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Familienunternehmer Nikolas Stihl zum Brexit: „Die Briten wissen selbst nicht, was sie wollen“

Großbritannien zählt zu den wichtigsten Absatzmärkten des Motorsägenherstellers. Beiratschef Nikolas Stihl fordert nun eine härtere Gangart der EU.
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„Eine Freihandelszone mit der EU gibt es aber nicht zum Null-Tarif.“ Quelle:    ANDREAS STIHL AG & Co. KG, Waiblingen
Nikolas Stihl

„Eine Freihandelszone mit der EU gibt es aber nicht zum Null-Tarif.“

(Foto:  ANDREAS STIHL AG & Co. KG, Waiblingen)

StuttgartGroßbritannien gehört mit seiner ausgeprägten Gartenkultur und Waldwirtschaft zu den wichtigsten Märkten von Stihl. Das Unternehmen aus dem schwäbischen Waiblingen hat mit einer Exportquote von fast 90 Prozent einen besonders wachen Blick auf alle Weltmärkte. Nikolas Stihl, Vorsitzender des Beirats, ist wie sein Vater Hans Peter nicht nur Familienunternehmer, sondern auch ein meinungsbetonter, politisch denkender Unternehmer.

Herr Stihl, wie bewerten Sie das deutliche Abstimmungsergebnis gegen den Brexit-Deal mit der EU?
Der EU-Austritt ist die größte Dummheit der Briten in der Nachkriegspolitik. Großbritannien ist vor 40 Jahren der EWG wegen wirtschaftlicher Probleme beigetreten und begibt sich jetzt mit dem Austritt wieder in diese Position einer vermutlich folgenden Rezession.

Kommt die Entscheidung für Sie überraschend?
Nein, der Ausgang war ja zu erwarten, weil das Verhandlungsergebnis mit der EU beide Seiten – die Brexit-Befürworter und die Brexit-Gegner – jeweils aus anderen Gründen nicht zufrieden stellt. Die einen wollen raus, nicht zahlen, aber die Vorteile genießen und die anderen wollen, wenn sie schon zahlen müssen, auch bei der EU mitreden, also drinbleiben. Da bilden nicht miteinander vereinbare Positionen eine Allianz der Unzufriedenen.

Sollte die EU jetzt noch einmal weich werden und nachverhandeln?
Es reicht mit der Hängepartie. Nachverhandlungen machen keinen Sinn, weil die Briten selbst nicht wissen, was sie wollen. Deshalb hatten die ganzen Verhandlungen auch keine wirkliche Linie.

Sie fordern eine harte Gangart der EU?
Es gibt kein Zugeständnis, dass die Brexit-Befürworter zufrieden stellen könnte, ohne den Zusammenhalt der Rest-EU zu gefährden. Und der Zusammenhalt der EU ist wichtiger als die Modalitäten eines Brexit-Vertrages.

Dann soll die EU die Briten abschreiben?
Wenn man ehrlich ist, hat die Briten bei der EU nie eine politische Union interessiert, sondern vor allem der freie Warenverkehr. Eine Freihandelszone mit der EU gibt es aber nicht zum Null-Tarif.

Was raten Sie den Briten?
An einer neuen Abstimmung über den Brexit führt kein Weg vorbei. Denn erst jetzt ist den meisten Briten klar, über was sie eigentlich abstimmen. Und nachdem ein Deal offensichtlich nicht möglich ist, bleibt nur der Verbleib in der EU oder ein harter Brexit. Und der harte Brexit bedeutet für Großbritannien eine Rezession, wenn nicht sogar Depression. Da sollten die Briten den vorgelegten Zahlen und Szenarien ihrer Zentralbank glauben. Das müsste jetzt für alle offensichtlich sein. Und bei zwei klaren Alternativen schafft in Demokratien eine Wahl eindeutige Verhältnisse.

Und wie bereitet sich ihr Unternehmen auf den harten Brexit vor?
Wir wissen ja noch nicht, welches Zollregime kommt. Aber wir exportieren in 160 Länder und können damit gut umgehen. Zollabfertigungen kosten in erster Linie Zeit und Geld. Wir haben auf der Insel einen eigenen Vertrieb. Das Lager haben wir dort schon bis unters Dach gefüllt und werden auch noch eine weitere Lagerhalle anmieten.

Welchen Zeitraum können Sie damit überbrücken?
Zwei bis drei Monate.

Wie planen sie weiter?
Großbritannien zählt mit seiner Passion für Garten- und Forstwirtschaft für uns zu den zehn wichtigsten Märkten. Kommt die erwartete Depression, werden wir das sicher auch am Absatz spüren. Aber da wir weltweit tätig sind, werden wir das in anderen Märkten kompensieren.

Das klingt nach Rückzug.
Nein, wir werden uns keinesfalls von der Insel zurückziehen. Im Gegenteil, wir bauen dort eine neue Vertriebszentrale. Es hat sich für uns als langfristig denkendes Familienunternehmen immer ausgezahlt, in Krisenzeiten zu investieren. Wir erwarten mittelfristig, weiter zu wachsen in Großbritannien.

Herr Stihl, vielen Dank für das Interview.

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1 Kommentar zu "Familienunternehmer: Nikolas Stihl zum Brexit: „Die Briten wissen selbst nicht, was sie wollen“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Briten haben die unheilvolle Entwicklung selbst herbeibeschworen durch den Brexit, jetzt müssen
    Sie auch lernen damit umzugehen, so schmerzhaft dies auch sein wird. Keiner in der EU wollte den
    Austritt, niemand hat sie gedrängt.

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