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Familienunternehmen So baut Martin Nordin die deutsche Outdoor-Kette Globetrotter um

Der Eigentümer der Fenix-Gruppe stellt seine deutsche Sporthandelskette neu auf. Es ist nicht die einzige Marke seines Outdoor-Imperiums, die der Schwede verändern will.
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Vor vier Jahren hat der Skandinavier Globetrotter übernommen. Quelle: Christian Wittig
Martin Nordin

Vor vier Jahren hat der Skandinavier Globetrotter übernommen.

(Foto: Christian Wittig)

MünchenVier Ladenketten, drei Bekleidungsmarken, ein Schuhhersteller, ein Kompassproduzent und ein Anbieter von Campingkochern: Die Fenix-Outdoor-Gruppe sucht ihresgleichen in der Sportindustrie.

Alles unter einem Namen anzubieten hält Vorstandschef und Mehrheitseigentümer Martin Nordin, 56, jedoch für einen schweren Fehler: „Ich bin überzeugt, dass die Identität einer Marke verloren geht, wenn sie alle Arten von Produkten anbietet.“ Konkurrenten wie Jack Wolfskin sehen das völlig anders und konzentrieren sich auf ein einziges Label.

„Wir haben eben einen eigenen Weg gewählt“, sagt Nordin. Das gilt in jeder Hinsicht. Der bullige Mann stammt aus Schweden, wohnt in der Schweiz, dort ist auch das Hauptquartier seiner Firma, die allerdings an der Börse in Stockholm notiert ist. Dennoch genießt momentan Deutschland besondere Aufmerksamkeit, es ist der mit Abstand bedeutendste Markt für Nordins Konglomerat. Hier erwirtschaftet er mehr als 40 Prozent vom Umsatz.

Denn zu den zehn Firmen unter dem Dach von Fenix gehört Globetrotter, einer der bekanntesten und größten deutschen Sporthändler. Durch mehrere Tausend Quadratmeter große Outdoor-Kaufhäuser ist Globetrotter bekannt geworden. Die Paddel-Becken und Kältekammern in den riesigen Läden sind legendär.

Nordin steht mit Globetrotter aber unter Druck. Wie alle Händler so kämpft auch er in den riesigen Filialen damit, dass jedes Jahr weniger Kunden vorbeischauen. Die Mieten in den Innenstädten aber sind nach wie vor hoch. Gleichzeitig sei es im Onlinehandel in Deutschland schwierig, weil die Leute viel häufiger Ware zurückschicken würden als in anderen Ländern, klagt Nordin. Der Umsatz ist dem Geschäftsbericht zufolge vergangenes Jahr von 182,6 auf 174,1 Millionen Euro gefallen.

Filialen und Online verbinden

Daher steuert Nordin nun um und eröffnet auch kleinere Geschäfte. In Hamburg und Düsseldorf entstanden bereits zwei Shops mit nur rund 1000 Quadratmetern. „Wir probieren das jetzt aus und werden sehen, ob es funktioniert“, sagt Nordin. Fünf dieser Mini-Filialen sollen noch folgen dieses Jahr, in Hannover, Leipzig, Karlsruhe, Nürnberg und Regensburg.

Mit dem neuen Format will der Skandinavier stationären Handel und Internetgeschäft verbinden. Zu Hause bestellen und in der City abholen, so soll es künftig bei Globetrotter funktionieren. Zudem hofft Nordin, dass die Kette bekannter wird. Abseits der bisherigen zwölf Standorte sei der Name nicht sehr geläufig. Gleichzeitig wird ein neues Logistikzentrum in Mecklenburg-Vorpommern noch dieses Quartal komplett in Betrieb gehen, um im Onlinehandel angreifen zu können.

Vor vier Jahren hat Nordin Globetrotter übernommen. Die Hamburger waren damals in höchster Not. „Wenn wir das nicht gemacht hätten, gäbe es Globetrotter heute nicht mehr“, betont der Unternehmer. Und fügt fast trotzig hinzu: „Dieser Typ Handel muss unterstützt werden, Deutschland braucht einen solchen Spezialisten.“

Nordin ist ein Patriarch, einer, der auch einmal mit dem Kopf durch die Wand geht, wenn es sein muss. So berichten es zumindest Leute, die häufig mit ihm zu tun haben. Das scheint in der Familie zu liegen, denn auch Vater Åke war äußerst zielstrebig. Er hat das Unternehmen 1960 gegründet. Die Firma hieß damals Fjällräven.

