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Eva Prieschl-Grassauer und Andreas Grassauer Dieses Ehepaar hat einen vielversprechenden Virenblocker entwickelt

Eva Prieschl-Grassauer und Andreas Grassauer könnten mit ihrem Unternehmen Marinomed Biotech zum Profiteur der Pandemie aufsteigen. Noch fehlen allerdings klinische Tests.
12.05.2020 - 16:43 Uhr 1 Kommentar
Der Börsengang in Wien gestaltete sich noch schwierig. Quelle: marinomed
Eva Prieschl-Grassauer und Andreas Grassauer

Der Börsengang in Wien gestaltete sich noch schwierig.

(Foto: marinomed)

Wien In Jubel will Andreas Grassauer nicht ausbrechen. Der Gründer und Vorstandschef des Life-Science-Unternehmens Marinomed Biotech AG spricht im nüchternen Ton über die Folgen der Coronakrise für sein Unternehmen. Denn während viele Firmen in Österreich um ihre Zukunft bangen, Entlassungen planen oder bereits in Kurzarbeit sind, arbeitet das börsennotierte Unternehmen an der Belastungsgrenze.

Sein Produkt, der Virenblocker-Wirkstoff Carragelose, ist schwer gefragt. „Die Hochsaison ist auf unabsehbare Zeit verlängert“, sagt der promovierte Virologe fast in schüchternem Ton. „Wir brauchen keine Staatshilfe.“

Marinomed entwickelt Produkte, mit denen sich Krankheiten im Bereich Nase, Augen sowie Lunge behandeln lassen – und zwar schneller, wirksamer und mit geringeren Nebenwirkungen als bei herkömmlichen Medikamenten. Grassauer und seine Ehefrau, Eva Prieschl-Grassauer, stellen unter der Marke Carragelose einen Wirkstoff zur Behandlung von viralen Infektionen in den Atemwegen her. Er hilft offenbar auch Patienten, die mit dem Coronavirus infiziert sind.

„Durch das Nasenspray wurde der Krankheitsverlauf bei Coronaviren um 3,9 Tage verkürzt im Vergleich zu einer Placebo-Behandlung“, berichtet der Unternehmenschef. Bereits 2014 ergab das eine Analyse der mit Carragelose behandelten Patienten im Vergleich zu eine Placebo-Gruppe.

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    „Carragelose könnte zu einem milderen Verlauf führen und dadurch Krankenhausaufenthalte für Infizierte vermeiden“, sagt der Virologe. „Carragelose wirkt sehr breit gegen Viren. Wir haben bereits Erfahrungen mit älteren Coronaviren. Da hat sich eine sehr gute Wirksamkeit gezeigt.“

    Grassauer geht davon aus, dass seinem Virenblocker infolge der Corona-Pandemie in Zukunft eine ganz entscheidende Rolle zukommen wird. Carragelose wird sowohl in Nasen- und Rachensprays als auch in Tabletten verwendet. In Deutschland ist Carragelose unter dem Markennamen Algovir bekannt. „Unser Produkt erwischt nicht nur Coronaviren, sondern auch benachbarte Viren. Das ist ein Vorteil“, sagt Grassauer.

    Für ihr Unternehmen ist die Coronakrise quasi ein wirtschaftlicher Glückfall. Der Börsengang von Marinomed war hingegen noch ein Abenteuer. Nur unter Schwierigkeiten konnte der gebürtige Oberösterreicher die Emission im Februar 2019 in Wien über die Bühne bringen. Heute besitzen Grassauer und seine 52-jährige Ehefrau rund 26 Prozent an der Aktiengesellschaft.

    „Normalerweise ist das erste und zweite Quartal nur eine Nebensaison. Wir machen in diesem Zeitraum nur ein Drittel der Erlöse. Nun haben wir eine Verlängerung der Hauptsaison“, freut sich der in Wels geborene Virologe.

    Auch Geschäftspartner wie der deutsche Lizenznehmer, die Häsla Pharma GmbH, sind zuversichtlich: „Als Molekularbiologe kann ich bestätigen, dass ich von einem signifikanten Effekt ausgehe, da der Wirkmechanismus von Carragen letztlich unspezifisch ist“, sagt Geschäftsführer Guido Middeler.

