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Erfolgreicher Mittelstand Je größer der Einfluss der Gründerfamilie, umso erfolgreicher sind börsennotierte Firmen

Sie liefern überdurchschnittliche Ergebnisse: Firmen profitieren von Gründerfamilien, zeigt eine Studie. Weil meist auch die Aktienkurse steigen, gewinnen alle Anteilseigner.
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Eine Studie bestätigt: Unternehmen, in denen die Gründerfamilie noch maßgeblichen Einfluss hat, deutlich profitabler als Nicht-Familienunternehmen. Quelle: imago/Sven Simon, imago/argum, dpa
Simone Bagel-Trah (Henkel), Erich Sixt (SIXT), Marc Fielmann (Fielmann) / Montage v.l.

Eine Studie bestätigt: Unternehmen, in denen die Gründerfamilie noch maßgeblichen Einfluss hat, deutlich profitabler als Nicht-Familienunternehmen.

(Foto: imago/Sven Simon, imago/argum, dpa)

Düsseldorf Was für die meisten börsennotierten Unternehmen ein mittleres Drama ist, hat für das Familienunternehmen Rational keine Folgen gehabt: der Abstieg von dem MDax in den SDax. Der Aktienkurs des Großküchenausrüsters stieg in den vergangenen zwei Jahren von 560 auf 626 Euro.

Das liegt auch daran, dass der Spezialist für Dampfgarer für die Gastronomie regelmäßig gute Ergebnisse abliefert. Das Vorsteuerergebnis (Ebit) stieg im ersten Halbjahr um 7,3 Prozent auf 98,2 Millionen Euro. Die Ebit-Marge liegt regelmäßig bei fast 25 Prozent. Der Return on Equity, also das Verhältnis von Konzernüberschuss zu Eigenkapital, betrug 5,5 Prozent. Im Schnitt liegt er bei börsennotierten Unternehmen unterhalb von zwei Prozent.

Damit steht Rational beispielhaft für die börsennotierten Familienunternehmen in Deutschland. Das zeigt eine Studie der Technischen Universität München, die dem Handelsblatt vorab vorliegt. Nach dieser Untersuchung, die die TU im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen erstellt hat, sind die Unternehmen, in denen die Gründerfamilie noch maßgeblichen Einfluss hat, deutlich profitabler als Nicht-Familienunternehmen.

So haben die Familienunternehmen im Schnitt einen Return on Assets, also ein Betriebsergebnis im Verhältnis zur Bilanzsumme, von vier Prozent. Bei den Nichtfamilienunternehmen liegt es im Mittel nur bei 2,1 Prozent. Betrachtet wird in der Studie der Zeitraum von 2009 bis 2018. Als Familienunternehmen gilt ein börsennotiertes Unternehmen nach der Definition dann, wenn die Gründerfamilie mindestens 25 Prozent der Stimmrechte besitzt oder ein Vorstands- oder Aufsichtsratsmandat bekleidet.

„Familienunternehmen wirtschaften auf lange Sicht und mit Substanz. Diese Tugenden übertragen sie auch an die Börse“, sagt Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen. „Sie setzen damit einen Kontrapunkt im Börsenkonzert, in dem es häufig vor allem darum geht, die Erwartungen von Investoren zu steuern.“

Etwa 40 Prozent der börsennotierten Unternehmen in Deutschland sind nach der Studie Familienunternehmen. Sie sind für rund 30 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung im CDax verantwortlich, also aller in Frankfurt im General Standard und Prime Standard notierten deutschen Aktien.

„Es zeigt sich, dass die Performance umso besser ist, je höher der Familieneinfluss ist“, erklärt Professor Christoph Kaserer von der TU München, der zusammen mit Ann-Kristin Achleitner und Reiner Braun die Untersuchung geleitet hat. Denn wenn man eine noch engere Definition des Gründereinflusses wählt, treten die positiven Effekte im Vergleich zu Nicht-Familienunternehmen noch deutlicher hervor.

Um das zu belegen, hat das Forscherteam parallel die Unternehmen untersucht, die unter die strengeren Kriterien des sogenannten Substancial Family Influence (SFI) fallen, was immerhin noch für rund 20 Prozent der börsennotierten Unternehmen in Deutschland zutrifft. Dafür müssen entweder mindestens 50 Prozent der Anteile noch bei der Gründerfamilie liegen, oder ein geringerer Anteil muss durch Repräsentanz in Vorstand oder Aufsichtsrat ergänzt werden.

Diese Unternehmen erzielten im Schnitt noch einmal einen deutlich höheren Return on Assets. Er lag bei 6,3 Prozent im Vergleich zu 1,9 Prozent bei den restlichen börsennotierten Unternehmen. Noch deutlicher war der Unterschied beim Return on Equity.

