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Bärchenwurst

„The Family Butchers“ soll die Kräfte von Kemper und Reinert bündeln.

Familienunternehmen Wurstmarkt unter Preisdruck: Reinert und Kemper fusionieren

Wegen steigender Schweinefleischpreise gehen die Margen in den Keller. Nun schließen sich die traditionsreichen Unternehmen zum zweitgrößten Fleischwarenhersteller zusammen.
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Düsseldorf Die Konsolidierung auf dem deutschen Wurstmarkt geht weiter. Die traditionsreichen Familienunternehmen Reinert und Kemper verkündeten am Dienstag, dass sie sich zusammenschließen.

Unter dem Namen „The Family Butchers“ (TFB) soll Deutschlands zweitgrößtes Fleischwarenhersteller mit einem Jahresumsatz von mehr als 700 Millionen Euro entstehen – direkt hinter der Nummer eins „Zur Mühlen“, die zur Tönnies-Gruppe gehört.

Die Inhaberstämme der Familien Reinert und Kühnl halten jeweils 50 Prozent der Anteile an dem neu gegründeten Unternehmen. „The Family Butcher“ soll von Wolfgang Kühnl, 38, und Hans-Ewald Reinert, 56, als geschäftsführende Gesellschafter gemeinsam geführt werden.

Der Zusammenschluss muss allerdings noch vom Bundeskartellamt geprüft und abgesegnet werden. Die Fusion soll dann voraussichtlich zum Jahreswechsel umgesetzt werden.

„The Family Butchers“ soll die Kräfte von Kemper als Spezialist für Handelsmarken und Reinert als Markenhersteller („Bärchenwurst“) bündeln. Das neue Unternehmen umfasst neun Produktionsstätten, in denen aktuell 2600 Mitarbeiter beschäftigt sind. „Die Fusion schafft zunächst für eine große Anzahl an Arbeitsplätzen mehr Sicherheit für die Zukunft“, sagte eine Sprecherin der Firma Kemper dem Handelsblatt.

„Es werden sicherlich auch Arbeitsplätze abgebaut werden müssen.“ Dies werde aber mit Augenmaß und sozialverträglich erfolgen.

Zu den Beweggründen der Fusion sagte Unternehmer Hans-Ewald Reinert: „Wir sind gefordert, Antworten auf die Herausforderungen in der Wurst- und Fleischbranche zu finden. Mit unserem Zusammenschluss entsteht ein starkes Unternehmen mit einer nachhaltigen Wettbewerbsfähigkeit“, hofft er. „Wir sind damit für die Anforderungen der Zukunft gerüstet.“

Der deutsche Wurstmarkt ist hart umkämpft und stagniert seit Jahren. 2019 soll der Umsatz bei rund zehn Milliarden Euro liegen, prognostiziert Statista. Ein Grund ist der Trend zu gesünderer Ernährung.

Vegetarische und vegane Wurstersatzprodukte von Rügenwalder Mühle bis Nestlé erleben derzeit einen Boom. Laut Beratung AT Kearney wird der globale Markt für Fleischersatzprodukte 2040 schon 450 Milliarden Dollar schwer sein.

„Margen werden immer kleiner“

Der Markt steht unter Preisdruck. „Die Rohstoffpreise für Schweinefleisch sind durch die Afrikanische Schweinepest in Asien um fast 40 Prozent drastisch gestiegen“, so ein Unternehmenssprecher von Reinert dem Handelsblatt. „Doch die Hersteller können ihre höheren Kosten nur bedingt an Händler und Verbraucher weitergeben. Die Margen werden immer kleiner.“

Es sei deshalb zunehmend eine Herausforderung, profitabel zu arbeiten. „The Family Butcher“ will dabei zu den Kosten- und Innovationsführern gehören.

Wegen schwindender Margen will auch der weltgrößte Konsumgüterkonzern Nestlé sein Wurstgeschäft loswerden. Doch der Verkauf der Wursttochter Herta erweist sich aber als schwieriger als gedacht. Fleischkonzern Bigard aus Frankreich soll bisher der einzige echte Kaufinteressent sein.

Im Juni erst waren die Zimbo-Werke von der Schweizer Bell-Gruppe, die Nummer drei im deutschen Markt, an die Tönnies-Tochter Zur Mühlen verkauft worden. Zur Mühlen war durch Übernahmen der schwächelnden Konkurrenten Nölke und Marten gewachsen.

Wurstbranche ist im Umbruch

Die Wurstbranche ist im Umbruch. Die Wettbewerber Hardy Remagen und Wulff hatten erst am Montag bekannt gegeben, dass sie ab Herbst ihre Produktion zusammenlegen. Die Fleisch- und Wurstwaren werden dann alle bei Remagen hergestellt.

Wulff will sich an seinen Standorten auf vegetarische Produkte ausrichten, berichtet die „Lebensmittelzeitung“. Ursprünglich hatte das Familienunternehmen Remagen einen Verkauf an Fleischwarenhändler Wolfgang Weil & Sohn anvisiert.

Mit ihrer Fusion wollen die beiden Familienunternehmen Reinert und Kemper den Konzernen Paroli bieten. Der Name „The Family Butcher“ sei ganz bewusst gewählt, so der Reinert-Sprecher. Beide Firmen blicken auf eine lange Tradition zurück und sind familiengeführt.

Kemper aus Nortrup bei Osnabrück wurde 1888 gegründet. In fünfter Generation werden in vier Werken Schinken, Wurst und Convenience-Produkte hergestellt. Der Export geht in 20 europäische Länder.

Die Privat-Fleischerei Reinert wurde 1931 im westfälischen Loxten bei Versmold gegründet. An fünf Standorten stellen 1.200 Mitarbeiter Schinken und Rohwurst her. Die Firma exportiert in 30 Länder.

Reinert wuchs in den vergangenen 20 Jahren durch zahlreiche Übernahmen von kleineren Konkurrenten. Das Werk der Tochter Schinken Einhaus in Freisoythe wurde bereits geschlossen. Die Fusion soll beide Familienunternehmen stärken.

„Wir bleiben ein Familienunternehmen mit einer klaren, auf Langfristigkeit und Vertrauen ausgelegten Werteorientierung. Und wir wissen um unsere Verantwortung für nachhaltiges Wirtschaften und die Verlässlichkeit für unsere Mitarbeiter und Kunden“, betont Wolfgang Kühnl, Kemper-Chef in fünfter Generation.

Mehr: Nestlé hatte in Deutschland zuletzt massiv Stellen abgebaut. Nun wird investiert, um die Werke effizienter, digitaler und nachhaltiger zu machen.

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