Noch heute ist dies die bekannteste Marke der Gruppe. Åke bot erst Rucksäcke an, dann Schlafsäcke, Zelte und Regenjacken, heute kann sich ein Outdoor-Enthusiast von Kopf bis Fuß mit Fjällräven einkleiden.

Vom Anfang des neuen Jahrtausends an ging der Unternehmer auf Einkaufstour, mit Fenix Outdoor entstand eine Dachgesellschaft. Die hierzulande wichtigsten Akquisitionen: 2004 übernahm er den bayerischen Wanderschuh-Hersteller Hanwag. Unter der Führung von Sohn Martin kam 2015 Globetrotter dazu.

Zuvor musste sich Martin im Auftrag des Vaters bei Hanwag beweisen. Bis 2010 hat er den Schuhproduzenten selbst geführt. „Am Anfang waren wir eine kleine Nummer drei, am Ende eine große Nummer drei“, erzählt er mit einem breiten Grinsen. So hat er das Geschäft zwar ausgebaut, die Marktführer Meindl und Lowa konnte Nordin indes nicht überholen.

Wachstum versprochen

Trotzdem durfte der Vater zweier erwachsener Kinder schließlich den Konzern führen. Åke Nordin ist 2013 gestorben. Der Bergstiefel-Spezialist Hanwag aus Vierkirchen nördlich von München liege ihm bis heute ganz besonders am Herzen, sagt Martin. Der Geruch von Leder in der Produktion sei einzigartig. Kein Wunder, dass Nordin hervorragend Deutsch spricht, inzwischen freilich mit einem leichten schweizerischen Einschlag.

Auch Hanwag müsse sich weiterentwickeln, räumt er ein. Nur: In welche Richtung? Er sei sich noch nicht sicher, ob er die Produktpalette stärker auf Freizeitschuhe ausdehnen solle oder sich lieber weiterhin auf sportliche, alpine Modelle konzentrieren werde.

Klar ist nur: Nordin hat den Investoren Wachstum versprochen. Der Umsatz soll jedes Jahr um mindestens zehn Prozent steigen und die operative Marge nicht unter zehn Prozent rutschen. Vergangenes Jahr sind die Erlöse der Gruppe um lediglich knapp sechs Prozent auf 582 Millionen Euro geklettert, dieses selbst gesetzte Ziel hat Nordin also verfehlt. Die operative Marge dagegen lag mit 15,4 Prozent deutlich über seinen eigenen Vorgaben.

Seine Handelssparte, zu der Globetrotter gehört, ist 2018 nur um ein Prozent auf 273 Millionen Euro gewachsen. Mit einem Betriebsgewinn von knapp zehn Millionen Euro ist die Division auch wenig profitabel. Viel mehr Freude machen Nordin seine Outdoor-Marken.

Deren Umsatz kletterte vergangenes Jahr um mehr als ein Viertel. Fjällräven und Hanwag gehören zu den erfolgreichsten Anbietern bei Intersport, Deutschlands bekanntester Sporthandelskette.

Vergangenes Jahr sind die beiden Labels von Platz 16 auf Rang 13 unter den größten Lieferanten des Händlerverbunds vorgestoßen und haben damit den Konkurrenten Salewa überholt.

Ein umtriebiger Unternehmer wie Nordin wird in der Branche nicht nur positiv gesehen. Einige Wegbegleiter beschreiben ihn als launisch und impulsiv, im direkten Aufeinandertreffen könne er durchaus auch sehr ungemütlich werden, heißt es.

Unbestritten ist, dass er seine Prinzipien hat. Dazu gehört, seine Marken nicht an Sportdiscounter wie Decathlon zu liefern oder die skandinavische Kette XXL. Banken sieht er kritisch, Schulden sind ihm ein Graus, und er nimmt nur einen Kredit auf, wenn es gar nicht anders geht.

Nordin kann sich seine Eigenheiten leisten. Ihn kann niemand vor die Tür setzen, selbst wenn er die selbst gesetzten Ziele nicht erfüllt. Nordins Familie gehört die Mehrheit der Aktien, er selbst hat das letzte Wort, weil er sich 53 Prozent der Stimmrechte gesichert hat.

Neben seinem Posten als CEO ist er auch Chef des Verwaltungsrats. Dadurch könnten ziemlich schnell Entscheidungen getroffen werden, sagt Nordin. Er muss es nur mit sich selbst ausmachen.

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