Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Familienunternehmen Catherine von Fürstenberg-Dussmann: „Unsere Corona-Helden sind tapfer dabei, die Keime zu besiegen“

Die Stiftungsvorständin sieht ihr Dienstleistungsunternehmen gut gerüstet für die Krise. Sie hofft auf Anerkennung für Reinigungskräfte, die bei der Virus-Bekämpfung helfen.
05.05.2020 - 17:02 Uhr Kommentieren
Die Dussmann-Stiftungschefin stellt härtere Zeiten in Aussicht. Quelle: Dussmann Group
Catherine von Fürstenberg-Dussmann

Die Dussmann-Stiftungschefin stellt härtere Zeiten in Aussicht.

(Foto: Dussmann Group)

Hamburg, Düsseldorf Die silber-roten Frecciarossa-Schnellzüge verbinden Norditalien mit dem Süden normalerweise im rasanten Tempo. Doch wegen der Ausgangssperre in dem vom Coronavirus hart getroffenen Land fuhren zeitweise nur fünf Prozent der Züge. Das hat auch Auswirkungen auf Dussmann: Das Berliner Familienunternehmen reinigt die Züge – ein Auftrag, der in normalen Jahren 70 Millionen Euro einbringt.

Der Dienstleister Dussmann ist besonders vielschichtig von der Krise betroffen. Das Unternehmen hat seine Wurzeln in der Gebäudereinigung, es betreibt auch Kantinen und Kindergärten sowie Altersheime. Dazu kommt ein Kulturkaufhaus in Berlin, das erst am vergangenen Dienstag wieder eröffnete.

Andere Bereiche wachsen gerade wie Reinigung und Desinfektion an anderer Stelle. In die aktuelle Coronakrise geht es leicht geschwächt: Die Gewinnmarge vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen ist von 6,2 auf fünf Prozent im Jahr 2019 gesunken, trotz eines um 6,3 Prozent gestiegenen Umsatzes, wie der am Dienstag veröffentlichte Geschäftsbericht zeigt.

Trotzdem will die Haupteignerin Catherine von Fürstenberg-Dussmann auf Kündigungen nach Möglichkeit verzichten. „Wir sind ein Familienunternehmen, solide und ohne Schulden“, sagte sie. „Ich will allen Mitarbeitern ihre Jobs sichern, wenn das geht. Solidarisch und solide kommen wir zusammen durch diese Krise.“

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Leistungsausweis für ihr Unternehmen ist der erste Corona-Ausbruch in Deutschland beim bayerischen Autozulieferer Webasto. Dussmann hatte dort die Büro-Desinfizierung übernommen. „Unsere Corona-Heldinnen und -Helden sind tapfer dabei, Corona-Keime zu besiegen“, lobte von Fürstenberg-Dussmann ihre Mitarbeiter.

    Sie selbst hatte 2010 fünf Wochen undercover als Reinigungskraft gearbeitet und festgestellt, dass diese selten wahrgenommen werden. In der aktuellen Krise aber wird deren Arbeit mehr geschätzt. Die Matriarchin hofft, dass es so bleibt.

    Trotz allem stellte sie härtere Zeiten in Aussicht: Allein im Krisenland Italien habe Dussmann 2019 rund 600 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet – von insgesamt 2,13 Milliarden Euro Konzernumsatz.

    Doch nicht nur Züge, sondern auch Schulen stehen still und damit auch das Catering-Geschäft. Das können zusätzliche Aufgaben etwa in der Reinigung von Krankenhäusern in der stark betroffenen Region Bergamo nicht ausgleichen. Insgesamt setzt Dussmann etwas mehr als die Hälfte im Ausland um und beschäftigt dort auch mehr als die Hälfte der Mitarbeiter, derzeit sind es 64.500.

    China-Geschäft rechtzeitig abgestoßen

    In Deutschland verzeichnete Dussmann schon vor der Krise weniger Gewinn. Der Großauftrag zur Reinigung des Berliner Zentralkrankenhauses Charité ist zurück an das Land gefallen mit gut 1200 Mitarbeitern. Dussmann habe trotzdem die Verwaltung bewusst nicht reduziert, um erwartetes weiteres Wachstum stemmen zu können, sagte Wolf-Dieter Adlhoch. Ob das nun eintrifft ist ungewiss.

    „Durch Corona sind unsere Pläne torpediert worden“, sagte der Sprecher des Vorstands. Der frühere Bilfinger-Manager und Leiter der Brexit-Taskforce der Hessischen Staatskanzlei ist seit 2017 im Vorstand des Familienunternehmens, seit Ende 2019 als Chef.

