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Familienunternehmen Stephan Gemkow hat seine Mission bei Haniel erfüllt

Der frühere Lufthansa-Manager führte das Familienunternehmen aus der schwersten Krise. Den Kulturwandel und die Vorwärtsstrategie verfolgt nun sein Nachfolger.
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Der 58-Jährige ist auf Abschiedstour als Vorstandschef im Haniel-Reich. Quelle: dpa
Stephan Gemkow

Der 58-Jährige ist auf Abschiedstour als Vorstandschef im Haniel-Reich.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Seine letzten Arbeitstage im Amt als Vorstandschef eines der größten Familienunternehmen des Landes, der Franz Haniel & Cie. in Duisburg-Ruhrort, begannen mit einer guten Nachricht für Stephan Gemkow. Der tschechische Unternehmer Daniel Kretinsky machte wie erwartet ein Übernahmeangebot für den Handelskonzern Metro, an dem Haniel einst mehr als 34 Prozent hielt.

An dieser Beteiligung hat sich Gemkow stets gerieben, auch mit Metro-Chef Olaf Koch verband ihn keine große Freundschaft. Nun erlebt Gemkow zum Abschluss seiner Zeit bei Haniel noch einen wichtigen Teil des von ihm betriebenen Umbaus. Mit dem Verkauf endet für die weit verzweigte Haniel-Familie nicht nur die Ära Gemkow nach mehr als sieben Jahren, sondern auch die Ära Metro – nach 53 Jahren.

Für Gemkow war die Metro immer ein Stiefkind im Portfolio. Stück für Stück verringerte er den Anteil, reduzierte so das Klumpenrisiko. Er sprach von der Metro stets nur als Finanzbeteiligung. Gemkow selbst saß auch nie im Aufsichtsrat des Handelsriesen, den Platz belegte sein Vorstandskollege Florian Funck, zuständig für Finanzen. Zuletzt verhagelten Abschreibungen auf das Metro-Engagement die Bilanz von Haniel.

Lufthansa-Vergangenheit

Mit diesen Sorgen muss sich Gemkow ab kommender Woche nicht mehr belasten, am 1. Juli übernimmt sein Nachfolger. Doch die vergangenen Wochen, sie waren noch voller Termine für den gebürtigen Lübecker. Der 58-Jährige ist auf Abschiedstour im Haniel-Reich, und er genießt diese Rolle. Er hat seine Mission erfüllt.

Die Familie, allen voran Aufsichtsratschef Franz-Markus Haniel, holte Gemkow einst von der Lufthansa, wo dieser 22 Jahre gearbeitet hat, nach einem BWL-Studium in Paderborn und einer Ausbildung bei der Prüfungsgesellschaft BDO. Bei der Lufthansa war er zuletzt Finanzvorstand und hatte schon einige Krisen bewältig.

Gemkow übernahm bei Haniel damals eine sehr schwierige Aufgabe. Das 1756 gegründete Familienunternehmen stand schlecht da, manche sprechen davon, dass er das Unternehmen rettete. „Es hätte nicht mehr viel passieren dürfen, damals in dieser Situation“, sagt einer aus dem Kreis des Unternehmens.

Die Familie drückt es etwas vornehmer aus: „Es war nicht existenzgefährdend damals“, fügt aber hinzu: „Die Familie ist ihm zu großem Dank verpflichtet.“ Es ist ein Satz, der immer wieder fällt – im Unternehmen, in der Familie. Dabei hatte sich Gemkow bei der Familie erst einmal unbeliebt gemacht. Er strich den inzwischen 690 Gesellschaftern die Dividende, die zuvor zwischen 50 und 70 Millionen Euro gelegen hatte.

Das kam nicht überall gut an. Aber es war notwendig. Die Verschuldung im Unternehmen war damals zu hoch. Gemkow verkaufte den Pharmahändler Celesio, er verringerte gemeinsam mit Funck über die Jahre stetig die Verschuldung und stellte das Portfolio breiter auf. „Das hat er brillant gemacht“, sagt ein Weggefährte. Doch was ihm nicht gelang, war der große Wurf, die Zukunftsvision.

