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Erol Tabanca Dieser türkische Unternehmer beweist Sinn für Heimat

Star-Architekt Erol Tabanca schenkt seiner anatolischen Heimatstadt ein Kunstmuseum vom Feinsten. Damit sendet er auch eine Nachricht an die Jugend.
03.09.2019 - 16:09 Uhr Kommentieren
In der Türkei ist er ein Star-Architekt. Quelle: Gökhan Polat
Erol Tabanca

In der Türkei ist er ein Star-Architekt.

(Foto: Gökhan Polat)

Istanbul Es kommt heutzutage nur noch selten vor, dass Unternehmer ihrer Heimatstadt ein Geschenk machen. Erol Tabanca hat genau das getan. Der türkische Star-Architekt und Bauunternehmer stiftet seiner Heimatstadt ein nagelneues Museum für moderne Kunst. Das Odunpazari Modern Müzesi (OMM) steht aber nicht in Istanbul, nicht in Ankara und erst recht nicht im Ausland. Es befindet sich in Eskisehir, mitten in der anatolischen Provinz.

Das Museum wird am 7. September seine Pforten öffnen. Und es ist nicht irgendein Museum: Mit seiner Architektur, bestehend aus Holzpaneelen an den Außenwänden und einer komplett offenen Innenstruktur, dürfte Tabanca nicht nur Kunstfreaks in die Stadt locken, sondern auch Touristen, die gerne Selfies vor schönen Gebäuden ins Internet setzen. „Das Museum soll auch wegen seiner Architektur bekannt sein“, gesteht Tabanca im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Futuristische Bauten

Der 62-Jährige stammt aus derselben Nachbarschaft, in der jetzt sein Museum steht. In der rund 300 Kilometer entfernten Hauptstadt Ankara ließ er sich zum Architekten ausbilden. Gleich danach stieg er in den Bausektor ein. 1992 im Alter von 35 Jahren gründete er die Baufirma Polimeks. Das Unternehmen ist vor allem bekannt dafür, in zentralasiatischen Ländern wie Turkmenistan futuristische Gebäude für die dortige Bürokratie zu bauen.

Das Museum befindet sich in Eskisehir, mitten in der anatolischen Provinz. Quelle: Batuhan Keskiner
Odunpazari Modern Müzesi (OMM)

Das Museum befindet sich in Eskisehir, mitten in der anatolischen Provinz.

(Foto: Batuhan Keskiner)

Bekannt wurde Tabanca, weil ihn der turkmenische Präsident damals zum Vizeminister für öffentliche Aufgaben sowie zum stellvertretenden Chefarchitekten für die Hauptstadt Aschgabat ernannt hatte. Alleine in dem totalitär geführten Land vollendete Tabanca 78 Projekte, darunter das „Unabhängigkeits-Monument“ und das „Monument der Neutralität“, das auch auf einem turkmenischen Geldschein abgebildet ist. Ein anderer Bau von Tabanca, eine große Fontäne mit künstlichem See, schaffte es wegen seiner Größe sogar ins Guinnessbuch der Rekorde.

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    Für Tabanca lohnte sich das Engagement – auch finanziell. Im Jahr 2013 listete ihn das Magazin „Forbes“ als einen der 500 reichsten Türken, mit einem Vermögen von rund 550 Millionen Dollar. All der Ruhm und Glanz haben Tabanca offenbar nicht vergessen lassen, wo er herkommt.

    Und so entschied er sich, sein eigenes architektonisches Denkmal nicht in den Metropolen seines Heimatlandes oder gar der zentralasiatischen Steppe – sondern in seiner anatolischen Heimat zu bauen. „Es stand von Anfang an fest, dass das Museum in Eskisehir stehen soll“, so Tabanca.

    Hier hat ein Team des renommierten japanischen Architekten Kengo Kuma einen Komplex aus Holz in die Nachbarschaft gesetzt, der Kunstinteressierte aus der ganzen Welt in die Provinzstadt zwischen Istanbul und Ankara locken soll.

    Interessant: Der moderne Bau steht inmitten einer eher schlecht modernisierten Siedlung alter Wohnhäuser. In einem Ausstellungsraum blickt man auf Gemälde aus Tabancas eigener Sammlung. Dahinter sieht man durch ein fußballtorgroßes Fenster, wie Gras aus einem halb abgerissenen Dach eines alten Hauses wächst. Authentisch ist das allemal.

    Ausgestellt wird neben Exponaten aus Tabancas eigener Sammlung unter anderem auch eine Sonderanfertigung des japanischen Bambuskünstlers Tanabe Chikuunsai, die bis zur Eröffnung geheim bleiben soll.

    Tabanca suchte auch das Motto der ersten Ausstellung aus: „Vuslat“. Ein altes osmanisches Wort, das man ins Deutsche am besten mit „Heimweh“ oder „Wiedersehen“ übersetzt.

    Damit spricht Tabanca indirekt auch die Jugend seines Heimatlandes an. Viele Türkinnen und Türken wollen inmitten politischer Umwälzungen und wirtschaftlicher Krisen die Türkei verlassen, sind frustriert von den Möglichkeiten daheim und fasziniert von Chancen im Ausland. Auch die exzessive Nutzung des Internets in der Türkei führt dazu, dass viele ständig vor ihrer eigenen Umwelt fliehen.

    Das Motto von Tabancas erster Ausstellung setzt damit einen Akzent, den man ruhig so deuten könnte: ein Weckruf für eine aufgebrachte Generation, trotz aller Widrigkeiten die eigenen Wurzeln nicht zu vergessen. Der Unternehmer widerspricht nicht, hält aber fest: „Es gibt keine politische Message.“

    Mehr: Jürgen Peddinghaus arbeitete als Berater, er war Aufsichtsrat bei Faber-Castell, Jungheinrich, Eckes und Zwilling. Nun spricht der Manager über seine Führungsphilosophie.

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