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Familienunternehmen Für die Traditionsfirma Käthe Wohlfahrt fällt Weihnachten aus

Touristen fehlen, und Weihnachtsmärkte sind abgesagt: Der weltbekannte Weihnachtshändler aus Rothenburg ob der Tauber ist durch Corona in Existenznot.
14.12.2020 - 15:49 Uhr 1 Kommentar
Der Unternehmer wollte den Familienbetrieb nach Weihnachten eigentlich an die dritte Generation übergeben. Doch Corona bedroht nun die Existenz. Quelle: Käthe Wohlfahrt
Harald Wohlfahrt

Der Unternehmer wollte den Familienbetrieb nach Weihnachten eigentlich an die dritte Generation übergeben. Doch Corona bedroht nun die Existenz.

(Foto: Käthe Wohlfahrt )

Düsseldorf Dieses Weihnachten sollte für das Familienunternehmen Käthe Wohlfahrt ein besonderer Meilenstein werden. Eigentümer Harald Wohlfahrt wollte nach dem Fest die Geschäftsführung an seine drei Kinder übergeben. Die arbeiten bereits im Unternehmen, das auf Weihnachtsartikel spezialisiert ist. Doch daraus wird erst mal nichts. Stattdessen kämpft der 66-Jährige darum, dass das Unternehmen die Coronakrise überlebt. Wohlfahrt haftet persönlich als Komplementär für die Firma.

Käthe Wohlfahrt hat die deutsche Weihnachtskultur in die ganze Welt gebracht. Aus Japan, China und den USA pilgern jedes Jahr Hunderttausende Besucher zum Weihnachtsdorf ins fränkische Rothenburg ob der Tauber. Denn bei dem Unternehmen ist das ganze Jahr Weihnachten. Mitten im Fachwerkhaus steht ein riesiger weißer Christbaum mit 1400 Glaskugeln und 12.000 Lichtern. Verkauft wird traditioneller deutscher Weihnachtsschmuck vor allem aus dem Erzgebirge.

Neben Rothenburg unterhält Käthe Wohlfahrt noch in sieben Touristenorten ganzjährig Weihnachtsläden. Sie alle sind infolge von Reisebeschränkungen und geschlossenen Hotels und Restaurants wie leergefegt. Und nun ist auch der Einzelhandel erneut im Lockdown. Seit Frühjahr sind fast alle 300 Mitarbeiter in Kurzarbeit.

Große Hoffnung hatten die Wohlfahrts auf das Vorweihnachtsgeschäft gesetzt. Dann wird der Hauptumsatz vor allem mit deutschen Kunden gemacht, 850 Saisonkräfte helfen auf etwa 60 Weihnachtsmärkten aus. Doch die sind bundesweit abgesagt. Die begehbaren Weihnachtsmarkthäuser von Käthe Wohlfahrt durften gar nicht erst öffnen.

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    Räuchermännchen, Pyramiden und Weihnachtsschmuck wurden schon im Februar bestellt und warten auf Auslieferung. „Wir können eben nicht wie die Gastronomie unsere Ware kurzfristig ordern“, sagt Harald Wohlfahrt. Auch für die Oberammergauer Passionsspiele – wegen Corona um zwei Jahre verschoben –, liegt seit Jahresanfang palettenweise Ware auf Lager. „Das haben wir alles vorfinanziert“, so Wohlfahrt.

    Bei Käthe Wohlfahrt in Rothenburg ob der Tauber ist das ganze Jahr Weihnachten. Quelle: picture alliance / ZB
    Weihnachtsdorf

    Bei Käthe Wohlfahrt in Rothenburg ob der Tauber ist das ganze Jahr Weihnachten.

    (Foto: picture alliance / ZB)

    „Bislang war Käthe Wohlfahrt ein sehr gesundes Unternehmen mit einem gut funktionierenden Geschäftsmodell“, betont Wohlfahrt. Seine Eltern Käthe und Wilhelm waren aus dem Erzgebirge in den Westen geflohen. Sie merkten, dass US-Soldaten handgeschnitzte Weihnachtskunst liebten und boten diese seit 1964 ganzjährig auf Basaren an. 1977 eröffneten sie den Laden in Rothenburg.

    „Käthe Wohlfahrt ist mit Abstand der größte Einzelhändler in der Rothenburger Altstadt“, betont Oberbürgermeister Markus Naser. „Der Nimbus von Rothenburg als Weihnachtsstadt geht ganz maßgeblich auf die Firma Käthe Wohlfahrt zurück.“

    Normalerweise zählt der Ort um die 550.000 Übernachtungen bei gerade einmal 11.500 Einwohnern, in diesem Jahr sind es etwa 70 Prozent weniger. Hinzu kommen im Jahr üblicherweise 1,9 Millionen Tagesgäste, ermittelte die Beratung Dwif.

    Umsatzeinbruch von bis zu 80 Prozent

    Schon in der Libyenkrise 1986 und im ersten Golfkrieg blieben viele Besucher aus dem Ausland fern. Die Folgen der Pandemie sind für Familie Wohlfahrt noch viel schmerzhafter und dramatischer. „Unsere Lieferanten aus dem Erzgebirge triff das genauso hart.“ Zwei Pop-up-Läden in Köln und Hamburg konnten die Delle nicht ausbügeln.

    Der Onlineshop, der sonst fünf Prozent des Geschäfts einbringt, verkauft nun zwar doppelt so viel. Insgesamt aber ist der Umsatz um bis zu 80 Prozent weggebrochen. „Wir sind von Corona akut betroffen – genauso wie Gastronomie und Tourismus, werden aber nicht im selben Maße entschädigt“, ärgert sich Wohlfahrt. „Wir fühlen uns zunehmend von der Politik mit leeren Versprechungen alleingelassen.“

    Die Wohlfahrts haben die Überbrückungshilfe II beantragt. Hat der Antrag Erfolg, stehen ihnen höchstens 200.000 Euro zu. Von den Novemberhilfen kam ein Abschlag von 10.000 Euro. „Selbst wenn wir die maximale Förderhöhe von 800.000 Euro erhielten, wäre das nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Genauso wie die Höchstförderung der am Sonntag in Aussicht gestellten Überbrückungshilfe III von 500.000 Euro. Für einen KfW-Kredit gibt es noch keine Zusage.

    Eine Abschreibung von Saisonware, wie von der Politik versprochen, ist für Käthe Wohlfahrt nicht sinnvoll. „Wir haben hochwertige Ware, die man nicht einfach wegschmeißt. Wir sind gezwungen, diese zu lagern“, betont Wohlfahrt. Er hofft inständig, dass schnell Hilfen kommen. Sonst bekäme das Lied „Stille Nacht“ für das Familienunternehmen eine ganz andere Bedeutung.

    Mehr: Wie die neuen Hilfen für den Handel aussehen – und welche Bedingungen gelten.

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    1 Kommentar zu "Familienunternehmen: Für die Traditionsfirma Käthe Wohlfahrt fällt Weihnachten aus"

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    • ... nur 5% des Geschäftes aus Online-Handel ... und wenig Diversifizierung im Portfolio.
      Jetzt rächen sich die Fehler der Vergangenheit

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