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Familienunternehmen Thomas Schmidt wird neuer Haniel-Chef

Überraschend verkündet Haniel, dass Vorstandschef Stephan Gemkow das Unternehmen vorzeitig verlässt. Vorstandskollege Thomas Schmidt übernimmt.
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Seit Januar 2017 gehört er zum Haniel-Vorstand. Quelle: Haniel
Thomas Schmidt

Seit Januar 2017 gehört er zum Haniel-Vorstand.

(Foto: Haniel)

DüsseldorfZurückhaltung gehört zum Geschäft, wenn man einem traditionsreichen Familienunternehmen wie Haniel dienen darf. Daran hat sich der langjährige Vorstandschef Stephan Gemkow auch immer gehalten. Doch die Nachricht, dass der 58-Jährige drei Jahre vor Auslaufen seines Vertrags Haniel verlässt, bietet doch viel Raum für Spekulationen.

Auch wenn Gemkow erst Ende Juni 2019 die Führung an seinen Nachfolger Thomas Schmidt abgeben wird und alles nach einem geordneten Übergang aussehen soll. Ganz offenbar sind aber auch die Mitarbeiter einigermaßen überrascht, wie zu hören ist. In der Mitteilung ist von freundschaftlichem Einvernehmen die Rede.

„Familie und Unternehmen sind Stephan Gemkow zu größtem Dank verpflichtet“, lässt sich Franz Markus Haniel, Vorsitzender des Aufsichtsrats, zitieren. Und dann folgt eine Eloge auf den Vorstandschef Gemkow, der tatsächlich vieles bewegt hat, manches auch, was die mehr als 680 Gesellschafter möglicherweise weniger goutierten. So strich er ihnen bald nach seinen Eintritt 2012 bei Haniel die Dividende.

Doch er stellte auch mit dem Verkauf des Pharmagroßhändlers Celesio das Unternehmen wieder auf eine „solide finanzielle Basis“, wie Franz Markus Haniel betont. Das Bedauern zeigt sich in jeder Zeile. Er habe die strategischen Weichenstellungen für eine erfolgreiche Zukunft vorgenommen.

„Damit und mit seiner von Verantwortungsbewusstsein, Geradlinigkeit und Offenheit geprägten Ethik hat er sich schnell das Vertrauen der Gesellschafter, Führungskräfte und Belegschaft erworben.“ Tatsächlich gibt es weder im Kreis der Gesellschafter noch der Mitarbeiter jemanden, der etwas anderes hätte verlauten lassen.

Bei der Metro hingegen machte Gemkow nie einen Hehl daraus, dass er das Engagement gern beenden wollte, und auch über Metro-Chef Olaf Koch sprach Gemkow stets eine Spur kühler als über andere. Zunächst stufte er die Metro als reine Finanzbeteiligung ein und dann, Ende August, verkündete er den geplanten Verkauf der Anteile an den tschechischen Unternehmer Daniel Kretinsky.

Es war ein Höhepunkt seiner Zeit bei Haniel, einer Zeit, in der er viel bewegt hat: größere Verkäufe und einen großen und mehrere kleinere Zukäufe. Und vielleicht auch deshalb beschloss er, sich wieder mehr seiner Familie zu widmen, wie es aus seinem Umfeld heißt. Allein es bleibt ein ungeklärter Rest, warum dies so plötzlich sein muss. Mit Thomas Schmidt stellt Haniel klar die Weichen für einen Generationswechsel.

Schmidt ist gerade einmal 47, zurzeit bekleidet er in einer Doppelfunktion den Vorstandsposten bei Haniel und den Vorsitz der Geschäftsführung des größten Assets von Haniel, des Waschraum- und Hygienespezialisten CWS Boco. Ganz offenbar hat auch Schmidt die Gesellschafter überzeugt mit seiner klaren, unprätentiösen Art, Dinge gründlich zu analysieren und schnell zu entscheiden.

Auch Franz Markus Haniel bescheinigt ihm „analytisches Geschick und hohe Entscheidungsgeschwindigkeit“. Und die wird Haniel brauchen, wenn das 1756 gegründete Unternehmen auch in Zukunft eine stetig steigende Zahl von Gesellschaftern zufriedenstellen soll.

Schmidt ist erst zwei Jahre im Vorstand

„Wir sind überzeugt, dass er für die Weiterentwicklung der Unternehmensholding Franz Haniel & Cie. und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmensbeteiligungen wertvolle Impulse setzen würde“, heißt es von Haniel.
Das Wörtchen „würde“ ist nur eine Floskel. Der Aufsichtsrat hat offenbar noch nicht getagt, wie sich der Mitteilung entnehmen lässt.

Ein weiteres Indiz dafür, dass die Verkündung von Gemkows vorzeitigem Weggang doch nicht von ganz so langer Hand geplant gewesen sein muss. Gemkow selbst will sich nicht äußern, aber sein Amt noch ein halbes Jahr voll erfüllen. Bald wird er den Gesellschaftern den Weihnachtsbrief schicken. Darin wird auch stehen, wie viel Dividende er für das kommende Jahr vorschlagen wird. Ein letztes Mal wird er diesen Brief unterschreiben.

Sein designierter Nachfolger Schmidt ist seit noch nicht einmal zwei Jahren in der Haniel-Vorstandsriege. Sein Kollege für Finanzen, Florian Funck, bleibt ihm als ruhender Pol erhalten. Schmidts Karriere beginnt mit dem Abbruch der Schule, da ist er 16 Jahre alt und will in die Praxis. Mitten im Schuljahr bewirbt sich der gebürtige Oberfranke bei Playmobil.

„Ich habe mir eine Zielstrebigkeit angewöhnen müssen, die mir sehr nützlich ist“, sagt Schmidt heute. Er wird damals bester Auszubildender seit Jahren, verkürzt die Lehre um ein Jahr und darf dann gut acht Monate nach Malta. Dort lernt er nicht nur Englisch, in ihm wird auch immer deutlicher der Karrierewille geweckt. Doch ohne Fachabitur wäre seine Karriere schnell beendet gewesen. Nun geht alles ganz schnell.

An der FH Würzburg Schweinfurt studiert er Kunststofftechnik, sucht sich bewusst einen Praktikumsplatz im Ausland, kommt so auf General Electric (GE) und bleibt dort mehr als zehn Jahre. Die GE-Kultur habe ihn sehr beeindruckt, sagt der schlanke Manager. Es galten dort die Prinzipien, dass man früh Verantwortung hatte und Führung gefördert wurde.

Er wechselt dann zum Elektrokonzern TE. Im Ausland leben, vorwiegend Englisch sprechen war für ihn mittlerweile selbstverständlich. 2016 dann wollte er sich erneut weiterentwickeln. Playmobil war bislang das einzige Familienunternehmen in seiner Karriere. Über Haniel musste sich Schmidt einlesen. Es reizte ihn, auf Augenhöhe mit Gesellschaftern zu sprechen. Inzwischen ist er auch in Aufsichtsratskreisen gut angekommen.

Sie sehen seine „unternehmerischen Impulse“, obwohl seine Karriere bislang konzerngeprägt sei. Bei den Schifffahrtsgesprächen im September kurz nach der verkündeten Verkaufsabsicht der Metro-Anteile sprach Gemkow über CWS Boco als „größtes Asset im Haniel-Portfolio“. Er meinte wohl dessen Chef Thomas Schmidt gleich mit.

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