentieren
Viele Wirte hoffen darauf, die Geräte im Corona-Winter einsetzen zu dürfen. Quelle: dpa
Heizstrahler in der Gastronomie

Viele Wirte hoffen darauf, die Geräte im Corona-Winter einsetzen zu dürfen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Dass seine Heizpilze einmal Akzeptanz von den Grünen bekommen würden, hätte sich Matthias Herfeld nie gedacht. Der Co-Vorstand von Enders Colsman, dem deutschen Marktführer für Heizstrahler, Gas- und Heizkohlegrills, hat die jüngsten politischen Diskussionen um den Klimasünder Heizpilz direkt im Umsatz gespürt.

„Wir haben eine sprunghaft steigende Nachfrage bemerkt“, sagt Herfeld. „Die neue objektive Sicht auf unsere Geräte durch grüne Politiker kommt sehr unerwartet.“

So hatte etwa der Grünen-Wirtschaftsexperte Dieter Janecek dem Handelsblatt erklärt: „In Pandemiezeiten sollte man nicht päpstlicher sein als der Papst. Gaststätten, Restaurants und Kultureinrichtungen droht bei steigenden Infektionszahlen diesen Herbst und Winter eine massive Pleitewelle, deshalb sollten wir ganz pragmatisch helfen.“ Es mache keinen Sinn, wenn sich die Menschen in überfüllte Innenräume drängten.

Viele Städte und Kommunen haben teilweise bereits vor Jahren das Aufstellen von Heizpilzen auf öffentlichen Flächen verboten. Zu hoch sei der Schaden für das Klima, zu niedrig die tatsächliche Notwendigkeit. Die Corona-Pandemie macht den Klimasünder nun zum Restaurantretter.

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    Wegen des anstehenden Ausnahmewinters hat das Bundeswirtschaftsministerium beschlossen, die Überbrückungshilfen für Unternehmen bis Juni 2021 zu verlängern. „Damit kann die Anschaffung von Außenzelten, Wärmestrahlern et cetera künftig bezuschusst werden“, hieß es aus dem Ministerium.

    „Das bringt den sozialen Nutzen dieser Geräte wieder in den Vordergrund“, sagt Herfeld. Als der studierte Wirtschaftsethiker vor 20 Jahren zu dem Unternehmen kam, waren Terrassenheizstrahler schon längst ein gängiges Produkt des Familienunternehmens.

    Die 1883 gegründete Marke Enders hat eine lange Geschichte mit Gasgeräten. In den 1950er-Jahren wurde sie mit ihren Campingkochern bekannt. 1984 wurde Enders wegen seiner Insolvenz von der Metallbaufirma Colsman aufgekauft, die Blechbauteile herstellt.

    Innovationen in der Gasverbrennung

    Seit 2004 heißt das Unternehmen Enders Colsman AG. Im Jahr 2018 lag der Jahresüberschuss bei 1,4 Millionen Euro nach Steuern, die Firma hat rund 130 Mitarbeiter. Die Nachfrage nach Terrassenheizstrahlern sei immer hoch, sagt Herfeld. Die komme sowohl von Gastronomen als auch von Privatpersonen und Baumärkten.

    Dabei sind die Geräte in Verruf. Das Umweltbundesamt veröffentlichte 2009 dazu eine Untersuchung. Das Ergebnis: Sie nutzen Energie sehr ineffizient. Gasbetriebene und elektrische Heizstrahler seien dabei etwa gleichermaßen umweltschädlich und etwa gleich CO2-intensiv.

    Jens Schuberth vom Umweltbundesamt untersuchte damals die Herstellerangaben der Geräte. Er ist Mitarbeiter im Fachgebiet Energieeffizienz und stellte bei Terrassenheizstrahlern, die oft etwa zwölf Kilowatt (kW) Gasverbrauch haben, eine „auffällige Energieverschwendung“ fest.