    „Das heißt, es gibt keine Hinweise, dass sich die Virushülle der Coronaviren so grundsätzlich von anderen Viren unterscheidet, dass sie von Carragen nicht in gleicher Weise eingekapselt wird und damit die Infektiosität der viralen Partikel nicht ebenso gut reduziert wird als bei anderen Erkältungsviren.“ Das Lübecker Unternehmen ist der Hersteller der carragenhaltigen Medizinprodukte von Marinomed und vertreibt Carragelose-Produkte in über 40 Länder.

    Analystin empfiehlt Aktie zum Kauf

    Bei unabhängigen Marktbeobachtern kommen die jüngsten Entwicklungen gut an. „Carragelose ist derzeit einer der wenigen aktiven Wirkstoffe mit klinischem Datenmaterial für an Coronavirus Infizierte“, sagt Vladimira Urbankova, Analystin der österreichischen Erste Group. „Der Ausbruch des Coronavirus wird für eine neue Dynamik beim Verkauf des Produkts Carragelose führen“, ist sich die Expertin sicher. Sie empfiehlt die Aktie von Marinomed zum Kauf.

    Unternehmensgründer Grassauer bleibt aber vorsichtig. „Wir wissen noch nicht, ob unser Produkt gegen das neue Coronavirus hilft. Wir kooperieren mit Partnern, um Daten über die Wirksamkeit von Carragelose gegen das neue Coronavirus zu erheben“, sagt der CEO. „Danach können wir erst eine klinische Testung beginnen.“ Verlässliche Daten zur Wirksamkeit wird es voraussichtlich erst im nächsten Jahr geben. „Wir brauchen für eine klinische Testung eine gesamte Erkältungssaison“, erläutert Grassauer.

    Eine Schlüsselrolle für die weitere Unternehmensentwicklung spielt seine Ehefrau Eva Prieschl-Grassauer. Sie fungiert seit der Gründung der Marinomed als Chief Science Officer. Zuvor war die an der Universität Wien promovierte Immunologin beim Schweizer Pharmakonzern Novartis. Dort leitete sie ein Allergieprogramm und erforschte den Wirkungsmechanismus eines Medikaments gegen Multiple Sklerose.

    Einen Durchbruch kann Marinomed mit seinen knapp 40 Mitarbeitern gut gebrauchen. Im vergangenen Jahr fuhr das Wiener Biotech-Unternehmen noch einen Verlust ein. Der Jahresfehlbetrag sank zwar, aber betrug immer noch 7,2 Millionen Euro. Dabei beliefen sich die Erlöse trotz einer Steigerung um fast ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr lediglich auf 6,1 Millionen Euro. „Die Investitionen in Forschung und Entwicklung sind der Hauptgrund für den Jahresfehlbetrag“, sagt Grassauer.

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    Unter finanziellen Druck kommt das Unternehmen trotzdem vorerst nicht. Schließlich spülte der Börsengang rund zwölf Millionen Euro in die Kassen. „Frühestens in zwei Jahren erreichen wir nachhaltig die Gewinnzone“, verspricht Grassauer angesichts der weiter hohen F&E-Ausgaben.

    Mit jungen Unternehmen hat er Erfahrung. Schon 2005 hatte der Virologe erfolgreich ein Start-up gegründet, aufgebaut und verkauft. Die spätere Avir Green Hills Biotechnology hatte am Ende aber kein Glück. Die Firma ging 2012 – lange nach Grassauers Ausstieg – in die Insolvenz.

    Diesmal soll es anders laufen, hofft der 50-Jährige inständig: „Die virale Infektion der Atemwege ist ein sehr wichtiges Problem. Diese durch die Pandemie ausgelöste Bewusstseinsänderung wird uns künftig weltweit nützen.“

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    1 Kommentar zu "Eva Prieschl-Grassauer und Andreas Grassauer : Dieses Ehepaar hat einen vielversprechenden Virenblocker entwickelt"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Jetzt hat sich das Handelsblatt aber als Marketinginstrument mißbrauchen lassen...fragen sie ruhig mal die Ärzte- und Apothekerverbände 😉 Es ist bestimmt lustig anzusehen, wie die Viren auf der "Rotalgen-Autobahn" Richtung Lunge schlittern 😂

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