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Familienunternehmen Swarovski baut 600 Arbeitsplätze ab – besonders hart trifft es den Stammsitz

Der 125 Jahre alte Kristallkonzern aus Österreich muss wegen Umsatzeinbrüchen weltweit 600 Arbeitsplätze streichen und die Kurzarbeit verlängern.
23.06.2020 - 18:29 Uhr Kommentieren
Der Swarovski-Chef bekommt wegen des massiven Stellenabbaus viel Kritik vonseiten der Tiroler Gewerkschaft PRO-GE. Quelle: Getty Images
Robert Buchbauer

Der Swarovski-Chef bekommt wegen des massiven Stellenabbaus viel Kritik vonseiten der Tiroler Gewerkschaft PRO-GE.

(Foto: Getty Images)

Wien Für den österreichischen Kristallkonzern Swarovski war die Wiedereröffnung der Kristallwelten am Tiroler Stammsitz in Wattens Mitte Juni ein wichtiges Symbol. Das vom Wiener Künstler André Heller bereits 1995 designte Gelände mit Kunstmuseum, Park und Fabrikverkauf war über viele Jahre ein Besuchermagnet für Touristen aus aller Welt. Vor allem deutsche Touristen kamen in Scharen. Damit ist es auch nach der Öffnung der Grenzen durch Österreich erst einmal vorbei.

Die weltweite Pandemie trifft das 125 Jahre alte Familienunternehmens ins Herz. Swarovski kündigt nun an, weltweit 600 Arbeitsplätze in Vertrieb und Marketing abzubauen. Den traditionsreichen Stammsitz in Wattens bei Innsbruck trifft es mit einem Drittel der abgebauten Jobs besonders hart.

„Mit einem weiteren Stellenabbau ist zu rechnen“, sagte eine Konzernsprecherin. „Wir befinden uns in einer großen Reorganisation.“ Die Umbauarbeiten im Familienunternehmen sollen bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Die Kurzarbeit wird aufgrund der Nachfrageschwäche bis Ende September verlängert.

Der Stellenabbau stößt auf scharfe Kritik der Arbeitnehmer. „Es ist für uns moralisch und sozialpolitisch absolut nicht nachvollziehbar, dass auf der einen Seite Kurzarbeitsgelder bezogen und auf der anderen Seite Stellen abgebaut werden“, sagte Robert Koschin, Geschäftsführer der Gewerkschaft PRO-GE Tirol.

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    Entscheidung kommt zur Unzeit

    Die Swarovski-Gruppe ist mit über 6000 Mitarbeitern einer der größten privaten Arbeitgeber in Tirol und beschäftigt weltweit knapp 30.000 Menschen, davon allein 26.000 im Kristall-Geschäft. Insgesamt gibt es 3000 Läden, davon sind die Hälfte im Besitz des Familienunternehmens.

    Die Entscheidung von CEO Robert Buchbauer kommt nicht nur für die Beschäftigen, sondern auch für das österreichische Bundesland zu einer Unzeit. Denn Tirol steckt seit Beginn der Coronakrise und dem noch unaufgeklärten Skandal um den Skiort Ischgl in einer schweren Krise.

    Im vergangenen Jahr erzielte Swarovski noch einen Umsatz im Kristallgeschäft von 2,7 Milliarden Euro. Zum Gewinn macht das Tiroler Unternehmen traditionell keine Angaben. Swarovski befindet sich seit fünf Generationen im Familienbesitz. Der Konzern gehört rund 80 Familienmitgliedern. Darunter ist auch Fiona Pacifico Griffini-Grasser, die Ehefrau des früheren österreichischen Finanzministers Karl-Heinz Grasser, die beide in Kitzbühel leben.

    Größter Eigentümer ist der heute 76-jährige Gernot Langes-Swarovski und seine Familie, die rund 20 Prozent der Anteile besitzen. Er war 35 Jahre lang geschäftsführender Gesellschafter und lebt als Pensionär in Wattens.

    Luxusbranche leidet unter Stopp des internationalen Reiseverkehrs

    Die schweren Probleme des Luxusgüterherstellers kommen nicht unerwartet. Die gesamte Luxusbranche befindet sich seit März in Europa in einer schweren Krise. Der Stopp des internationalen Reiseverkehrs trifft Hersteller wie Swarovski sehr. Denn in Asien und Nordamerika ist der Kristallschmuck aus den Tiroler Alpen besonders begehrt.

    Wie das Unternehmen mitteilt, habe es in den ersten sechs Monaten „massive Absatzrückgänge“ gegeben, insbesondere in Asien und den USA. Swarovski belegte laut der Wirtschaftsprüfergesellschaft Deloitte im internationalen Ranking der umsatzstärksten Luxusgüterunternehmen den 24. Platz. Die ersten drei Plätze belegen der französische Konzern LVMH (Louis Vuitton, Dior, Fendi, Bulgari), der US-Kosmetikkonzern Estée Lauder sowie der Schweizer Uhrenhersteller Richemont (Cartier, Montblanc, Chloe).

    Die schwerste Krise seit Jahrzehnten wird für den österreichischen Kristallkonzern tiefgreifende Veränderungen mit sich bringen. „Diese Transformation ist für den erfolgreichen Weiterbestand von Swarovski essenziell“, sagte der 53-jährige Vorstandschef Buchbauer. Es ist geplant, das Geschäftsmodell fundamental zu ändern und die Organisation in allen Bereich zu verschlanken.

    Swarovski profitierte vom Hitler-Regime

    „In einem ersten Schritt werden die bisher auf verschiedene Geschäftsbereiche verteilten Marketing- und Vertriebsaktivitäten zusammengeführt und verschlankt“, kündigte das Familienunternehmen an. Schon Ende März zog sich Markus Langes-Swarovski nach 18 Jahren aus der operativen Geschäftsführung zurück. Er wollte sich auf seine Position als Aufsichtsratschef konzentrieren. Der 1974 geborene Unternehmer ist der Urenkel des Firmengründers Daniel Swarovski und Sohn des langjährigen Konzernchefs Gernot Langes-Swarovski.

    Nach dem Anschluss Österreichs profitierte das Unternehmen mit Rüstungsaufträgen für Ferngläser und optische Gläser und durch den Einsatz von Zwangsarbeitern vom Hitler-Regime. Die Familie bekannte sich sehr früh zum Nationalsozialismus.

    Swarovski stellt heute nicht nur Kristallschmuck, sondern weiterhin Ferngläser und Zielfernrohre sowie Beobachtungsfernrohre her. Zur Unternehmensgruppe gehört auch der Schleifmittelhersteller Tyrolit. Das Kristallgeschäft macht vier Fünftel der Erlöse der gesamten Unternehmensgruppe aus.

    Mehr: Lange ist der Umsatz mit Luxuswaren gestiegen – nun droht der Einbruch. Die Hersteller müssen vor allem auf die wieder auflebende Kauflaune der Chinesen hoffen.

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