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Familienunternehmen Tönnies-Erbe will den Fleischkonzern verkaufen lassen

Robert und Clemens Tönnies streiten wieder um die Zukunft des Unternehmens. Der Neffe fordert, dass ein Verkaufsprozess für den Großschlachter eingeleitet wird.
30.07.2019 - 17:28 Uhr Kommentieren
Tönnies-Erbe will den Fleischkonzern zerschlagen lassen Quelle: dpa
Maximilian, Clemens und Robert Tönnies (von links)

Trotz der vor zwei Jahren getroffenen Einigung zwischen Clemens und seinem Neffen Robert gibt es erneut Streit.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Es ist kein schönes Geschäft, das die Schlachter verrichten. Knapp 21 Millionen Schweine wurden bei Deutschlands größtem Schlachtunternehmen Tönnies in Rheda-Wiedenbrück im vorigen Jahr zerlegt.

Und nun das: Robert Tönnies, 41, klagt vor einem Schiedsgericht gegen seinen Onkel Clemens und dessen Sohn Max. Der Streitwert beläuft sich auf 600 Millionen Euro. Es geht dem Sohn des Firmengründers Bernd Tönnies darum, festzustellen, dass das Verhältnis zu seinem Onkel Clemens, dem gemeinsam mit seinem Sohn Max ebenfalls 50 Prozent an dem Unternehmen gehören, zerrüttet sei.

Das hätte weitreichende Folgen: Denn diese Zerrüttung löse einen Mechanismus aus, der einen geregelten und offenen Verkaufsprozess in Gang setzen solle.

„Bei der Einigung haben wir für den Fall, dass es zwischen meinem Onkel und mir nicht funktioniert, einen Mechanismus der Trennung vereinbart. Von dieser Vertragsklausel möchte mein Onkel nun nichts mehr wissen“, lässt sich Robert Tönnies zitieren. Er sei der Meinung, man dürfe zerstrittene Familienunternehmen nicht „im Streit“ lassen.

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    Nach Einschätzung von Michael Breyer, Spezialist der auf Familienunternehmen spezialisierten Kanzlei Hennerkes, Kirchdörfer & Lorz ist eine solche Klausel, die besagt, dass im Streitfalle das Unternehmen in einem öffentlichen Bieterprozess verkauft werden solle, bei Familienunternehmen „unüblich“.

    Vielmehr stünden solche Exit-Klauseln eher in Verträgen über Joint Ventures oder solchen zwischen Start-ups und Wagniskapitalgebern, urteilt der Experte. „Allerdings könnte das im Einzelfall schon möglich sein, vor allem dann, wenn es einen konkreten Anlass für eine solche Klausel gibt“, sagt Breyer, der in den Fall nicht involviert ist.

    Robert führt in seinem Statement weiter aus, dass beide Seiten im Zuge der Einigungsverhandlungen auf einen solchen Trennungsmechanismus „großen Wert gelegt“ hätten. „Genauso wie mein Onkel bin ich natürlich daran interessiert, das Unternehmen nach meinen Vorstellungen zu gestalten. Ob ich zum Zuge komme, soll durch den Trennungsmechanismus in fairer Art und Weise ermittelt werden.“

    Clemens Tönnies sieht das anders: „Wie auch immer mein Neffe agiert und was er über Jahre hinweg schon im Sinn gehabt hat: Mein Sohn Maximilian und ich werden das Unternehmen nicht verkaufen“, teilte er schriftlich mit. „Wir sind hervorragend aufgestellt und sehr erfolgreich. Das ist so und das bleibt so.“

    Der Streit hat Tradition

    Klar ist, dass offenbar auch nach der zunächst erzielten grundsätzlichen Einigung des wohl heftigsten Streits in einem deutschen Familienunternehmen im April 2017 immer wieder auch Meinungsverschiedenheiten zwischen Neffen und Onkel aufgetaucht sind. In der Klage, die dem Handelsblatt vorliegt, werden verschiedene Streitfälle der vergangenen zwei Jahre beleuchtet.

    Darin geht es um angeblich fehlende Auszahlungen an Robert Tönnies, unter anderem für seinen erkrankten Bruder. Weitere Streitpunkte seien die Beschäftigung von Werkverträglern und die Umsetzung der Unternehmensgrundsätze zu einer nachhaltigeren Unternehmensführung.

    Jahrelang hatten sich Robert und Clemens Tönnies in vielen verschiedenen Verfahren gestritten. Ausgangspunkt der Auseinandersetzungen war, dass Robert Tönnies seinem Onkel vor mehreren Jahren zehn Prozent der Firmenanteile geschenkt hatte. Damals sollte das die Aufbauleistung von Clemens Tönnies würdigen, der die Gruppe mit seinem verstorbenen Bruder zu einem Milliarden-Konzern gemacht hat.

    Später warf Robert Tönnies seinem Onkel vor, hinter seinem Rücken private Beteiligungen eingegangen zu sein. Zudem habe der Onkel die jugendliche Unerfahrenheit des Erbens ausgenutzt, um Unterschriften unter weitreichende Befugnisse zu bekommen. Robert Tönnies hatte daher die die Schenkung zurückgefordert.

    Die Situation schien verfahren. Umso überraschter war die Öffentlichkeit, als im Frühjahr vor zwei Jahren beide Parteien eine außergerichtliche Einigung verkündeten.

    In der vergangenen Woche, kurz vor der aktuellen Klage, hatte Robert Tönnies bereits eine einstweilige Verfügung wieder zurück gezogen. Dabei ging es um den Kauf der deutschen Fabriken des Wurstherstellers Zimbo.

    Laut Einigungsvereinbarung von 2017 müsse der siebenköpfige Beirat, der mit Joachim Festge als Vorsitzendem und zwei weiteren neutralen Mitgliedern besetzt ist und in dem jeweils die Gesellschafter mit zwei Mitgliedern vertreten sind, bei Pattsituationen entscheiden. Jede Investition, die höher als zehn Millionen Euro ist, muss er absegnen.

    Beim Kauf der Wurstfabriken seien die paritätisch besetzte Holding-Geschäftsführung und der Beirat der Meinung gewesen, dass das nicht zustimmungspflichtig ist. Robert Tönnies sei anderer Meinung gewesen, berichtet eine Clemens Tönnies nahe stehende Person.

    Der von Robert Tönnies selbst in die Geschäftsführung entsandte Andreas Ruff wurde von Robert Tönnies inzwischen abberufen. Ruff habe sich nicht ausreichend um die Nachhaltigkeit im Unternehmen bemüht, heißt es aus dem Umfeld von Robert Tönnies. Kreise um Clemens lassen verlauten, dass Ruff das Vertrauen des Unternehmers und des Beirats genieße.

    Nun wird der Beirat am kommenden Donnerstag erneut tagen, und auf Roberts Wunsch hin, über den Kauf befinden. Er ist allerdings bereits kartellrechtlich genehmigt.

    Mehr: Clemens Tönnies entwickelt Mastställe, die Felder weniger belasten sollen. Tönnies will beweisen, dass klassische Massentierhaltung kein Irrweg ist.

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