Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Essens-Lieferdienste Delivery Hero gegen Takeaway – das Duell der Liefer-Gründer ist entschieden

Niklas Östberg und Jitse Groen haben mit dem gleichen Geschäftsmodell Erfolge gefeiert. Doch auf dem deutschen Markt war letztlich nur für einen Platz.
Kommentieren
Delivery Hero: Chef Niklas Östberg im Interview Quelle: W. Schuering/WirtschaftsWoche
Niklas Östberg

Der Schwede überlasst seinen Heimatmarkt Deutschland dem Konkurrenten – und frohlockt dennoch.

(Foto: W. Schuering/WirtschaftsWoche)

HamburgAm Ende das jahrelangen teuren Zweikampfs gaben sich beide als Sieger: Niklas Östberg und Jitse Groen. Die Geschäftsmodelle beider Gründer sind sich so ähnlich, dass letztlich nur für einen Platz auf dem deutschen Markt war. Seit Freitag ist klar: Dieser eine heißt Groen.

Östberg ist Schöpfer des Essenslieferdienstes Delivery Hero (Lieferheld, Foodora), Groen hat den niederländischen Rivalen Takeaway.com (Lieferando) gegründet. In der internationalen Expansion begegneten sich die fast gleichaltrigen Visionäre in mehreren Ländern.

Doch nirgendwo war die Rivalität zwischen dem Niederländer und dem Schweden erbitterter als in Deutschland. In den Großstädten verteilten ihre Promotionsteams teilweise wenige Meter voneinander entfernt Flyer. Mit Plakaten und Fernsehwerbung versuchten sie einander zu übertrumpfen. Denn für beide ist Deutschland bislang von zentraler Bedeutung: Für Östberg, 38, ist es der Heimatmarkt. Der Schwede hat seinen Firmenhauptsitz in Berlin.

Für den Niederländer Groen, 40, ist das östliche Nachbarland sogar lebenswichtig, denn es ist bei Weitem sein größter Markt. Ohne Deutschland, so lässt sich wohl sagen, wäre Groens Konzern ein Torso.

Am Freitag verkündeten beide: Östberg verkauft das Deutschlandgeschäft von Delivery Hero an Groen. Östberg jubilierte, weil der Deal fast eine Milliarde Euro wert ist. „Wir haben ein deutsches Unicorn geschaffen“, sagte Östberg stolz. Einhörner – das sind im Silicon-Valley-Jargon Start-ups, die die Milliarden-Dollar-Bewertung knacken.

Der Konkurrent zahle das Neunfache des Umsatzes. Damit sei das Geschäft überdurchschnittlich hoch bewertet. Auch, weil Deutschland für Groen wichtiger gewesen sei als für ihn selbst, meinte der Schwede.

Groen war zurückhaltender im Ton. „Nur Spieler von ausreichender Größe werden Gewinne schreiben“, sagte er nüchtern. So gesehen sichert die Übernahme tatsächlich die Unabhängigkeit seines Unternehmens Takeaway.com. Östberg hingegen kann seine Investitionen in Delivery Hero nun auf Wachstumsmärkte in Asien, Nahost und Südamerika konzentrieren. Er kündigte bereits an, 215 Millionen Euro aus dem Deal in die Expansion zu stecken.

Die Börse fällte ein klares Urteil – schließlich sind beide am Aktienmarkt: Delivery Hero ist seit 2017 in Frankfurt notiert, Takeway.com bereits seit 2016 in Amsterdam. Die Anleger sahen am Freitag zwar beide als Gewinner – aber Groen klar als den ersten Sieger. Die Aktie von Delivery Hero stieg um zehn Prozent, die von Takeaway.com schoss um ein Drittel nach oben.

Marken wie Pizza.de und Lieferheld verschwinden

Noch vor Weihnachten reiste Groen nach Berlin, um sich seinen 400 künftigen Mitarbeitern vorzustellen. Sie sollen vom Delivery-Hero-Haus, einem hübschen 1950er-Jahre-Bau in Mitte, in die Berliner Deutschlandzentrale des bisherigen Konkurrenten umziehen.

Groen brachte die Botschaft mit, dass die Delivery-Hero-Marken Lieferheld, Pizza.de und Foodora verschwinden. Der dunkelhaarige Unternehmer mit der Gelfrisur will in Deutschland allein mit der 2014 zugekauften Marke Lieferando antreten und so Marketingkosten sparen. Zunächst sollen die übernommenen Mitarbeiter an Bord bleiben. Sie sowie die Fahrer können damit rechnen, von ihrem alten Chef Östberg noch einen Bonus von insgesamt sieben Millionen Euro zum Jahresende zu bekommen.

