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Erik Møller

Der Unternehmer stellt in Ostdeutschland Schlafsäcke her.

(Foto: YETI)

Erik Møller Dieser dänische Unternehmer will Japanern das Zelten näherbringen

Erik Møller fertigt Schlafsäcke im eigenen Werk in Ostdeutschland. Mit seiner Zeltmarke Nordisk bringt er „Hygge“ nach Asien.
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MünchenEs ist nicht so, dass Erik Møller kein Interesse an Asien hätte. Im Gegenteil, der Däne hat drei Jahre in Japan gelebt. Wenn es aber um seine Schlafsäcke geht, vertraut der Unternehmer lieber auf die eigene Fabrik in Görlitz. „Dort findest du Leute, die richtig gut nähen können“, sagt der 55-Jährige – und Arbeiter, die extrem flexibel seien. 120 verschiedene Modelle liefert Møller mit seiner Marke Yeti.

Große Teile der Outdoor-Industrie produzieren vorwiegend in Fernost. Die Schlafsäcke des Konkurrenten Deuter etwa stammen aus Myanmar. Ausgerechnet ein Skandinavier lässt eine alte ostdeutsche Marke aufblühen. Um zehn bis fünfzehn Prozent lege der Absatz jedes Jahr zu, sagt Møller. Jeder zehnte Daunenschlafsack, der in Deutschland verkauft werde, sei von Yeti. Das Label wurde 1985 in der DDR gegründet. Møller übernahm die Firma 2005, als sie in Schwierigkeiten steckte.

Yeti ist nicht die einzige Marke, mit der Møller einen ganz eigenen Weg geht. Ihm gehört auch die Zeltmarke Nordisk. 150.000 Zelte verkauft er jedes Jahr, die Vorbestellungen für den kommenden Sommer seien um 40 Prozent gestiegen, sagt er, „und das in einem stagnierenden Markt“.

Er verkaufe nicht nur Ware, sondern ein Lebensgefühl, „happy days“, nennt es Møller. Dafür baut er jetzt auch Zeltdörfer auf, sogenannte „Nordisk-Villages“. Eines steht in der Nähe von Venedig, weitere sollen bald in Frankreich, Italien und Polen folgen.

Møller hat dafür Betreiber gesucht, er verkauft ihnen die Idee und die Zelte und kassiert eine Franchisegebühr. Rund 150 Euro kostet die Nacht pro Person, dafür steht dann aber auch ein Kühlschrank im Zelt.

Sogar in Japan hat ein Camp eröffnet. Zwischen Reisfeldern und Strand können die gestressten Tokioter in 40 Quadratmeter großen Zelten nächtigen und das skandinavische Nichtstun kultivieren. „Hygge“ eben.

Erik Møller ist nicht der Einzige seines Jahrgangs, der es in der Sportindustrie weit gebracht hat. Mit Adidas-Chef Kasper Rorsted ist er einst zur Schule gegangen. Rorsted hat heute 57.000 Mitarbeiter unter sich, Møller nur 60. Dafür kann er schalten und walten, wie er will.

Drei Prinzipien

Und er hat genaue Vorstellungen davon, was die Konsumenten wollen. Der Mittelständler folgt drei Prinzipien. Erstens: „Wir machen nur, was die Welt noch nicht gesehen hat.“ So entwickelte er unter der Marke Yeti die angeblich leichteste, voll ausgestattete Daunenjacke der Welt. Sie wiegt 155 Gramm. Zweitens: „Es muss einen Unterschied ausmachen zur Konkurrenz.“ Das sei etwa bei seinem Expeditionszelt der Fall, das nur ein halbes Kilo wiege. Drittens: „Alles muss einfach zu erklären sein.“

Møller hat sich Nischen in dem milliardenschweren Outdoor-Markt gesucht. In ganz Europa erzielen die Hersteller im Jahr rund 120 Millionen Euro Umsatz mit Schlafsäcken. Bei Zelten sind es 150 Millionen Euro. Nordisk kommt eigenen Angaben zufolge auf einen Marktanteil von sieben Prozent. Zum Vergleich: Mit Regenjacken, Wanderhosen, Shirts und Shorts erlösen die Outdoor-Marken knapp drei Milliarden Euro.

Møller spricht nur qualitätsbewusste Kunden an. Die Schlafsäcke aus Görlitz sind im Laden ab 250 Euro erhältlich und kosten bis zu 1000 Euro. Schlafsäcke „made in Germany“, das sei „eine schöne Geschichte“, sagt Møller. Und umweltfreundlich sei es allemal, nahe an den Konsumenten zu fertigen.

Händler schätzen den Unternehmer aus Dänemark. Er besitze einen unternehmerischen Geist, mit dem er auch unter schwierigen Rahmenbedingungen seinen Weg finde, sagt Andreas Bartmann, Chef der Outdoor-Kette Globetrotter. „Sein Gespür für den eng besetzten Markt zeichnet ihn besonders aus, da er immer wieder erfolgreich eine Nische findet und belegt.“

In Japan gebe es inzwischen sogar einen Nordisk-Fanklub, erzählt Møller. Bei den Jahrestreffen wehe die dänische Flagge vor dem Panorama des legendären Mount Fuji. Die Schlafsäcke aber kommen in jedem Fall aus Görlitz.

Mehr: Der Eigentümer der Fenix-Gruppe stellt seine deutsche Sporthandelskette neu auf. Lesen Sie hier, wie Martin Nordin die Marke verändern will.

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