    „Bei den CO2-Emissionen sind Gas- und Elektrowärmestrahler auch nicht unterschiedlich“, sagt Schuberth. „Da der eine Gas verbrennt und wegen des anderen Kohle verbrannt wird, verschwenden beide etwa gleich stark Energie.“

    „Warum ist der Terrassenheizstrahler der große Sünder?“
    Matthias Herfeld

    „Warum ist der Terrassenheizstrahler der große Sünder?“

    „Die Untersuchung hat die Sicht auf das Gerät sehr stark geprägt“, sagt Herfeld von Enders Colsman. „Also haben wir vor etwa zehn Jahren begonnen, die Terrassenheizstrahler immer klimafreundlicher zu machen.“ Eine Entwicklungsabteilung von Enders Colsman im Sauerland arbeitete an Innovationen bei der Gasverbrennung.

    Die große Frage dabei: Wie kann es gelingen, gleich viel Wärme zu erzeugen, aber weniger Gas zu verbrennen?

    Die Entwickler arbeiteten an Details wie Flammgrößen, der Strömung des Gas-Luft-Gemischs, den Wandstärken, den Materialien und der Neigung des Glühzylinders. So gelang es Enders Colsman in einem ersten Schritt, einen Heizstrahler auf den Markt zu bringen, der statt des Standards von zwölf kW nur einen Gasverbrauch von etwa 8 kW vorwies.

    Es folgte ein Heizstrahler, der nur sechs kW verbraucht. Beide böten die gleiche Wärmeleistung, sagt Herfeld. Als Letztes produzierte die Firma einen Heizstrahler, der nur ein Drittel eines herkömmlichen Strahlers verbraucht.

    Grüne erlauben Heizstrahler ausnahmsweise

    „Natürlich kann man uns vorwerfen, dass wir sie trotzdem weiterproduziert haben, doch die Nachfrage nach den Geräten war da“, sagt Herfeld. Man habe jedoch das Ziel verfolgt, die nachhaltigsten Terrassenheizer zu entwickeln.

    Vergleiche, in denen Heizpilze stündlich so viel Energie verbrauchen sollten wie Benzinautos, seien polemisch. „Menschen fahren mit ihrem Pkw etwa zu Grillpartys, wo auf Holzkohlegrills Fleisch aus Argentinien gegrillt wird“, sagt der Enders-Vorstand. „Warum ist dann der Terrassenheizstrahler der große Sünder?“ Gerade in der Corona-Pandemie sei ein Heizstrahler im Winter der einzige Weg, um sich draußen auch mit Risikogruppen treffen zu können.

    Die Pandemie ist es auch, die Klima- und Umweltschützer dazu bringt, den Heizpilz zu dulden. Der Bund will die Anschaffung fördern, grüne Politiker in Berlin und Hamburg befürworten das Abschaffen des Heizpilzverbots.

    „Wir erlauben Heizpilze für diesen Corona-Winter ausdrücklich nur ausnahmsweise, damit man sich draußen vor Kneipen und Cafés aufhalten kann“, sagt Dominik Lorenzen, Fraktionsvorsitzender der Hamburger Grünen. „Im Großen und Ganzen sollte man aber auf energetisch wirksame Geräte verzichten.“

    Es sei aber der falsche Weg, meint Lorenzen, die Heizstrahler auch noch zu fördern. Die eine Krise dürfe nicht gegen die andere Krise, die Klimakrise, aufgestellt werden.

    Die richtige Nutzung macht laut Herfeld aber schon einen großen Unterschied für das Klima. Ein Gerät mit herkömmlichen 14 kW Gasverbrauch, das morgens bis abends aufgedreht auf der Terrasse eines Restaurants stehe, sei natürlich nicht sinnvoll.

    „Ein ökologischer Effekt ist aber auf jeden Fall da“, sagt Herfeld. Man müsse sich eben die Frage stellen, ob CO2 auch in der Freizeit bis zu einem gewissen Grad geduldet werden dürfe. „Oder sollen wir CO2 nur noch für lebensnotwendige Dinge erlauben?“, fragt sich Herfeld. Dass die Gesellschaft das will, bezweifeln sowohl der Heizpilz-Hersteller als auch die Klimaschützer.

    Mehr: Politiker fordern Aussetzung des Heizpilz-Verbots in Corona-Zeiten

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