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Familienunternehmen Im Oetker-Streit zeichnet sich ein Kompromiss ab

Offenbar wollen die jüngeren Geschwister die Nachfolge von August Oetker nicht blockieren. Der Generationswechsel könnte nun endlich gelingen.
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Im Familienstreit gibt es seit Jahren heftigen Streit um die Nachfolge. Quelle: dpa
Oetker-Gruppe

Im Familienstreit gibt es seit Jahren heftigen Streit um die Nachfolge.

(Foto: dpa)

HamburgBei einem der größten deutschen Familienunternehmen verdichten sich die Hinweise, dass eine Lösung für den Generationenwechsel gefunden werden könnte. Demnach könnten sich die Oetker-Halbgeschwister doch noch rechtzeitig auf einen Nachfolger für August Oetker als Chefaufseher ihrer Gruppe einigen. Neuer starker Mann könnte Rudolf Louis Schweizer werden, wie die „FAZ“ berichtet.

Sollte der Beirat Ende März tatsächlich den 51-jährigen Unternehmer wählen, bliebe die Machtbalance zwischen den Halbgeschwistern gewahrt, gleichzeitig wäre der Übergang zur nächsten Generation eingeleitet. Ob es tatsächlich dazu kommt, ist noch ungewiss.

August Oetker muss satzungsgemäß abtreten, weil er am 17. März die Altersgrenze von 75 Jahren erreicht. Schon länger beschäftigen die Familie einige Konflikte um die Unternehmensgruppe, zu der unter anderem der gleichnamige Lebensmittelhersteller, die Lampe-Bank und die Radeberger-Brauereigruppe gehören.

Zwei Lager haben sich gebildet: Auf der einen Seite stehen die drei jüngsten Geschwister aus der dritten, letzten Ehe von Rudolf-August. Sie konnten im Streit den Verkauf der Reederei Hamburg Süd an Maersk durchdrücken. Auf der anderen Seite stehen die fünf ältesten Kinder des verstorbenen Patriarchen Rudolf-August Oetker, die sich im Gegenzug bei der operativen Gruppen-Führung durchsetzten.

Sie durchkreuzten die lang gehegten Ambitionen des einstigen Stada-Aufsichtsratschefs Carl-Ferdinand Oetker, in die operative Gruppenleitung zu kommen: Stattdessen wird wir die Gruppe erstmals seit 2017 durch einen familienfremden Manager geführt, Albert Christmann.

Im Beirat wird jedoch voraussichtlich die Familie den Spitzenposten behalten: Wie die „FAZ“ am Wochenende berichtete, sei „nach aktuellem Stand“ geplant, dass Schweizer als Nachfolger für August Oetker im Beirat kandidiert. Seine Mutter ist Rosely Schweizer, die ältere Halbschwester von August Oetker und dessen Bruder Richard Oetker. Der Miterbe des Automobilunternehmens Schweizer Group Murrhardt aus Baden-Württemberg folgte seiner Mutter in den Beirat nach, die 2010 ausgeschieden war. 

Zwischenzeitlich sah es so aus, als würde sich der Beirat in der Nachfolgefrage blockieren. Die jüngeren Geschwister gehen nämlich vor dem Landgericht Bielefeld gegen eine Entscheidung des Beirats von Ende 2018 vor. Damals war Anna Maria Braun, die künftige Chefin des Medizintechnikunternehmens B.Braun, zum Nachfolger des aus dem Gremiums ausgeschiedenen Lufthansa-Chefs Carsten Spohr bestimmt worden.

Dabei kam es im Gremium offenbar zum Streit. August Oetker wertete angeblich Gegenstimmen der jüngeren Familienvertreter als Zustimmung. Nur so sei das notwendige Quorum für die Personalie erreicht worden, bemängelten die Jüngeren und schalteten erstmals ein ordentliches Gericht ein.

Inzwischen soll der Streit offenbar runtergekocht werden. Der Schritt vor das Gericht richte sich nicht gegen Braun persönlich, heißt es aus dem Umfeld der Oetker-Gesellschafter. Nach Informationen des Handelsblatt haben sich die jüngeren Geschwister offenbar damit abgefunden, dass erneut ein Vertreter der zahlenmäßig stärkeren Familienzweige den siebenköpfigen Beirat führen soll – und keiner der familienfremden Aufseher wie Kaffee-Erbe Andreas Jacobs oder Ex-Otto-Chef Otto Schrader.

Sitzungen könnten wieder entgleisen

Sie setzen wohl ihre Hoffnung darin, dass Schweizer der Enkelgeneration des verstorbenen Rudolf-August Oetker angehört und dessen jüngsten Söhnen Alfred (51) und Carl-Ferdinand Oetker (46) altersmäßig nähersteht. Die Hoffnung ist, dass der Unternehmer eine größere Distanz zu dem tiefsitzenden Geschwisterkonflikt hat, in den wohl auch die für die Kinder unvermeidlich belastenden Trennungen und Wiederhochzeiten von Rudolf-August Oetker hineinspielen. Offenbar wollen sich beide Seiten nach dem Ausscheiden von August Oetker wieder annähern.

Alfred Oetker behält in diesem Szenario seinen Posten als stellvertretender Beirats-Vorsitzender. In das Gremium nachrücken würde wohl August Oetkers Sohn Philip. Der Oxford-Absolvent ist Vertriebschef bei der gegen die Überzeugung seines Vaters verkauften Reederei Hamburg Süd,  bei der er seit 14 Jahren arbeitet. Philip Oetker gilt bereits seit längerem als Wunschnachfolger seines Vaters im Beirat.

Ob die Operation gelingt, ist jedoch noch ungewiss. Der offenbar im Verlauf der Sitzung eskalierte Streit um die Personalie Braun zeigt, dass die Sitzungen des Beirats der Familie durchaus entgleisen können. Ein Oetker-Sprecher sagte denn auch, es sei noch nicht über die Nachfolge entschieden. Das sei alleinige Aufgabe des Beirats, der anschließend die Öffentlichkeit informieren wolle.

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