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Fashion For Good Wie Katrin Ley die Modebranche zur Nachhaltigkeit führen will

Die Direktorin der Organisation Fashion For Good will die Modeindustrie revolutionieren. Die Aktivistin wird dabei von Branchengrößen unterstützt.
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Die 45-Jährige kennt sich aus in der Textilbranche – als Managerin war sie unter anderem bei Adidas. Quelle: Fashion for Good
Katrin Ley

Die 45-Jährige kennt sich aus in der Textilbranche – als Managerin war sie unter anderem bei Adidas.

(Foto: Fashion for Good)

Amsterdam Backsteinmauern, alte Rundbogenfenster und dickes Deckengebälk. Ausgerechnet ein Gebäude aus dem 19. Jahrhundert soll das Zentrum für eine Revolution in der Modebranche werden: Von hier aus, mitten in Amsterdam auf der berühmten Einkaufsstraße Rokin, will Katrin Ley die internationale Modeindustrie umkrempeln.

„Wir müssen den kompletten Kreislauf in der Modeproduktion verändern“, fordert die Direktorin von Fashion For Good. Aus dem Mund eines jungen Aktivisten würde so ein Satz vielleicht naiv klingen. Katrin Ley jedoch sollte man ernst nehmen.

Die 45-Jährige hat lange beim Sportartikelhersteller Adidas und bei verschiedenen Unternehmensberatungen gearbeitet. Sie führt keine weltfremde soziale Organisation, sondern eine, die von großen Unternehmen wie der Otto Group, C&A, dem französischen Luxuskonzern Kering („Gucci“, „Brioni“), Adidas oder Zalando und von bekannten Marken wie Stella McCartney getragen wird.

Die Katastrophe beim Einsturz der Textilfabrik von Rana Plaza in Bangladesch, die hohe Umweltbelastung bei der Leder- und Baumwollproduktion und Milliarden Tonnen Textilabfall jedes Jahr erhöhen den Druck auf die Industrie, die Kleidung nachhaltig zu fertigen.

Das erfordert einen Wandel, der so komplex ist, dass ihn selbst internationale Großkonzerne wie Adidas oder Kering nicht allein stemmen können. Vieles muss sich ändern, vom Einsatz von Pestiziden auf den Baumwollfeldern über den Einsatz von Wasser und Farbstoffen, über die Arbeitsbedingungen in den Fabriken bis zum Recycling oder der Verwendung ganz neuer Materialien.

Fashion For Good, vor anderthalb Jahren von der C&A-Stiftung der Unternehmerfamilie Brenninkmeijer, der Otto Group, dem familiengeführten dänischen Textilkonzern Bestseller („Jack & Jones“, „Vero Moda“) und weiteren Organisationen gegründet, will für ein Umdenken in der schnelllebigen Modebranche sorgen. „Wir konzentrieren uns darauf, alle Arten von Innovationen entlang der gesamten Lieferkette zu fördern“, sagt Ley.

So hilft sie, vielversprechenden Start-ups Geld für weiteres Wachstum zu besorgen, „damit wir diese Ideen zusammen mit großen Konzernen in den Massenmarkt übertragen können“. Aber auch große Konzerne müssten heute in einer Art „Vorwettbewerbsphase“, wie sie es nennt, mit Konkurrenten zusammenarbeiten, um neue Materialien und Verfahren zu entwickeln.

Wenn Ley über ihre Arbeit und die großen Herausforderungen der Branche spricht, ist ihre Begeisterung zu spüren. Für sie sei er „ein Traum“, schwärmt sie über ihren Job. Es mache ihr vor allem viel Freude, junge Firmengründer mit großen Konzernen und Marken zusammenzubringen.

Technologien fördern und verbreiten

So arbeitet die britische Modedesignerin Stella McCartney, die sich seit vielen Jahren für die Nachhaltigkeit ihrer Luxusmode einsetzt, gerade mit dem britischen Start-up Colorifix zusammen. Bei Fashion For Good in Amsterdam ist ein blaues Kleid zu sehen, das sie nur mit natürlichen Stoffen aus Blüten gefärbt hat.

„Zusammen mit Fashion For Good können wir helfen, die nächste Generation von Kreislauftechnologien zu verbreiten sowie in größerem Maßstab zu fertigen – und helfen, die Modeindustrie zu verändern“, begründet Stella McCartney die Beteiligung an der Organisation.

Das Kleid ist Teil des Fashion-For-Good-Museums, das im Oktober einige Stockwerke unter dem Büro von Leys Team öffnete. Mit vielen interaktiven Schauräumen soll es bei den Besuchern das Bewusstsein dafür schärfen, beim Modekauf künftig auf Nachhaltigkeit zu achten. Ein Beispiel ist das T-Shirt aus Biobaumwolle, das man sich im Museum selbst gestalten und bedrucken lassen kann.

Solche Öffentlichkeitsarbeit an der Basis ist für Ley wichtig. Ihr Ziel ist eine neue Kreislaufwirtschaft nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip: Textilien, die biologisch abbaubar sind oder nach ihrem Gebrauch wieder für neue Kleidung verwendet werden.

Ley hat schon 50 Start-ups, die neue Technologien entwickeln, mit Investoren aus ihrem Netzwerk zusammengebracht. „Business-Angels, Investmentfirmen großer Familien und unsere Unternehmenspartner haben insgesamt 20 Millionen Euro in die jungen Firmen investiert“, sagt sie. Auch der Good Fashion Fund, den Ley mit initiiert hat, wird dieses Jahr erstmals investieren. 

Die Investoren sind noch zögerlich

Aber insgesamt seien die Investoren „noch viel zu zögerlich, neue Technologien für die Modebranche zu finanzieren“, zieht Ley eine Zwischenbilanz ihrer bisherigen Arbeit. Sie hofft, dass die Bereitschaft der Investoren wächst, ähnlich wie bei der Energiewende, Milliardenbeträge in die Textilbranche zu investieren.

Fashion For Good finanziert seine Arbeit aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen der Partnerunternehmen. Sie zahlen jedes Jahr je nach Größe des Unternehmens 50.000 oder mehr Euro und stellen Ressourcen zur Verfügung. Ley wünscht sich „15 bis 20 Partner aus der Industrie“, bisher sind es zehn.

„Nach der Skepsis am Anfang stoßen wir in der Modeindustrie gerade bei größeren Unternehmen auf sehr große Resonanz“, meint sie. Sie will vor allem Textilhersteller in Asien als Partner gewinnen. „Wir sind da mit einigen im Gespräch.“

Leys junge Organisation mit ihren nur 15 festen Mitarbeitern hat sich viel vorgenommen. Aber die gebürtige Tübingerin, die neben Englisch auch Niederländisch, Schwedisch und Französisch spricht, ist eine erfahrene Netzwerkerin. Und sie ist diszipliniert genug, um das große Pensum zu schaffen.

„Als ich damals bei Adidas mit ihr zusammengearbeitet habe, hatte sie immer eine Siebentagewoche“, sagt Uli Becker, der damals Chief Marketing Officer bei dem Sportartikelkonzern war. „Sie hat die Kraft, die Interessen der verschiedenen großen Konzerne bei Fashion For Good zu bündeln“, ist Becker überzeugt, der heute als Business-Angel für Start-ups in den USA arbeitet.

Diszipliniert ist Ley auch privat. Sie geht, wenn es zeitlich passt, jeden Morgen um sieben Uhr zum Cross-Fit ins Fitnessstudio und verlässt jeden Abend einen leer gefegten Schreibtisch. Der ist deutlich kleiner als ihre früheren. Sie hat auch kein repräsentatives Einzelbüro mehr, sondern sitzt im Großraumbüro, vom Schreibtisch einer Mitarbeiterin nur durch eine kleine Stoffwand getrennt.

„Daran musste ich mich erst gewöhnen“, gibt sie zu. „Aber es gefällt mir jetzt gut.“ Wer die Modebranche umkrempeln will, kann selbst nicht an alten Strukturen und Gewohnheiten festhalten.

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