Der richtige Zeitpunkt

Manchen ging es nicht schnell genug. Stephan Gemkow ist ein „prinzipienfester, eher risikozurückhaltender, werteorientierter Manager“, charakterisiert ihn ein Familienmitglied. Und daher sei es für ihn „nach der Konsolidierung und Schaffung einer soliden Basis ein sehr guter Zeitpunkt zu gehen“.

Auch Gemkow selbst sieht es offenbar so, wenn er auf seinen Nachfolger Thomas Schmidt schaut. „Er hat etwas, was ich nicht in meinem Instrumentenkasten habe: eine stark operative Denkweise“, sagt er selbstkritisch. Gemkow war schon nahbarer als seine Vorgänger, doch nun soll ein Kulturwandel folgen. „Thomas Schmidt ist unternehmerisch und performance-orientiert.“

Das heiße nicht, dass Schmidt mehr in die Portfolio-Unternehmen reinregiere, es ändere sich die Art des Zugriffs, mehr direkt, heißt es in Unternehmenskreisen. Schmidt hat einen anderen Führungsstil. Er schaut klar auf die Zahlen, hat aber auch einen Draht zu Menschen. Er will sie begeistern, fördert gemischte Teams.

Tatsächlich gab es bei Haniel jahrelang mehr eine Verwaltungskultur – auch zu Zeiten von Gemkow. Es gab klare Hierarchien, die Krawatte, die er seit seinem Abitur in seinem Berufsleben immer trug, legte er nur selten ab. Schmidt soll weniger hierarchisch und mehr teamorientiert führen, Frauen bekommen mehr Chancen. Sein Gesellenstück waren die Neuaufstellung der Haniel-Tochter CWS und die Integration des Zukaufs Initial.

Der Nachfolger soll Talente anziehen

Auch wenn es manchmal anders dargestellt wird – Gemkow habe niemanden zu eng an die Leine genommen, heißt es aus Kreisen der Aufsichtsgremien. Aber man habe keine Talente angezogen in dieser Konsolidierungszeit. Gemkows Nachfolger soll nun stärker herausarbeiten, worin der Wert des Unternehmens liegt, nämlich Beteiligungen aktiv zu managen.

Das Portfolio soll sich verbreitern und wachsen, zehn Firmen sind das Ziel. Bislang sind es der Hygiene- und Arbeitsbekleidungsspezialist CWS, der Schrotthändler und Recyclingspezialist ELG, der Matratzenbezughersteller Bekaert Deslee, der Büromaterialversender Takkt, der Maschinenbauer Rovema und der Fischverarbeitungsspezialist Optimar.

Unter Schmidt soll das Unternehmen dividendenfähig sein und an Wachstumstempo zulegen. Ein Gremiumsmitglied stellt die Frage: „Ist die Steuerung der Geschäftseinheiten ,state of the art‘?“ Schmidt soll da den Turbo einsetzen. Talente anziehen, die die Zukunft gestalten.

Haniel vergleicht sich mit Henkel und Werhahn, aber auch mit Freudenberg und Heraeus. Nach Ansicht des Kleinen Kreises, einer kleinen Gruppe von Familienmitgliedern, die die Geschäftspolitik mitbestimmen, hat Haniel immer Geschäftsbereiche gesteuert, darin liege die Stärke des Unternehmens, das seit Beginn des 20. Jahrhunderts familienfremd geführt wird.

Kein Vorbild dagegen ist Tengelmann, wo Haniel-Aufsichtsratschef Franz-Markus Haniel auch im Kontrollgremium sitzt. Der neue Tengelmann-Chef Christian Haub schrumpft die Holding im nahen Mülheim auf ein Minimum. So etwas sei bei Haniel nicht geplant, man will die richtigen Kompetenzen dort, sagt ein Vertrauter des Unternehmens. Und er hofft, dass Gemkows Nachfolger Thomas Schmidt diese um sich schart.

Mehr: Seit seinem Amtsantritt im Haniel-Reich hat Thomas Schmidt CWS Boco komplett neu aufgestellt. Nun wird er den Vorstandsvorsitz bei Haniel übernehmen.

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