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Familienunternehmer Georg Kapsch – der Österreicher, der in Deutschland die Maut erhebt

Das Wiener Unternehmen Kapsch wird die Pkw-Maut auf deutschen Autobahnen erheben. Das sorgte für Aufsehen in Österreich.
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Das Unternehmen des Österreichers wird die Pkw-Maut auf deutschen Autobahnen erheben. Quelle: picture alliance / Alex Halada /
Georg Kapsch

Das Unternehmen des Österreichers wird die Pkw-Maut auf deutschen Autobahnen erheben.

(Foto: picture alliance / Alex Halada /)

WienGeorg Kapsch ist ein angstfreier Unternehmer. Der CEO und Großaktionär des Wiener Telematikunternehmens Kapsch liest als Chef der Industriellenvereinigung – eine Art österreichischer BDI – auch der konservativ-rechtspopulistischen Regierung die Leviten.

Zuletzt warnte er die Koalition vor Angriffen auf die Pressefreiheit. Auslöser war die Anweisung des österreichischen Innenministeriums, die Kommunikation mit regierungskritischen Medien wie „Standard“ oder „Falter“ auf ein Minimum zu beschränken. Die Rechtspopulisten reagierten empört auf Kapschs Kritik. FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker sagte, diese Causa gehe ihn „einen Schmarren“ an.

Nun kündigt sich die nächste Verstimmung mit der österreichischen Regierung an. Kapsch hat den Zuschlag für die Erhebung der Pkw-Maut auf deutschen Autobahnen bekommen. Sein Unternehmen wird die technische Ausrüstung liefern – ausgerechnet für ein Projekt, das die rechtskonservative Regierung in Wien bekämpft wie keine andere in Europa. Dass Kapsch den Zuschlag erhielt, ist nicht ohne Ironie.

Das „erste Stück vom deutschen Mautkuchen“ gehe nach Österreich“, merkte ein Politiker in Wien spöttisch an. Die Regierung will vor dem Europäischen Gerichtshof gegen die deutsche Pkw-Maut klagen, wegen einer angeblichen Benachteiligung von EU-Ausländern. Deutsche Autofahrer werden über eine geringere Kfz-Steuer bei der Maut komplett entlastet.

Das 126 Jahre alte Familienunternehmen aus Wien setzt ein Lieblingsprojekt der CSU in der schwarz-roten Bundesregierung um. Die hoch umstrittene Pkw-Maut soll 2021 in Deutschland Wirklichkeit werden. Der Vertrag wurde mit der Berliner MTS Maut & Telematik Services geschlossen.

Sie ist eine hundertprozentige Tochter der börsennotierten Kapsch TrafficCom, die Georg Kapsch als CEO führt. Das Unternehmen betreibt in zahlreichen Ländern elektronische Straßengebührsysteme, darunter in Österreich, der Schweiz, Großbritannien, Polen und Bulgarien.

Für Kapsch ist der Zuschlag für die deutsche Maut wirtschaftlich ein großer Erfolg. Der Vertrag mit dem Bundesverkehrsministerium im Volumen von bis zu 120 Millionen Euro läuft über zwölf Jahre. Er kann zudem um weitere anderthalb Jahrzehnte verlängert werden. In Deutschland werden die Österreicher nun rund 100 Anlagen auf den Autobahnen aufstellen, um elektronisch die Zahlung der Straßenmaut zu kontrollieren.

Kapsch-Brüder vertrauen sich blind

Der Auftrag aus Deutschland kommt zudem zur rechten Zeit. Denn zuletzt lief das Geschäft der Kapsch-Gruppe mit ihren 7200 Mitarbeitern nicht mehr so stark. Neben dem Mautsystem bietet die Firma Systeme zum Verkehrsmanagement und Lösungen für vernetzte Fahrzeuge an, vor allem im Heimatmarkt Österreich und in Osteuropa.

Die Erlöse im Geschäftsjahr 2017/18 wuchsen zwar um drei Prozent auf 1,15 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stagnierte zuletzt aber bei 20 Millionen Euro. Die Gewinnspanne liegt damit bei sehr bescheidenen 1,8 Prozent. „Ich bin mit unserer Ebit-Marge in keiner Weise zufrieden“, sagt Vorstandschef Kapsch.

Er hat das Geschäft aus Risikogründen längst stark diversifiziert. „Vor zehn Jahren waren wir von drei oder vier Projekten abhängig. Das ist heute nicht mehr der Fall“, sagt er. Mittlerweile gebe es Hunderte unterschiedliche Projekte.

