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Familienunternehmen Friseurkette Klier kämpft um den Neustart aus der Insolvenz

Mit radikalen Schnitten im Filialnetz und neuen Konzepten für Beauty-Salons wollen die Inhaber das Familienunternehmen nun fit für die Zukunft machen.
06.01.2021 - 06:53 Uhr 1 Kommentar
Die Frisörkette plant nach der Insolvenz den Neustart.
Friseur Klier

Die Frisörkette plant nach der Insolvenz den Neustart.

Düsseldorf Die zwangsweise Schließung der Friseursalons kam zu einem denkbar unglücklichen Zeitpunkt. „Wir waren mit der Sanierung, die wir vor zwei Jahren begonnen hatten, auf einem sehr guten Weg“, erinnert sich Michael Klier. Das Unternehmen schloss zahlreiche Doppelstandorte und unprofitable Läden. „Pro Jahr waren das rund 100 Schließungen“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter der Friseurkette Klier Hair Group.

Das schlug sich auch schon in den Zahlen nieder. „Im Geschäftsjahr 2019 hatten wir ein positives Jahresergebnis. Und auch in den ersten beiden Monaten 2020 lief es noch gut“, betont Klier. „Doch die Corona-Pandemie hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht.“

Das Ergebnis war ernüchternd: Anfang Dezember eröffnete das Amtsgericht am Firmensitz in Wolfsburg das Insolvenzverfahren über das Familienunternehmen. Auch ein Überbrückungskredit der KfW in Höhe von zehn Millionen Euro sowie Zuschüsse der Gesellschafter hatten den bitteren Schritt nicht verhindern können.

Doch nun will das Management aus der Insolvenz heraus den Neustart angehen – und schaut wieder zuversichtlich nach vorn. „Unser Ziel ist es, das Unternehmen zu stabilisieren und seinen Fortbestand zu sichern“, sagt Unternehmenschef Michael Melzer, der zurzeit am Restrukturierungsplan arbeitet. Deutlich vor dem Termin der Gläubigerversammlung am 25. Februar soll mehr Klarheit über die Zukunft des Unternehmens herrschen.

Bevor es wieder bergauf gehen kann, liegen aber noch harte Entscheidungen vor ihm. Eine größere Zahl der rund 1350 Salons und Shops wird geschlossen, wie viele ist noch nicht endgültig geklärt. „Das können wir jetzt noch nicht belastbar sagen, die Zahl kann sich noch bis zum letzten Tag vor dem Abschluss des Insolvenzplans ändern“, erklärt Melzer.

Entscheidend für die Zahl der Friseursalons, die überleben, und damit für die Frage, wie viele der 8500 Mitarbeiter an Bord bleiben, sind die Verhandlungen mit den Vermietern über Mietkürzungen. Die vertraglichen Mietverpflichtungen für die kommenden Jahre summieren sich auf 175 Millionen Euro. Melzer bezeichnet die Gespräche als sehr konstruktiv. „Wir wollen uns nicht an den Vermietern bereichern, aber angemessene Mieten sind einfach notwendig“, betont er. „Viele, insbesondere kleinere Vermieter sind da sehr einsichtig.“

Unsicherheit für die Mitarbeiter

Besonders hart ist die anhaltende Unsicherheit für die Mitarbeiter. Die Gewerkschaft Verdi kritisierte auch, es habe Schließungen von einem Tag auf den anderen ohne Vorwarnung gegeben. Die Gewerkschaft forderte einen fairen und transparenten Umgang mit den Mitarbeitern.

Inhaber Klier kann die Sorgen der Mitarbeiter nachvollziehen: „Dass es für Mitarbeiter schmerzhaft ist, wenn Salons sehr kurzfristig geschlossen werden, kann ich verstehen“, räumt er ein. Das Unternehmen sei aber der Überzeugung, dass eine lange Auslaufphase bei Schließungen für beide Seiten nicht gesund ist.

„Auf jeden Fall versuchen wir, für betroffene Mitarbeiter im Unternehmen alternative Jobs zu finden“, betont der Unternehmer. Über die Mitarbeiter-App sei auch sehr viel positives Feedback gekommen. Das bestätigt der vom Gericht eingesetzte Sachwalter Silvio Höfer: „Mir sind keine Beschwerden von Mitarbeitern zu Ohren gekommen in Bezug auf den Restrukturierungsprozess und die Mitarbeiterinformation bei der Schließung von Standorten.“

Grundsätzlich sieht der Sachwalter eine gute Perspektive für das Familienunternehmen, gerade durch den Eintritt ins Insolvenzverfahren. „Nach Eröffnung des Verfahrens kann das Unternehmen jetzt mit den Instrumenten des Insolvenzrechts wichtige strategische Restrukturierungen durchführen“, erklärt er.

