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Familienunternehmen Haniel übernimmt Mehrheit an Matratzen-Start-up Emma

Der Familienkonzern aus Duisburg treibt den Umbau seines Portfolios voran. Haniel hat jetzt die Mehrheit an dem stark wachsenden Matratzen-Start-up-Emma erworben.
06.04.2020 Update: 06.04.2020 - 16:22 Uhr Kommentieren
Die Online-Plattform für Matratzen und Schlafsysteme bezeichnet sich selbst inzwischen als „Sleeptech-Anbieter“. Quelle: Emma
Emma-Matratze

Die Online-Plattform für Matratzen und Schlafsysteme bezeichnet sich selbst inzwischen als „Sleeptech-Anbieter“.

(Foto: Emma)

Düsseldorf Thomas Schmidt war schon seit sechs Wochen nicht am Franz-Haniel-Platz in Duisburg. Am Hauptsitz von Haniel sind derzeit kaum Mitarbeiter anzutreffen. Vielmehr wurde das firmeneigene Gästehaus als Behelfskrankenhaus bereitgestellt, bedürftige Kinder aus der Umgebung werden statt in der inzwischen geschlossenen Kantine nun direkt zu Hause mit Essen beliefert.

Dem im Juli vergangenen Jahres angetretenen Chef des 1756 gegründeten Familienunternehmens ist es wichtig zu zeigen, dass Haniel auch in der Coronakrise handlungsfähig ist. So gab der 48-Jährige am Montag bekannt, das der Konzern die Mehrheit am Matratzen-Start-up Emma übernimmt. 50,1 Prozent erwirbt Haniel, die beiden Gründer halten den Rest und bleiben an der Spitze.

Über den Kaufpreis für das 2013 von Manuel Müller und Dennis Schmoltzi gegründete Unternehmen wurde Stillschweigen vereinbart. Emma ist nach eigenen Angaben seit 2017 profitabel. 2019 setzte das Start-up, das in 21 Ländern aktiv ist, 150 Millionen Euro um. Das waren 80 Prozent mehr als im Vorjahr.

Vorbild für viele Matratzen-Start-ups, die unter Namen wie Eve, Bruno oder Muun auch in Deutschland gestartet sind, war das US-Unternehmen Casper. Nicht zuletzt dank Investoren wie Schauspieler Leonardo DiCaprio und Rapper 50 Cent hatte es einen regelrechten Hype im Markt ausgelöst. Doch mittlerweile ist Casper entzaubert, nach dem Börsengang im Februar ist die Aktie von 14 auf vier Dollar abgestürzt.

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    Emma dagegen wächst eher abseits des öffentlichen Hypes. Das Unternehmen setzt dabei nicht nur auf die gleichnamigen Matratzen. Anfang 2017 hat das Start-up die Traditionsmarke Dunlopillo aus der Insolvenz übernommen und beliefert damit den Fachhandel.

    Die beiden Emma-Gründer halten weiter knapp die Hälfte der Anteile. Quelle: Emma
    Dennis Schmoltzi (l.) und Manuel Müller

    Die beiden Emma-Gründer halten weiter knapp die Hälfte der Anteile.

    (Foto: Emma)

    Die wichtigsten Märkte für Emma sind Großbritannien, Frankreich und die Niederlande, erst dahinter folgt Deutschland. Hinzu kommt: Die Deutschen gaben im vergangenen Jahr 1,3 Milliarden Euro für Matratzen aus, das waren fünf Prozent weniger als noch im Jahr zuvor. Unter dem Umsatzrückgang litten aber in erster Linie die stationären Händler. Vom Trend zum Bestellen könnte Emma in der Coronakrise profitieren – und damit auch Haniel.

    Das Familienunternehmen mit knapp 700 Gesellschaftern setzte im vergangenen Jahr mit 4,5 Milliarden Euro drei Prozent weniger um und erwirtschaftete mit 255 Millionen Euro 13 Prozent weniger operativen Gewinn. Der Transformationsprozess ist in vollem Gange. Vor wenigen Tagen hatte Haniel bekanntgegeben, dass das Unternehmen 30 Millionen Euro in den auf Healthcare spezialisierten niederländischen Fonds Gilde investiert.

    Klar ist für Schmidt, dass die Coronakrise alle bestehenden Geschäftsbereiche ereilen wird. Während der Maschinenbauer Rovema eher ein gut gefülltes Auftragsbuch meldet und beim Hygiene-Spezialisten CWS einerseits die Nachfrage nach Hygiene steigt, andererseits aber viele Kundenfirmen die Berufsbekleidung oder andere Dienstleistungen deutlich weniger brauchen, geht die Nachfrage beim Büromaterialversender Takkt spürbar zurück.

    Schon vor einigen Wochen wurde in Branchenkreisen darüber spekuliert, dass der Edelstahl- und Schrotthändler ELG auf dem Prüfstand steht. Doch damit will sich Schmidt erst in der zweiten Jahreshälfte detailliert befassen.

    Während bei einigen der Portfolio-Unternehmen wie CWS und Bekaert Deslee bereits Kurzarbeit angemeldet ist, prüft die Holding diese Woche, ob Bereiche in die Kurzarbeit gehen. In dem Fall würde über einen freiwilligen Gehaltsverzicht von Vorstand und Führungskräften ein Härtefalltopf für besonders betroffene Mitarbeiter gebildet.

    KfW-Kredite braucht Schmidt dagegen nicht, auch nach dem Emma-Deal ist noch genug Geld da. Bei der Zahlenvorlage waren es 1,7 Milliarden Euro. Und Schmidt sieht in dieser Zeit durchaus, dass Haniel „Mittelständler in Not“ helfen könnte. Es ist also auch Kaufzeit für ein Beteiligungsunternehmen.

    Vorsichtigere Planung

    Schmidt rechnet damit, dass Umsatz und Ergebnis im laufenden Jahr stark zurückgehen, auch wenn zum Beispiel der Hygienespezialist CWS teilweise umgestellt hat und nun Schutzmasken produziert. „Ich glaube, dass der Shutdown für verschiedene Bevölkerungsgruppen sukzessive aufgehoben wird“, sagt der Manager.

    Persönlich rechnet er im dritten Quartal mit einer Erholung, im vierten Quartal mit 80 Prozent und im neuen Jahr mit 100 Prozent Normalität. Dennoch plant Haniel die kommenden drei Quartale vorsichtiger.

    Natürlich gehe es darum, die Krise „sauber“ zu managen, sagt er. Aber es ergebe keinen Sinn, strategische Ziele aufzugeben oder nicht zu verfolgen. „Ab und zu verlieben wir uns zu sehr ins Krisenmanagement, denn da ist es angenehm, keine langfristigen Entscheidungen treffen zu müssen“, hebt er an und sagt mit Nachdruck: „Aber das ist falsch. Haniel ist gut gerüstet und handlungsfähig.“

    Mehr: Haniel mit weniger Umsatz in 2019

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