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Ernährung Nach der Übernahme durch Mars steht Foodspring vor einer ungewissen Zukunft

Die Gründer von Foodspring in Berlin wollen nach der Übernahme durch Mars ungestört weiterarbeiten. Ob das gelingen wird, ist noch offen.
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Die Gründer führen eine starke Marke in der Nische. Quelle: Foodspring
Philipp Schrempp (links im Bild) und Tobias Schüle

Die Gründer führen eine starke Marke in der Nische.

(Foto: Foodspring)

Hamburg Wie bei einem mehr als 100 Jahre alten, eher konservativen Weltkonzern sieht es an der Lobeckstraße in Berlin noch nicht aus. Zwischen einer Tanzakademie und dem Techno-Club Ritter Butzke liegen die Büros eines jungen Unternehmens, das Ende Juni der alte amerikanische Schokoriegelkonzern Mars gekauft hat.

Die beiden Gründer Philipp Schrempp und Tobias Schüle haben mit ihrer Marke Foodspring ab 2013 auf die richtige Idee gesetzt: eine Alternative zu klassischen Proteinpulvern für Sportler – aus der Milch von Weidekühen aus Neuseeland. Später kamen unter anderem Produkte mit Superfruits und Wellness-Drinks dazu. Foodspring ist in der Nische eine richtig starke Marke.

Daran werde sich durch die Übernahme wenig ändern, hoffen die beiden Gründer – und auch sonst an nicht viel. Foodspring solle weiterhin hauptsächlich per E-Commerce Produkte vertreiben, die Auftragsfertiger nach den Vorstellungen des Unternehmens herstellen.

Doch noch ist vieles unklar: Ob künftig ein Teil der Produkte in Mars-Fabriken hergestellt werden kann, ist etwa noch offen. Darüber hätten die Partner noch nicht gesprochen. „Natürlich wollen wir die Augen vor zukünftigen Kooperationsmöglichkeiten nicht verschließen“, sagt Schrempp. „Vor allem geht es darum, dass Mars und wir eine gemeinsame Vision teilen“, sagt Schüle.

Der Zugriff auf Mars-Ressourcen könne dabei helfen, die eigenen Ziele schneller zu erreichen. Vor der Unterschrift habe es Gespräche mit anderen Unternehmern gegeben, die an Mars verkauft haben, ebenso mit einem Mitglied der Mars-Inhaberfamilie.

Vor eineinhalb Jahren hat Mars die neue Sparte Edge mit Zentrale in New York gegründet. Darin will der für seine Süßwaren und Tierfutter bekannte Konzern neue Geschäftsmodelle für gesunde Ernährung aufbauen.

Bislang hat Mars in der Sparte sein in zwei Jahrzehnten aus der Kakaopflanze entwickeltes Nahrungsergänzungsmittel CocoaVia untergebracht. Dazu kommt ein zusammen mit der Tata-Stiftung vertriebenes Nahrungsergänzungsmittel für Jugendliche in Indien.

Der Kauf von Foodspring soll für die Sparte der Einstieg in personalisierte Ernährung sein. „Eine unserer Kernambitionen war immer der Aufbau einer Präsenz bei personalisierter Ernährung“, teilte Mars zur Übernahme mit. Bereits vor zwei Jahren hatte Mars-Chef Grant Reid im Handelsblatt-Interview betont, der Konzern habe große Chancen in Europa mit einem veränderten Angebot: „Wir müssen sicherstellen, dass unser Portfolio nicht zu 100 Prozent auf Süßwaren beruht, sondern Alternativen aufzeigt.“

Zuletzt hat er das Ziel ausgerufen, den Umsatz von derzeit 35 Milliarden Dollar mit 110.000 Mitarbeitern innerhalb von zehn Jahren zu verdoppeln.

Muskelaufbau, Abnehmen, Gesundheit

Dabei ist Foodspring eigentlich erst einige Schritte auf dem Weg zur einer auf individuelle Bedürfnisse abgestimmten Ernährung gegangen. Im Wesentlichen empfiehlt der Anbieter seine verschiedenen Produkte auf seiner Website je nach Ernährungsziel – etwa Muskelaufbau, Abnehmen oder Gesundheit.

Dazu kommt der Vertrieb von Teilen des Angebots über Drogeriemärkte und neuerdings über eine Zentrallistung bei Rewe. Anders als Mymuesli wollen die Gründer jedoch vor allem online bleiben – auch weil dort bessere Margen winken als im Massengeschäft per Supermarkt –, zumal die Konkurrenz an Sportnahrungsangeboten wächst.

Mithilfe von Mars könnte Foodspring die Internationalisierung beschleunigen. Bislang geht erst gut die Hälfte ins Ausland – organisiert von der Berliner Zentrale aus. In den Büros arbeiten Expats, die etwa am Telefon Kunden im Ausland in zwölf Sprachen zur Ernährung beraten und das Onlinemarketing länderspezifisch gestalten. Mit regelmäßigen Mails etwa zu Sporternährung will sich Foodspring im Gedächtnis der Kunden halten.

Andere Gründer mussten nach Übernahmen ernüchternde Erfahrungen machen: Metro etwa hat 2016 das Geschäftsmodell des Online-Nachbarschaftsladens von Emmas Enkel, einst ein Vorzeige-Start-up, nur Monate nach der Übernahme weitgehend plattgemacht.

Die Foodspring-Gründer haben mit einem ersten strategischen Investor gemischte Erfahrungen gemacht: Anfang 2018 war Fonterra mit 22 Millionen Euro eingestiegen. Der neuseeländische Molkereikonzern kannte Foodspring als Zulieferer. Anfang 2019 kündigte der Konzern eine Strategiewende an – und stieg mit dem Verkauf an Mars bei Foodspring aus, wie auch der Ringier Verlag und der Investor Brains to Ventures.

Mehr: Die Gründer des Passauer Müslimischers MyMuesli mussten etliche Filialen schließen. Der Investor Genui Partners sondiert offenbar einen Ausstieg.

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