Der geschäftsführende Gesellschafter glaubt an einen erfolgreichen Neustart.
Michael Klier

Der geschäftsführende Gesellschafter glaubt an einen erfolgreichen Neustart.

Und da sieht er die Friseurkette bei der Erarbeitung des Insolvenzplans auf einem guten Weg. „Ich bin zuversichtlich für den weiteren Weg der Klier Hair Group, weil es - nach Trennung von zu hohen Mietverträgen - ein valides und funktionierendes Geschäftsmodell auf einer guten, soliden wirtschaftlichen Grundlage bei dem Unternehmen gibt“, sagt der Insolvenzexperte.

Zu aktuellen Bilanzzahlen macht das Unternehmen keine Aussagen. Im Geschäftsjahr 2018 hatte die Klier-Holding, zu der neben der Klier Hair Group auch die Auslandsgesellschaften gehören, laut Veröffentlichung im Bundesanzeiger einen Umsatz von 311 Millionen Euro gemacht, bei dem unter dem Strich ein Jahresfehlbetrag von 228.000 Euro anfiel.

Das Umfeld ist durchaus herausfordernd. Der Wettbewerb ist hart, es gibt rund 80.000 Friseursalons, die um die Kunden kämpfen. Die Coronakrise hat die Situation weiter verschärft. Nach einer Umfrage des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks haben 57 Prozent der Unternehmerinnen und Unternehmer starke oder sogar sehr starke Existenzsorgen.

„Es geht um die Existenz vieler Unternehmen. Mit diesem nun zweiten Lockdown rechnen wir auf das Jahr bezogen mit Umsatzverlusten von bis zu 30 Prozent“, berichtet Jörg Müller, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands. „Das können viele Betriebe einfach nicht mehr schultern.“

Bei Klier jedoch resultieren die Probleme nicht nur aus der Coronakrise. Ursächlich war die zu starke Expansion – auch an Standorten, die nicht zuletzt wegen hoher Mieten nicht profitabel arbeiteten. Besonders die Läden in Shoppingcentern haben sich als schwierig erwiesen.

Konkurrenz zu Douglas

Doch Vorstandschef Melzer hat offenbar aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Unter fünf verschiedenen Marken führt das Unternehmen seine Salons: Essanelle und Super Cut für das gehobene Segment, Frisör Klier für das Massengeschäft in Shopping- und Fachmarktcentern und die beiden Billig-Ketten Hairexpress und Styleboxx. Dabei scheint etwas die Übersicht verloren gegangen zu sein, wofür die jeweiligen Marken stehen.

Das räumt auch Melzer ein. „Die Vielfalt unserer Marken verschafft uns grundsätzlich einen Wettbewerbsvorteil“, sagt er, ergänzt aber auch selbstkritisch: „Die Abgrenzung unserer Marken hat in den vergangenen Jahren an Schärfe verloren, das wollen wir jetzt korrigieren.“ Diese strategische Weiterentwicklung habe einen Zeithorizont von zwei bis drei Jahren.

Beim künftigen Standort- und Markenmix will das Unternehmen stärker auf das Premiumsegment setzen. „Wir sehen die Zukunft des Friseurhandwerks nicht im Billigsegment“, gibt Melzer unumwunden zu. Das kann als strategische Kehrtwendung gesehen werden, galt Klier mit seinem aggressiven Filialwachstum doch lange Jahre in der Branche als Bedrohung für das traditionelle Friseurhandwerk.

Helfen soll der Klier Hair Group auch eine Erweiterung des Geschäftsmodells. „Langfristig wollen wir unseren Kunden an den Premium-Standorten ganzheitliche Angebote rund um das Thema Beauty unterbreiten“, verrät Melzer. Damit strebt das Unternehmen in eine ähnliche Marktlücke wie die Parfümeriekette Douglas, die ihr Kerngeschäft ebenfalls um Beauty-Dienstleistungen erweitern will.

Melzer schreckt das nicht. „In Zusatzdienstleistungen im Bereich Kosmetik und Beauty liegen viel Potenzial und auch gute Margen“, prognostiziert er. Und er hat dabei schon eine besondere Klientel im Blick: „Gerade im Segment Beauty für Männer sehen wir gute Wachstumschancen.“

Mehr: Lockdown belastet Parfümeriekette Douglas bei Schuldenbewältigung.

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1 Kommentar zu "Familienunternehmen: Friseurkette Klier kämpft um den Neustart aus der Insolvenz"

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  • Unter "radikalen Schnitten" hatte ich mir jetzt die neuen Frisuren-Kollektionen vorgestellt. Stattdessen waren nur Mietsenkungen und Entlassungen damit gemeint.

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