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Familienunternehmen Dussmann mit weniger Umsatz und mehr Marge – Kulturkaufhaus bleibt

Der Umsatz des Mischkonzerns ging 2020 leicht zurück. Doch die Modernisierung des Portfolios im Dienstleistungsbereich schafft Freiraum für Wachstum und ein Herzensprojekt.
11.05.2021 - 08:16 Uhr Kommentieren
Die Stiftungsvorsitzende hält am Kulturkaufhaus in Berlin fest. Quelle: Dussmann Group
Catherine von Fürstenberg-Dussmann

Die Stiftungsvorsitzende hält am Kulturkaufhaus in Berlin fest.

(Foto: Dussmann Group)

Düsseldorf Es hat sich in der Pandemie bezahlt gemacht, dass der Mischkonzern Dussmann breit im Dienstleistungsgeschäft aufgestellt ist. Verordnungsbedingte Schließungen des Berliner Kulturkaufhauses sowie der starke Rückgang im Catering-Geschäft sorgten 2020 für Umsatzverluste.

Doch die konnte das Unternehmen größtenteils kompensieren, „zum Beispiel durch desinfizierende Spezialreinigung sowie Aufträge im technischen Anlagenbau“, erklärt Dussmann-Vorstandschef Wolf-Dieter Adlhoch. Der Umsatz sank 2020 um 2,6 Prozent auf 2,08 Milliarden Euro im Vergleich zu 2,13 Milliarden im Jahr 2019. "Wir sind sicher kein Krisengewinner" stellte Adlhoch klar. Dussmann sei ein stabiles schuldenfreies Familienunternehmen und gut durch die Krise gekommen.

Dussmann sei seit Beginn der Pandemie Teil des nationalen Krisenmanagements gewesen, vor allem bei der Reinigung und Desinfektion von Schulen, öffentlichen Transportmitteln und Krankenhäusern einschließlich Covid-19-Intensivstationen sowie in der Seniorenpflege und der betriebsnahen Kinderbetreuung, betonte Adlhoch. Eine Corona-Prämie aber gebe es nicht, erklärte Catherine von Fürstenberg-Dussmann, Vorsitzende des Stiftungsrats und Witwe des Firmengründers. "Wir garantieren unseren Mitarbeitern einen sicheren Arbeitsplatz, man kann nicht plötzlich höher bezahlen, die Margen sind so dünn in diesem Geschäft", sagte sie in der Online-Pressekonferenz.

Etwas mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes erwirtschaftet Dussmann in Ausland. Das Facility-Management-Geschäft, zu dem auch das Catering mit einem Minus von 20 Prozent gehört, sank insgesamt um mehr als zwölf Prozent. Viele Betriebsrestaurants waren in den vergangenen 14 Monaten geschlossen oder nur eingeschränkt in Betrieb.

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    Vor allem in Italien, Dussmanns größtem Auslandsmarkt, reinigten und desinfizierten die Teams des Unternehmens Krankenhäuser in der Lombardei, die Vaporetti und Fähren in Venedig sowie die nationale Hochgeschwindigkeitszugflotte.

    Von Fürstenberg-Dussmann, hat sich derweil schon vor einiger Zeit entschlossen, das Geschäft in China und Hongkong zu verkaufen. Die gebürtige US-Amerikanerin sagte dem Handelsblatt: „China und Hongkong sind wachsende und zugleich bereits riesige Märkte. Man muss dort eine gewisse Größe haben, um überhaupt wahrgenommen zu werden.“ Man sei in anderen Märkten gefragter, darum habe man sich schon ein Jahr vor der Pandemie „für den Exit entschieden“. Die Zahl der Mitarbeiter ist insgesamt auch dadurch um 4500 auf 60.000 gesunken.

