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Familienunternehmen Wo Ostdeutschland wieder Erfolgsgeschichten hervorbringt

Eine Studie zeigt: Familienunternehmen haben entscheidend zur Reindustrialisierung der neuen Bundesländer beigetragen. Sie sind Motor für Wachstum und Beschäftigung.
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Heute hat der Ort mit mehr als 2000 oft hochspezialisierten Beschäftigten wieder seinen Platz in der Produktion von Luxusuhren inne. Quelle: dpa
Uhrenmacher Lange & Söhne in Glashütte

Heute hat der Ort mit mehr als 2000 oft hochspezialisierten Beschäftigten wieder seinen Platz in der Produktion von Luxusuhren inne.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Was wäre, wenn Teekanne ostdeutsch wäre? Oder die Weltmarke Odol, die heute zum Glaxo-Smithkline-Konzern gehört? Wenn die Zentrale des Haarpflegeherstellers Wella mit seinen Tausenden Beschäftigten nicht in Darmstadt, sondern in Sachsen ansässig wäre? Tatsächlich haben diese Marken ihren Ursprung in den östlichen Bundesländern.

Doch die Eigner wanderten nach dem Zweiten Weltkrieg ab – und der Westen beansprucht die ökonomischen Erfolgsgeschichten ganz selbstverständlich für sich. So dominiert fast drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall in Deutschland noch immer das Bild vom wirtschaftlich rückständigen Osten, mit wenigen Vorzeigekonzernen und hoher Arbeitslosigkeit. Nun aber zeigt eine Studie der Stiftung Familienunternehmen eine weit facettenreichere und hoffnungsvolle Sicht auf die Dinge

Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung, zieht eine „positive Bilanz der wirtschaftlichen Entwicklung“ in den – noch immer sogenannten – neuen Bundesländern: Demnach sei es seit der Wende dort „gelungen, eine lebendige Landschaft an Familienunternehmen aufzubauen“, sodass wieder 92 Prozent der Betriebe familiengeführt seien – insgesamt sind es rund 420.000. Ihr Anteil ist damit höher als in Westdeutschland (89 Prozent).

Die Autoren der ersten wirtschaftshistorischen Studie zur Bedeutung von Familienunternehmen in Ostdeutschland beleuchten zum einen die einst wirtschaftliche Größe der früher reichen unternehmerischen Landschaft – schließlich waren Thüringen und Sachsen Vorreiter bei der Industrialisierung. Zum anderen gehen sie auf deren Demontage und Beeinträchtigung im und nach dem Zweiten Weltkrieg ein.

Dabei gibt es aber auch viele Erfolgsgeschichten, die aufzeigen, wie gerade Familienunternehmen nach der Wende zum „Motor für Wachstum und Beschäftigung“ wurden.

„Die allmähliche Reindustrialisierung in den ostdeutschen Bundesländern wird heute wieder überwiegend von mittelständischen Familienunternehmen getragen und wirkt positiv auf die Entwicklung des Arbeitsmarktes“, schreiben die Autoren, Rainer Karlsch vom Institut für Zeitgeschichte München-Berlin sowie Michael Schäfer von der TU Dresden, die im Rahmen der Untersuchung die Daten von mehr als 4500 Unternehmen auswerteten – und jene ostdeutschen Familienfirmen identifizierten, die in ihrer Branche nach Mitarbeiterzahl zu den Top 40 gehören.

Erfolgreich in der Nische

Es sind Unternehmer, die nach der Wende ihre verstaatlichten Firmen wieder reprivatisierten, die – oft aus emotionaler Verbundenheit – ihre zuvor in den Westen verlegten Betriebe wieder an die ursprünglichen Stätten zurückverpflanzten. Dann gibt es aber auch Neugründungen und Firmenlenker, die per „Management-Buy-out“ oder „Buy-in“ Unternehmen wiederbelebten.

Vor allem „dank der Investitionen familiengeführter mittelständischer Unternehmen sind neue Wachstumskerne und Cluster entstanden“, heißt es in der Studie, Beispiele fänden sich „in allen ostdeutschen Bundesländern“.

Dabei sind es oft weniger prestigeträchtige Branchen, in denen der Osten heute vorn liegt. So zählen ostdeutsche Unternehmen in der Produktion von Glas, Papier oder Süßwaren wieder zur Spitze in Europa; auch bei der Herstellung von Musikinstrumenten, Spielzeug, Uhren oder Brillen gelang eine Wiederbelebung.

Bestes Beispiel ist das sächsische Glashütte, das sich zu Zeiten der Hochindustrialisierung zu einem Zentrum der Uhrenindustrie entwickelt hatte. Nachdem viele Anlagen demontiert und die Betriebe verstaatlicht worden waren, produzierte man in der DDR jahrzehntelang Massenware.

1990 begann dann ein zarter Wiederaufbau, zuallererst durch die Wiederbelebung von A. Lange & Söhne. Walter Lange, Urenkel des Firmengründers, der das Unternehmen mit dem Uhrenmanager Günter Blümlein neu gründete, erinnert sich: „Wir hatten keine Uhren, die wir bauen und verkaufen konnten, wir hatten keine Mitarbeiter, keine Gebäude und keine Maschinen.“

Doch der Neuanfang gelang, andere familiengeführte Betriebe wie Nomos Glashütte und die Mühle-Glashütte GmbH folgten – und heute hat Glashütte mit mehr als 2000 oft hochspezialisierten Beschäftigten wieder seinen Platz in der Produktion von Luxusuhren inne.

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1 Kommentar zu "Familienunternehmen: Wo Ostdeutschland wieder Erfolgsgeschichten hervorbringt"

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  • Ich habe in den 1990er Jahren eine große Anzahl mittelständischer Unternehmer kennen und schätzen gelernt
    die mir damals das gleiche Bild vermittelt haben das auch der genannten Studie entspricht.
    Also Tatkraft, gute Ideen, Fleiß und Menschlichkeit, Aufgeschlossenheit neue vielversprechende Ideen zu testen, ggf. auch umzusetzen.
    Es war mir immer eine große Freude mit ihnen zusammen zu arbeiten.

    Bernhard Pohl, Schongau