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Familienunternehmen Schutzbrillen statt Champagner-Halter – der Kunststoffexperte Sauer stellt um

Die Firma Sauer fertigt normalerweise Kunststoffteile für Edelkarossen etwa von Rolls-Royce. Nun hat man in nur zwei Wochen eine Schutzbrille marktreif gemacht.
12.04.2020 - 12:51 Uhr Kommentieren
Martin Sauer (rechts) und Johann Georg von Hülsen haben die Fertigung beim Autozulieferer Sauer kurzfristig auf Schutzbrillen umgestellt. Quelle: Sauer Product GmbH
Geschäftsführung der Dieburger Firma Sauer

Martin Sauer (rechts) und Johann Georg von Hülsen haben die Fertigung beim Autozulieferer Sauer kurzfristig auf Schutzbrillen umgestellt.

(Foto: Sauer Product GmbH)

Frankfurt Normalerweise sind es Kunststoffteile in edlem Design, die Martin Sauer stolz präsentiert. Etwa der Champagner-Halter für einen Rolls-Royce. Der Unternehmer führt die Firma Sauer aus dem südhessischen Dieburg, die sein Urgroßvater einst gründete: einen Spezialisten für Kunststoff-Spritzguß. Mit 180 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von etwa 25 Millionen Euro arbeitet man vor allem für die Premiumhersteller in der Automobilindustrie. Daneben beliefert die Firma auch Medizintechnik- und Industrieunternehmen.

Doch in Zeiten von Corona und einer niederliegenden Autoproduktion ist Kreativität gefragt. Die haben Sauer und sein Team unter Beweis gestellt. In nur zwei Wochen haben sie mit der „Wesion 20“ eine Schutzbrille entwickelt und bis zur industriellen Fertigung gebracht. ,

Doch Sauer hatte dabei einen entscheidenden Vorteil. Die Firma ist auf Kleinserien spezialisiert. „Die kurzfristige Reaktion auf neue Kunden-Anforderungen ist für uns grundsätzlich nichts Neues“, erläutert der 36-jährige Unternehmenschef. Hinzu kommt: „Wir sind ein Hybridunternehmen, das von der Dienstleistung wie etwa der Erstellung von ersten Skizzen über die Entwicklung bis hin zur industriellen Fertigung alles anbietet.“ Man habe die Brille auch deshalb in nur wenigen Wochen zur industriellen Serienproduktion bringen können, weil man das gesamte Knowhow in der Firma habe – von der Idee bis hin zu den notwendigen Arbeits- und Betriebsmitteln.

Außerdem beschäftigt man sich in Dieburg schon seit geraumer Zeit mit der Frage, wie man noch unabhängiger von der Autobranche werden kann. „Wir hatten uns bereits in den vergangenen zwei Jahren mit der Frage auseinandergesetzt, welche Produkte für uns neben dem Thema Auto noch attraktiv sein könnten“, sagt Johann Georg von Hülsen (46), Mitgeschäftsführer bei Sauer Product und Partner der Unternehmensberatung Haselhorst Associates, die an der strategischen Ausrichtung der Firma mitgearbeitet hat. Dabei habe man auch passende Bauteile identifiziert, die man mit den technischen Möglichkeiten entwickeln und produzieren konnte. Das Thema Augenschutz habe dazugehört.

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    Lieferanten aus der Region

    Die Brille selbst ist eine sehr einfache. Sie besteht komplett aus Polycarbonat. „Wir brauchen also keine komplexe Zulieferkette“, erklärt Sauer. Und die wenigen Lieferanten, die man braucht, kommen aus der Region. Sauer habe in der Vergangenheit nicht so viel aus der Wertschöpfungskette ausgelagert.

    Zwar sind die Warenströme bei Sauer wie bei allen Autozulieferern zum Teil global. „Allerdings arbeiten wir auch sehr stark mit regionalen Zulieferern und Partnern zusammen“, so Sauer. Gerade bei solchen Projekten wie der Schutzbrille ermögliche das eine extreme Verkürzung der Prozesse.

    Sauer ist nicht der einzige Zulieferer, der seine Fertigung wegen der Coronakrise angepasst hat. Die auf Tuning spezialisierte Firma Zender in Osnabrück produziert seit kurzem medizinische Schutzmasken. Zettl aus Bayern, eigentlich ein Hersteller von Sitzbezügen für Fahrzeuge, ist ebenfalls auf Schutzmasken umgestiegen.

    Auch große Unternehmen wie BMW ergänzen ihre Fertigung gerade um Produkte wie Atem-Schutzmasken. Doch VDA-Präsidentin Hildegard Müller warnte kürzlich vor überzogenen Erwartungen. Solche Produkte müssten den Anforderungen und Prozessen der Medizintechnik entsprechen, das müsse genau geprüft werden.

    Sauer will jetzt erst einmal viele Tausend Brillen pro Tag bauen und liefern. Die Nachfrage sei groß, etwa von öffentlichen Trägern wie etwa Sozialdiensten oder auch Hilfsorganisationen. Übrigens: Auch beim Vertrieb des jüngsten Produktes hat sich Sauer auf die eigene Kompetenz verlassen. Man habe die Kontakte angesprochen und gefragt, wer so einen Schutz gebrauchen könnte. Der Rest ergab sich von alleine.

    Mehr: Wie lange stehen die Bänder still? Die Zulieferbranche kann sich keinen Fehlstart erlauben

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