    „Herzensprojekt“ Kulturkaufhaus

    Von 116 Millionen Euro auf 233 Millionen Euro verdoppelt hat sich der Umsatz im vergleichsweise neuen Geschäft mit technischen Lösungen. Dazu zählt auch das Joint Venture „Chargemaker“ mit dem regionalen Energieversorger Mainova. Chargemaker plant, installiert, wartet und betreibt elektrische Ladesäulen auf privaten und halböffentlichen Flächen wie Einkaufszentren. Rund 230 bis 240 Ladesäulen seien inzwischen im Einsatz. Im Fokus stünden vor allem Unternehmen mit mehreren Standorten, die den Service aus einer Hand haben wollen, erklärte Adlhoch

    Dussmann betreibt darüber hinaus 116 „Kursana“-Pflegeheime und Betriebskindergärten, dieser Geschäftsbereich wuchs um sechs Prozent auf knapp 460 Millionen Euro. Besonders von der Pandemie betroffen war das „Kulturkaufhaus“ in Berlin an der Friedrichstraße.

    Es ist ein „Herzensprojekt“ von Fürstenberg-Dussmann, auch wenn es nur 1,2 Prozent zum Gesamtumsatz beiträgt. 1997 hatte ihr inzwischen verstorbener Ehemann Peter Dussmann, ein ehemaliger Buchhändler, dort in bester Lage den Verkauf diverser Medien gestartet.

    Der Umsatz des Kulturkaufhauses ging 2020 um mehr als 30 Prozent auf 25 Millionen Euro zurück. Das Unternehmen ist von der Coronakrise einerseits durch die Schließungen, andererseits durch das Ausbleiben von Touristen in der Bundeshauptstadt betroffen.

    Keine Angaben zum Gewinn

    Der 45-jährige Adlhoch fährt eine Doppelstrategie, um das Geschäft zukunftsfähig aufzustellen: Erstens legt er beim strategischen Wachstum deutlich an Tempo zu. Dussmann hat seit Jahresbeginn drei Unternehmen zugekauft: die österreichische Janus-Gruppe, ein auf OP-Säle spezialisiertes Reinigungsunternehmen, einen deutschen Kälte- und Klimaspezialisten sowie einen polnischen Gebäudedienstleister mit Expertise in Automation.

    Der Manager, der von Bilfinger 2017 in den Dussmann-Vorstand kam und seit Ende 2019 an der Spitze steht, setzt zudem auf neue Technologien. So werden Roboter zum Bewachen und für einfache Reinigungstätigkeiten eingesetzt, ein eigenes Start-up soll das Liefermanagement in den Küchen effizienter machen.

    Zum Gewinn äußert sich das Unternehmen selbst nicht. Die Gewinnmarge liege vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen bei 5,1 Prozent, 2019 waren es demnach fünf Prozent. Rechnet man den Gewinn beim gesunkenen Umsatz hoch, könnte er bei rund 106 Millionen Euro liegen. Nach Angaben von Catherine von Fürstenberg-Dussmann sei die Eigenkapitalquote nur leicht von 44,1 auf 43,3 Prozent gesunken.

    Die Unternehmenstochter Dresdner Kühlanlagenbau mit 570 Mitarbeitern ist im vorigen Jahr darüber hinaus Opfer einer Cyber-Attacke geworden, bei der Daten verschlüsselt worden seien. Das Unternehmen hatte Strafanzeige erstattet. Nach wie vor will sich Dussmann dazu allerdings nicht äußern. „Vor dem Hintergrund der laufenden Ermittlungen können wir derzeit keine weiteren Angaben machen.“

    Derweil ist der Erbstreit zwischen der 70-jährigen Catherine von Fürstenberg-Dussmann und ihrer Tochter noch nicht geklärt. Das Unternehmen macht hierzu keine Angaben. 2019 hatte ein Gutachter bestätigt, dass der Firmengründer bei seiner Testamentsänderung aus dem Jahr 2010 zwar krank, aber testierfähig gewesen sei. Die Änderung betraf die Aufteilung des Vermögens. Danach solle seine Ehefrau 75 Prozent und seine Tochter nur 25 Prozent erhalten.

    Mehr: Sascha Hartmann gibt vor, wie Hunderte Gebäudereiniger bei Dussmann arbeiten und desinfizieren

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