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Everphone Dieses Start-up lässt Privat- und Diensthandy verschmelzen

Jan Dzulko versorgt Unternehmen mit den neuesten Smartphones und passender Software. Berufliches und Privates sollen Mitarbeiter damit besser trennen können.
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Der Ex-Vorstand von Check 24 baut mit Everphone ein Start-up auf, das berufliche und private Nutzung der Diensthandys trennt. Quelle: Severin Messenbrink
Jan Dzulko

Der Ex-Vorstand von Check 24 baut mit Everphone ein Start-up auf, das berufliche und private Nutzung der Diensthandys trennt.

(Foto: Severin Messenbrink)

Düsseldorf Auf die Reparatur eines Smartphones drei Wochen zu warten ist für Jan Dzulko nicht hinnehmbar. Als er aber genau diese Erfahrung vor einigen Jahren machte, entstand die Idee für sein Start-up Everphone, das er 2016 gründete. „Bis ich das perfekte Geschäftsmodell gefunden habe, hat es gedauert“, sagt der 42-Jährige. Doch nun sei er mit seinem Geschäft sehr glücklich. Everphone arbeitet als Partner für Unternehmen, die ihren Mitarbeitern Diensthandys zur Verfügung stellen.

Dzulko ist überzeugt, dass ein Smartphone als ständiger Begleiter des Nutzers immer funktionsfähig sein muss. Genau das garantiert er. Damit nicht genug. Zu den Dienstleistungen von Everphone gehören außerdem die Beschaffung der Smartphones für die Mitarbeiter eines Unternehmens, die Vorinstallation der nötigen Software, damit die Leute auf die unternehmensinternen Anwendungen zugreifen können, und die doppelte Nutzung des Smartphones. Die Beschäftigten brauchen kein zweites Gerät, das sie für private Zwecke einsetzen.

Ein sogenanntes Mobile-Device-Management sorgt dafür, dass Nutzer zwischen zwei Oberflächen auf ein und demselben Gerät wechseln können. „Diese Software ist nicht neu, aber sie ist entweder den meisten IT-Abteilungen der Unternehmen nicht bekannt oder die Installation dauert zu lange“, erklärt der ehemalige Vorstand des Vergleichsportals Check  24.

Etablierte Anbieter dieser Software sind beispielsweise MobileIron oder VMware, beides Unternehmen aus Kalifornien. Dabei gäbe es keine datenschutzrechtlichen Bedenken, weil keine Vermischung zwischen beruflichen und privaten Inhalten möglich sei. Diese Trennungsfunktion könne man sogar automatisieren: So sei es möglich, dass die berufliche Oberfläche ab einer bestimmten Uhrzeit nicht mehr zu öffnen sei. „Das besprechen wir derzeit mit den Betriebsräten großer Industrieunternehmen“, sagt Dzulko.

Zu den Großkunden von Everphone gehören die Unternehmensberatung Ernst & Young (EY), der Axel-Springer-Verlag, das E-Scooter-Start-up Tier und der Autobauer Hyundai. Dzulko zufolge sparen die Unternehmen, die mit Everphone arbeiten, einiges: Zeit, Arbeitskraft und vor allem Geld.

Auf Kapital angewiesen

Das sieht Michael Albrecht, Chief Information Officer von EY im deutschsprachigen Raum, etwas anders. Würde er die Zusammenarbeit aus der Brille des Finanzchefs betrachten, würde er Everphone nicht einsetzen, bilanziert der Manager. Allerdings habe sich EY für die Dienstleistungen des Start-ups entschieden, damit die Mitarbeiter zufriedener seien. Deshalb lohnten sich die höheren Ausgaben für EY.

Everphone hat eigenen Angaben zufolge zwar in den Monaten Mai und Juni 15 Mitarbeiter angestellt und die Zahl damit auf insgesamt 40 gesteigert. Aber langfristig sollen immer mehr Arbeitsschritte automatisiert laufen. Dzulkos Team arbeite daher viel im Bereich des maschinellen Lernens. „Künftig soll der Einkauf der Smartphones, der Bestell-, Versand- und Abgabevorgang per Knopfdruck geschehen“, hofft der erfahrene Gründer.

Für Dzulkos künftige Vorhaben sind Investorengelder unerlässlich. Derzeit investieren drei Geldgeber in Everphone. Zu ihnen gehört der Unternehmer Chris Muhr, Business-Angel Jens Lapinski und Check-24-Gründer Henrich Blase.

Letzteren hält Dzulko für seinen persönlichen Mentor. Als er 2003 sein erstes Start-up, Pecumax, gründete, habe er nach eigenen Angaben zunächst alles falsch gemacht, was er habe falsch machen können. Deshalb rät er unerfahrenen Gründern unbedingt zu einem Mentor.

Auch in Sachen Investorensuche hat Dzulko einen Ratschlag: „Wer ein gutes Netzwerk hat, genießt größeres Vertrauen bei den Kapitalgebern“, ist er überzeugt. Das sei manchmal wichtiger als die Idee. „Wer sein Geschäftsmodell an den Gesamtverteiler eines Kapitalgebers sendet, hat keine Chance“, sagt er.

Ob sein Netzwerk reicht, um den Unternehmenserfolg zu sichern, wird sich noch zeigen. Denn Everphone sei ständig auf Kapital angewiesen, weil das Start-up die Hardware, also die Smartphones, selbst kaufe. Bei 10.000 Smartphones mit einem durchschnittlichen Wert von 600 Euro kommen sechs Millionen Euro zusammen.

Für November ist schon die nächste Finanzierungsrunde geplant, in der Dzulko auf etwa 15 Millionen Euro von Geldgebern hofft. „Wir arbeiten momentan operativ profitabel und nicht Cashflow-profitabel“, gibt Dzulko zu. Sprich: Everphone kann seine Investitionen nicht selbst bezahlen, sondern ist unbedingt auf Fremdkapital angewiesen.

Mehr: Mit einem Jahr Verspätung hat die Smartphonebank N26 ihr Geschäft in den USA aufgenommen. Die Konten stellt eine amerikanische Direktbank.

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