Deutschland soll in Zukunft eine stärkere Rolle spielen. „Wir wollen auf den deutschen Markt beispielsweise in der Optimierung von Verkehr in Städten wachsen“, sagt der CEO, der nach seinem Betriebswirtschaftsstudium bereits als 23-Jähriger im elterlichen Unternehmen begann.

Georg Kapsch arbeitet mit seinem Bruder Kari Hand in Hand. Er vertritt die Kapsch-Gruppe nach außen, verantwortet wichtige Bereiche wie Personalentwicklung und führt den Umsatzbringer Kapsch TrafficCom. Sein um fünf Jahre jüngerer Bruder, ein Physiker, leitet als CEO die Kapsch CarrierCom, ein Spezialist für Kommunikationsnetze bei Bahnen, Energieversorgern und Verwaltung.

Das familiäre Tandem im dreiköpfigen Vorstand vertraut sich blind. Das weit verzweigte Firmenimperium mit Niederlassungen in 50 Ländern lenken die Brüder von der wenig romantischen Firmenzentrale im Geschäftsviertel Wienerberg.

„Ich gehe Konflikten nicht aus dem Weg. Doch ich versuche, amikale Lösungen zu finden“, umschreibt Georg Kapsch sein Vorgehen. Freundschaftliche Lösungen also. Mit Durchsetzungswillen und Kraft macht er sein Haus auf große Herausforderungen wie autonomes Fahren und die weitere Digitalisierung fit.

Als seine größte Aufgabe betrachtet er, die richtigen Arbeitskräfte für die Fortentwicklung der Kapsch-Gruppe zu finden. „Ich bin jemand, der Menschen Vertrauen entgegenbringt“, sagt er und beschreibt seinen Führungsstil als „partizipativ, aber demokratisch“.

Enttäuschung für die Aktionäre

In seiner Heimat zählt Georg Kapsch zu den bekanntesten Unternehmerpersönlichkeiten. Bereits seit 2012 führt er die Industriellenvereinigung als Präsident. Seine zweite Amtszeit endet 2020. Kapsch ist die proeuropäische und liberale Stimme der österreichischen Wirtschaft. Im Unternehmerlager ist er bestens verdrahtet.

Zu seinen Freunden zählen beispielsweise Siegfried Menz, Miteigentümer der Wiener Brauerei Ottakringer, und Stefan Stolitzka, Eigentümer des Schuhherstellers Legero in Graz. Er selbst schweigt lieber zu seinem persönlichen Netzwerk.

Die Tochter Kapsch TrafficCom ging im Juni 2007 an die Börse. Die Aktie war damals 14-fach überzeichnet. „Mit dem Zeitpunkt hatten wir Glück“, erinnert sich Kapsch. Denn die Aktie kam schließlich kurz vor dem Ausbruch der Finanzkrise auf den Markt. Zuletzt war die Kapsch-Aktie aber eine herbe Enttäuschung für die Aktionäre. Das Papier notiert bei rund 30 Euro, hat innerhalb eines Jahres 30 Prozent ihres Wertes verloren. Kapsch TrafficCom kam mit mehr als 5000 Mitarbeitern im Geschäftsjahr 2017/18 auf einen Umsatz von 693 Millionen Euro.

Der Anfang der heutigen Kapsch-Gruppe lag 1892 in der Herstellung von Morse-, Telegrafen- und Telefonapparaten in Wien. Nach dem Ersten Weltkrieg kam mit der Fertigung der Kondensatoren der Einstieg in die Produktion von Radios.

Für viele Österreicher ist der Name Kapsch bis heute mit Radiogeräten und Fernsehern verbunden. 1973 war mit der Radioproduktion Schluss, 1985 stieg die Firma komplett aus der Unterhaltungselektronik aus. Im hauseigenen Museum in Wien sind die Geräte aus der goldenen Zeit des Hörfunks noch zu besichtigen.

Georg Kapsch als Vertreter der vierten Generation verbrachte sein ganzes Berufsleben in der eigenen Unternehmensgruppe. „Wann der Übergang zur nächsten Generation erfolgt, ist noch offen. Es gibt noch keine Nachfolgeregelung“, sagt der sportliche 59-Jährige.

An Talenten in der Familie mangelt es offenbar nicht. Schließlich stehen mit seinen Kindern und den Sprösslingen von Bruder Kari und Schwester Elisabeth, die ebenfalls als Managerin im Unternehmen arbeitet, sieben Kinder als fünfte Generation bereit.

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