Der lag bei den Unternehmen mit hohem Familieneinfluss bei 8,2 Prozent und im Vergleich dazu bei den Nicht-Familienunternehmen bei 0,2 Prozent. Nach Einschätzung von Professor Kaserer hat das mit der langfristigen Orientierung der Gründerfamilien zu tun. „Die Gründerfamilie steht mit ihrem eigenen Geld im Feuer“, sagt er. „Deshalb hat sie das große Interesse, das Kapital langfristig so gut wie möglich im eigenen Unternehmen anzulegen.“

Hohe Identifikation mit dem Unternehmen

Axel Kaufmann, der Finanzvorstand der Rational AG, erlebt den Vorteil, eine starke Gründerfamilie im Rücken zu haben, in seiner täglichen Arbeit. „Es bringt dem Management eine gewisse Stabilität und eine größere Freiheit zu langfristigen Entscheidungen“, sagt er dem Handelsblatt. Es bringe auch eine Berechenbarkeit bei zustimmungspflichtigen Geschäften. Schließlich hält die Familie des 2017 gestorbenen Gründers Siegfried Meister noch 70 Prozent der Anteile.

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Doch es sind auch eher weiche Faktoren, die aus seiner Sicht einen Vorteil machen. So herrsche unter den Mitarbeitern durch die Präsenz der Gründerfamilie eine hohe Identifikation mit dem Unternehmen, man arbeite quasi am „gemeinsamen Lebenswerk“. Das helfe auch bei der Gewinnung von Fachkräften. So brächten häufig Mitarbeiter ihre Kinder als Nachwuchskräfte ins Unternehmen.

Das kann gerade für Unternehmen in der Provinz angesichts des Fachkräftemangels ein großer Wettbewerbsvorteil sein. Zwar haben die börsennotierten Familienmitglieder im Schnitt weniger Mitarbeiter als die Nicht-Familienunternehmen. Doch ihr Beschäftigungswachstum war in den vergangenen zehn Jahren deutlich schneller.

So ist das jährliche Wachstum mit sechs Prozent im Mittel doppelt so hoch. Auch hier zeigt sich in der Untersuchung: Je höher der Familieneinfluss, desto stärker ist das Beschäftigungswachstum.

Eins kann die Studie jedoch nicht nachweisen: dass der Einfluss der Gründerfamilie auch in der Breite einen starken positiven Effekt auf den Aktienkurs hat. Professor Kaserer überrascht das jedoch nicht. „Das ist nicht verwunderlich, denn dieser Faktor ist den Aktionären ja bereits beim Börsengang bekannt“, erklärt er. Damit sei dieser Effekt schon von Anfang an eingepreist.

Trotzdem lässt sich an zahlreichen Beispielen zeigen, dass eine starke Präsenz der Gründerfamilie, eine hohe Gesamtkapitalrendite und eine langfristig positive Entwicklung des Börsenkurses Hand in Hand gehen.

Das Softwareunternehmen Nemetschek beispielsweise, dessen Anteile noch zu 53 Prozent in den Händen der Familie des Gründers Georg Nemetschek liegen, hat regelmäßig eine hohe Ergebnismarge, im ersten Halbjahr lag die Ebitda-Marge bei 29 Prozent. Der Return on Assets betrug im vergangenen Geschäftsjahr fast sechs Prozent.

Zugleich gehört Nemetschek, das Software für Bau- und Infrastrukturprojekte entwickelt, zu den Top-Performern im Aktienindex DaxPlus Family 30. Über die vergangenen zehn Jahre, also ungefähr den Zeitraum, den auch die Untersuchung der TU München abdeckt, hat es eine Performance von 4625 Prozent hingelegt und liegt damit im Zehn-Jahres-Vergleich an der Spitze des Indexes.

Das ist kein Einzelfall. Auch andere Unternehmen des DaxPlus Family 30, in denen die Gründerfamilie eine starke Rolle spielt, haben über den langen Zeitraum eine positive Performance erzielt, darunter der Autovermieter Sixt, wo Gründer Erich Sixt noch 58 Prozent der Anteile besitzt, der an der Börse 842 Prozent zugelegt hat.

Gerade Sixt ist auch in anderer Hinsicht beispielhaft für die börsennotierten Familienunternehmen in Deutschland. Denn in 60 Prozent von ihnen ist wie bei Sixt die Gründerfamilie noch operativ im Vorstand tätig. „Darin zeigt sich auch das hohe Verantwortungsbewusstsein der Gründerfamilien für ihre Unternehmen“, so Experte Kaserer.

Viele dieser Familienunternehmen sind erst in den vergangenen Jahren an die Börse gekommen – ähnlich wie viele deutsche Internet-Start-ups, die auch nach dem Börsengang oft noch von ihren Gründern geführt werden. „Der Nachwuchs der Familienunternehmen speist sich auch aus der Gründerszene“, so Kaserer. So sind die Start-ups von heute dann die börsennotierten Familienunternehmen von morgen.

Mehr: Die Trennung in zwei Gesellschaften war ein Grund für den weltweiten Erfolg von Aldi. Jetzt nähern sich die Unternehmen der Albrecht-Familie wieder an. Lesen Sie hier mehr.

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