Aus den bisherigen Rivalen Östberg und Groen werden mit dem Deal Partner. Denn an Geld fließen nur 508 Millionen Euro. Der Rest ist ein Aktiendeal: Östbergs Unternehmen hält künftig 18 Prozent am niederländischen Rivalen und einen Platz im Board. Damit kommen zwei Gründer mit ähnlichen Wurzeln zusammen. Groen hatte schon im Jahr 2000 seinen Lieferdienst Thuisbezorgd.nl gegründet.

Sieben Jahre später hatte er in Deutschland und Belgien die Internationalisierung begonnen. „Am Anfang kamen unsere Konkurrenten aus der niederländischen Kleinstadt Groeningen, heute aus den USA und Großbritannien“, sagte Groen am Freitag. „Die Welt wird für uns immer komplexer.“

Östberg ist noch wesentlich internationaler unterwegs. Der heute 38-Jährige wirkt ebenso lange wie Groen in der Start-up-Szene. Als Groen in den Niederlanden loslegte, gründete der blonde Skandinavier in Norwegen pizza.nu und kurz darauf in Schweden Pizza.se.

Zusammen mit dem Inkubator Team Europe baute Östberg später in Berlin Delivery Hero auf und kaufte seine früheren nordischen Gründungen auf. Mit weiteren Zukäufen und Neugründungen drängte er weltweit in neue Länder, vor allem in Schwellenmärkte – ganz nach dem Muster der Berliner Samwer-Brüder, in deren Umfeld er sich bewegt.

Gewinnzone noch nicht erreicht

Allerdings gab es dabei auch Rückschläge: Östberg musste im laufenden Jahr eingestehen, dass er die Gewinnzone in absehbarer Zeit nicht erreicht. Stattdessen gab er noch mehr Geld für die Werbeschlacht in Deutschland aus. Künftig dürften die neuen Partner die Welt unter sich aufteilen: Östberg ist bereits aus einigen europäischen Ländern ausgestiegen.

Von Berlin aus dürfte er nun Nahost, Asien und Südamerika bearbeiten – Wachstumsländer mit recht geringen Kosten für Lieferanten. Groen dagegen kann in Europa weitermachen.

In den ersten neun Monaten kam Delivery Hero weltweit auf 358 Millionen Euro Umsatz. Davon stammte nur rund ein Drittel aus Europa. Take-away.com machte im ersten Halbjahr 110 Millionen Euro Umsatz. Bislang sollte das operative Geschäft 2019 vor Abschreibungen insgesamt profitabel werden – allerdings noch nicht in Deutschland.

Hier sieht Groen viel Potenzial: Der Großteil des Essensbestellungen komme noch per Telefon und könne ins Internet wandern. Der deutsche Markt hinke den Niederlanden vier Jahre hinterher, meint er.

Groen will mit dem Ende des Duells mit Östberg die teure Werbeschlacht deutlich zurückfahren. Zugleich will er den britischen Konkurrenten Deliveroo kleinhalten und den Markteintritt von Uber Eats aus den USA in Deutschland abwehren. Der studierte Wirtschaftsinformatiker schätzt dabei den Markt in einem wesentlichen Punkt anders ein als Wirtschaftsingenieur Östberg.

Der Niederländer geht nicht davon aus, dass sich mit einem eigenen Liefernetz aus Fahrradkurieren in Europa nachhaltig Geld verdienen lässt. Die Kosten für die festangestellten Kuriere seien in Europa zu hoch, argumentiert Groen. Anders als Östberg sieht er den eigenen Lieferdienst daher nur als Abrundung des Plattformgeschäfts, bei dem die Lieferando-Website gegen eine Umsatzbeteiligung Bestellungen an bestehende Liefer-Restaurants weiterleitet.

Der eigene Lieferdienst diene etwa in den Niederlanden dazu, Kunden an die Plattform zu binden, sagte Groen – und wohl auch als Abwehrmaßnahme gegen Konkurrenten wie Uber Eats. Das Plattformgeschäft sei jedoch inzwischen so profitabel, dass es die Verluste aus der Zustellung überkompensiere. Ein großer Ausbau des eigenen Liefernetzes über die bisherigen Großstädte hinaus ist damit wohl nicht mehr zu erwarten.

Von seinen Plänen muss Groen im März noch die Hauptversammlung überzeugen: Die Aktionäre müssen zustimmen. Die Börsenreaktion signalisiert bereits, dass das gelingen dürfte.

Handelsblatt Zukunft Mittelstand Newsletter
Startseite

Mehr zu: Essens-Lieferdienste - Delivery Hero gegen Takeaway – das Duell der Liefer-Gründer ist entschieden

0 Kommentare zu "Essens-Lieferdienste: Delivery Hero gegen Takeaway – das Duell der Liefer-Gründer ist entschieden"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote