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Felix Haas, Christoph Jost und Peter Waleczek Investoren suchen nach Zukunftstechnologien im Mittelstand

Investoren aus der Start-up-Szene wagen sich immer stärker ins Segment Private Equity vor. Viele investieren auch in gestandene Mittelstandsfirmen.
16.03.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Die drei Start-up-Investoren suchen nach vielversprechenden Investments im Mittelstand. Quelle: Nils Bröer für Handelsblatt
Felix Haas, Christoph Jost und Peter Waleczek

Die drei Start-up-Investoren suchen nach vielversprechenden Investments im Mittelstand.

(Foto: Nils Bröer für Handelsblatt)

Hamburg Felix Haas ist eines der Gesichter des Münchener Start-up-Aufschwungs. Als Mitorganisator des Gründer-Events „Bits & Pretzels“ hat er es zur Szeneprominenz geschafft: Sein Facebook-Profil ziert ein Foto mit dem früheren US-Präsidenten Barack Obama, den die Konferenz im vergangenen Jahr als Redner eingeflogen hat. Zudem ist Haas Mitgründer mehrerer Unternehmen und wirkt als Business-Angel-Investor bei einer ganzen Reihe von Start-ups.

Seine Szeneprominenz setzt der 38-Jährige nun für ein neues Projekt ein. Ungewöhnlich dabei: Haas schaut nicht auf die dynamische Gründerszene, sondern will sich mit Mittelständlern einlassen. Sein Fonds Flex Capital soll Geld geben – nicht Risikokapital für Start-ups, sondern Private Equity für wachstumsstarke etablierte Unternehmen.

„Im Softwarebereich gibt es viele tolle Unternehmer, die wirklich gute Unternehmen aufgebaut haben“, sagt Haas. 120 Millionen Euro haben die sechs Gründungspartner eingesammelt – und wollen das Geld in den kommenden fünf Jahren ausgeben. Einfach wird die Mission jedoch nicht.

Haas stellt Flex Capital im Gespräch mit dem Handelsblatt als eine Art Buddy-Projekt dar. Die sechs Gründungspartner kennen sich demnach seit 2007 von Christoph Josts Gründung Absolventa. Der damalige Praktikant Peter Waleczek leitet heute zusammen mit Christoph Jost das Tagesgeschäft des neuen Investors.

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    „Peter und ich haben die Grundidee in Berlin entwickelt und dann die Münchener dazugeholt“, sagte Jost. „Der Tech-Mittelstand ist eine Riesenchance. Viele Gründer haben sich dort stark auf Produkt und Technik fokussiert. Wir können ihnen durch Wissen etwa beim Vertrieb zu mehr Wachstum verhelfen.“ Der Plan: Flex Capital soll mit seinem ersten Fonds in acht bis zehn Mittelständler jeweils fünf bis 25 Millionen Euro investieren, deren Inhaber mindestens eine große Minderheit abgeben wollen.

    „Wir suchen nicht das nächste Facebook, sondern Unternehmen, die wir vielleicht von zehn auf 50 Millionen Euro Umsatz bringen können“, sagte Waleczek. „Dazu führen wir Gespräche dort, wo man mit Bimmelbahn und Omnibus anreist – nicht an den schicken Orten wie Hamburg, München und Berlin.“

    Bislang nur ein echtes Investment

    Ende 2018 haben die Partner Flex Capital ins Leben gerufen, seit Schließung des Fonds im Dezember 2019 sucht man nach wachstumsstarken Mittelständlern. Kapital zu sammeln sei leichtgefallen, innerhalb eines halben Jahres sei der Fonds voll gewesen. Jetzt geht es darum, passende Unternehmen zu finden. Bislang hat Flex Capital in ein Unternehmen investiert: den QR-Code-Spezialisten Egoditor aus Bielefeld.

    Das Problem: Die Gründer des neuen Private-Equity-Fonds sind zwar in der Start-up-Szene bekannt, aber weniger im klassischen Mittelstand. „Die besuchen nicht die hippen Konferenzen. Vielleicht werden diese Softwareunternehmen manchmal übersehen, weil sie lieber am Produkt feilen, statt darüber zu reden“, sagte Jost. Bei seiner letzten Bits-&-Pretzels-Konferenz im September hat er daher bereits ein Flex-Capital-Panel für solche reiferen Unternehmen eingerichtet.

    Nicolas Rädeke, Chef der Deutschen Unternehmerbörse, beobachtet viel Nachfrage um die wenigen verkaufswilligen Softwareunternehmer. „Ein neuer Private-Equity-Fonds wird bei der Suche nach Softwarefirmen einen Haufen Konkurrenz haben, die ebenfalls um diese Unternehmer wirbt“, sagt er. Viele große Unternehmen seien in dem Bereich schon verkauft worden, daher suchten zunehmend institutionelle Investoren auch nach kleineren Kaufgelegenheiten – oft über gewachsenen Netzwerken etwa zu lokalen M&A-Beratern. Gegen einige könne ein Investor wie Flex Capital aber womöglich punkten, der Branchen-Know-how etwa im Vertrieb mitbringt.

    Softwarefirmen seien für Investoren attraktiv, weil sie mit wenig Kapitalausstattung auskommen und oft nicht überaltert sind, meint Experte Rädeke: „In der Branche verkaufen überdurchschnittlich viele Gründer, noch bevor sie ins Rentenalter kommen, weil sie noch einmal etwas Neues machen wollen.“

    Mittelständler sollen auf Wachstum getrimmt werden

    Die Flex-Capital-Gründer wollen ihren Fonds nun auch über die Medien bekannt machen – und haben dafür die PR-Agentur Hering Schuppener engagiert. Das soll gestandene Unternehmer davon überzeugen, dass der neue Finanzinvestor der richtige Partner ist. „Wir haben Unternehmen gegründet, die genauso sind wie die Firmen, in die wir investieren“, umwirbt Haas potenzielle Verkäufer. Für sie hat er den Neologismus „MitTECHstand“ erfunden.

    Allerdings: Als Finanzinvestor hat Flex Capital eine Fondslaufzeit von zehn Jahren – muss also die akquirierten Unternehmen nach einiger Zeit mit Gewinn verkaufen und somit die Strategie der Mittelständler in Richtung Wachstum ändern. Dafür will der Investor mitreden. Beim Egoditor etwa haben die neuen Miteigner regelmäßige Runden mit dem Management angesetzt. Bei Nachfolgereglungen sei sogar denkbar, ein neues Management mitzubringen, sagt Jost. Zudem soll Flex Capital zu einer „Plattform“ für den Austausch über Strategien werden mit regelmäßigen Events. Die geplante erste Veranstaltung in wenigen Tagen sei jedoch wegen der Coronakrise abgesagt worden.

    Der geringere Teil von Buy-outs von Finanzinvestoren findet nach Zahlen des Branchenverbands BVK bei kleineren Unternehmen zwischen fünf und 15 Millionen Euro Umsatz statt. 2019 gab es in dem Bereich 50 Deals mit einem Gesamtvolumen von 248 Millionen Euro. Insgesamt kauften Finanzinvestoren 147 reife Unternehmen für 10,7 Milliarden Euro. Flex Capital gehört damit zu den kleinen Spielern in der Branche.
    Eher ungewöhnlich ist auch, dass Flex Capital gleich mit sechs Partnern startet – kaum weniger als geplante Investments. Allerdings sollten nur die beiden Berliner Managing Partner ein festes Gehalt beziehen, die vier Münchener als unternehmerische Partner würden erst über höhere Auszahlungen entlohnt, sagte Haas.
    Er selbst will neben Geld sein Know-how beisteuern. Allerdings sammelte er seine Erfahrungen als Business-Angel-Investor bislang meist nur bei jungen Gründern. Künftig muss Haas verstärkt mit gestandenen Unternehmern auskommen.

    Mehr: Handlungsbedarf beim Thema Wachstumskapital – „In Deutschland haben wir ein Umsetzungsproblem“

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