    Er gilt als Weggefährte des früheren hessischen Ministerpräsidenten und Bilfinger-Chefs Roland Koch. Zu den Gründen für den Abschied von Adlhochs Vorgänger Wolfgang Häfele blieb zu Fürstenberg-Dussmann vage. Er sei „von sich aus“ im Pension gegangen: „Vielleicht hatte er Heimweh nach Schwaben.“

    Insgesamt sank der operative Gewinn nach Berechnungen des Handelsblatts vor Abschreibungen (Ebitda) auf 107 Millionen Euro nach 125 Millionen Euro im Vorjahr. Genauere Angaben zum Gewinn machte das Unternehmen nicht. 2020 werde der Umsatz voraussichtlich sinken, die Auswirkungen auf den Gewinn seien noch unklar.

    Gerade noch rechtzeitig habe sie das Geschäft in China und Hongkong mit 4100 Mitarbeitern verkaufen können, sagte von Fürstenberg-Dussmann. „Ich wollte seit Langem aus dem Land heraus.“ Letzten Ausschlag für den Verkauf an ein chinesisches Unternehmen habe die Demonstrationswelle in Hongkong gegeben.

    Susanne Eickermann-Riepe, die den Bereich Real Estate bei PwC verantwortet, analysiert die Facility-Management-Branche: „Die Signale sind zweigeteilt“, sagt die Beraterin. Auf der einen Seite stünden derzeit viele Büros leer, weil viele Mitarbeiter vom Home-Office aus arbeiten, „da muss derzeit also weniger gereinigt werden“. Neue Aufgaben dagegen kämen hinzu: Zutrittskontrollen und Desinfektion. „Darauf sind noch nicht alle in der Branche eingerichtet.“

    „Kommentieren diese traurige Sache hier nicht“

    Dussmann schon. Die Expertin sieht die Branche eher vor einem „V-Verlauf in dieser Krise“, das heißt, die Branche wird sich relativ schnell erholen.“ Allerdings sei es möglich, dass sich die Bedingungen durch eine starke Zunahme an Home-Office-Arbeitsplätzen und neue Anforderungen an Sharing-Konzepte, langfristig noch mal änderten.

    Zum Erbschaftsstreit wollte sich von Fürstenberg-Dussmann am Dienstag nicht äußern. „Wir kommentieren diese traurige Sache hier nicht“, sagte sie. Schließlich habe der Prozess keine Auswirkungen auf die Geschäftsergebnisse. Im vergangenen Jahr hatte die 68-Jährige einen Sieg gegen ihre Tochter errungen.

    Ein Sachverständiger attestierte dem 2013 verstorbenen Unternehmensgründer Peter Dussmann, dass er am 25. Mai 2010 in der Lage gewesen sei, sein Testament zu ändern. Peter Dussmann hatte bereits 1981, ein Jahr vor der Geburt seiner Tochter, testamentarisch bestimmt, dass diese 50 Prozent des Vermögens erben solle. 2010 änderte er es zugunsten seiner Frau, die danach 75 Prozent und die Tochter nun 25 Prozent erhalten sollte.

    Der Gründer und Sohn eines Buchhändlers startete einst mit einem Heimpflegedienst in München. Seine Zielgruppe: alleinstehende junge Männer, die in ihren ersten eigenen Wohnungen keine Ordnung halten konnten. Schnell expandierte er in neue Bereiche. Im Jahr 2008 erkrankte er schwer.

    Für die Zukunft zeigte sich die Unternehmerin optimistisch. Ihr verstorbener Mann habe stets betont, dass sein Unternehmen auch in Krisen und Kriegen gebraucht werde. „Wir werden immer arbeiten können“, sagte sie. Nach der Coronakrise werde eine gestiegene Angst vor Keimen bleiben – also auch mehr Nachfrage nach Reinigungen.

    Mehr: Sascha Hartmann gibt vor, wie Hunderte Gebäudereiniger bei Dussmann arbeiten und desinfizieren. Von seinen Erfahrungen profitieren in der Coronakrise jetzt andere Firmen.

    Startseite
    Mehr zu: Familienunternehmen - Catherine von Fürstenberg-Dussmann: „Unsere Corona-Helden sind tapfer dabei, die Keime zu besiegen“
    0 Kommentare zu "Familienunternehmen: Catherine von Fürstenberg-Dussmann: „Unsere Corona-Helden sind tapfer dabei, die Keime zu besiegen“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%