Felix Happel Dieser Investor will den Klinikkonzern Paracelsus wieder aufbauen

Die Klinikgruppe Paracelsus war zahlungsunfähig. Nun will der Schweizer Unternehmer Felix Happel sie wieder zum Erfolg führen – und fängt ganz unten an.
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Der neue Paracelsus-Chef greift zu ungewöhnlichen Strategien. Quelle: Porterhouse
Felix Happel

Der neue Paracelsus-Chef greift zu ungewöhnlichen Strategien.

(Foto: Porterhouse)

ZürichFelix Happel hat die vergangenen Wochen häufig im Krankenhaus verbracht. Doch das liegt nicht etwa an seiner Gesundheit, sondern an seinem neuesten Coup. Mit seiner Luzerner Gesellschaft Porterhouse hat der Sohn des Unternehmers Otto Happel die insolventen Paracelsus-Kliniken gekauft.

Der 36-Jährige will sie wieder gesund machen. Dazu hat er mehrere Kliniken besucht und ist als Praktikant in den Kittel geschlüpft: Happel verfolgte Operationen im OP-Saal und legte in der Pflege selbst Hand an. Bei Mitarbeiterversammlungen suchte er das Gespräch mit Pflegern, Ärzten und Klinikmanagern. Seine Devise: „Erst zuhören und nachfragen, dann handeln.“

Diesen Mittwoch wird der Deal offiziell. Ist der energiegeladene Happel die Medizin, die der angeschlagene Klinikverbund braucht? Für viele Paracelsus-Mitarbeiter gilt Happel als der bevorzugte neue Eigentümer. Entsprechend groß sind die Erwartungen. Er will sie nicht enttäuschen.

Ausgerechnet kurz vor Weihnachten hatten die rund 5.000 Mitarbeiter erfahren, wie es um ihren kränkelnden Arbeitgeber steht. Diagnose: Zahlungsunfähigkeit. Die Gewerkschaft Verdi sieht die Ursache für die Insolvenz in jahrelangem Missmanagement. „In manchen Kliniken wurden notwendige Investitionen nicht durchgeführt, obwohl sogar Fördermittel zur Verfügung gestanden hätten“, so Verdi-Experte Sven Bergelin.

Den Grundstein des Klinikbetreibers legte der Arzt Hartmut Krukemeyer in Osnabrück. 1968 gründete er ein privates Krankenhaus nach dem Vorbild der amerikanischen Mayo-Kliniken. Unter seinem Sohn schlitterte die Kette in die Insolvenz.

Happel zufolge haben vor allem zwei der insgesamt rund 40 Standorte Verluste angehäuft. Die meisten Häuser stünden jedoch gut da. Sein Ziel: „Wir wollen Paracelsus zu einem erfolgreichen Unternehmen machen, das aus eigener Kraft wachsen kann.“ Schon 2019 soll die Gruppe wieder schwarze Zahlen schreiben.

„Der anstehende Weg wird steinig bleiben“

Keine leichte Aufgabe, zählte Paracelsus mit einem Umsatz von rund 400 Millionen Euro doch schon vor der Insolvenz zu den Fliegengewichten am privaten Klinikmarkt. Konkurrent Asklepios machte 2017 rund 3,3 Milliarden Euro Umsatz, bei Sana waren es rund 2,6 Milliarden. Mit Porterhouse bekomme Paracelsus wieder eine Perspektive, sagte der Sachwalter Rainer Eckert. Er betont jedoch: „Der anstehende Weg wird steinig bleiben.“

Mit den Plänen für Paracelsus will Happel noch nicht ins Detail gehen, aber natürlich hat er schon Ideen. Paracelsus beschäftigte „super Leute“, die medizinische und pflegerische Leistung sei „hervorragend“. Aber: „Leider produzieren wir viel zu viel Papier.“

Moderne Technik soll den Mitarbeitern helfen, die Dokumentation schneller zu erledigen, damit mehr Zeit für Patienten bleibt. Zudem sollen die Häuser besser zusammenarbeiten. Happel: „Wir wollen keine Gruppe von Kliniken, sondern eine echte Klinikgruppe sein.“ So sollen Akutkrankenhäuser und Rehakliniken ihre Angebote etwa besser verzahnen.

Auf operativer Ebene übernimmt der erfahrene Klinikmanager Michael Philippi die Geschäfte. Er hatte beim Konkurrenten Sana den Umsatz kräftig gesteigert. Happel selbst strebt die Wahl zum Aufsichtsratsvorsitzenden an. Vielen Mitarbeitern galt der Mittdreißiger als bevorzugter Käufer – im Gegensatz zum Asklepios-Konzern von Bernard große Broermann, dem Gewerkschafter Renditehunger vorgeworfen hatten. Das Tauziehen konnte Happel für sich entscheiden.

Dabei dürfte geholfen haben, dass er frühzeitig im Konzern auf Tuchfühlung ging. „Dass wir einen Vertrauensvorschuss bekommen haben, hat uns gefreut“, sagt Happel. „Dieses Vertrauen wollen wir nun nicht enttäuschen.“

Gewerkschafter Bergelin sieht den Einstieg von Felix Happel mit „kritischem Wohlwollen“. Einerseits habe sich Happel eine langfristige Investition auf die Fahnen geschrieben. Andererseits habe er eine hohe Summe investiert – am Markt ist die Rede von einem dreistelligen Millionenbetrag. „Egal, wie nett Herr Happel auftritt, den Kaufpreis wird er wieder verdienen wollen“, so Bergelin.

Kein Wunder, dass der neue Paracelsus-Eigentümer auch Engagement aus den eigenen Reihen fordert: Die 40 Akut- und Rehakliniken müssen liefern. Natürlich könne es sein, dass manche Häuser etwas Zeit benötigten, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein, sagt Happel. „Aber es darf nicht sein, dass ein Haus langfristig kein Geld verdient.“ Schließungen sieht Happel nicht. „Unser Ziel lautet ganz klar zu wachsen.“

Und das ist nicht einfach. Das Klinikgeschäft gilt als hochreguliert. Welche Pauschalen die Betreiber erhalten, wird mit den Kassen ausgehandelt. Zudem sind Zukäufe schwierig, weil kaum noch Kliniken privatisiert werden. Gesundheit und Renditestreben gelten als schwer vereinbar.

Happel weiß um die Herausforderung – und nimmt sie an. „Ich glaube, dass man unternehmerisch handeln und zugleich Gutes tun kann.“ Wie bei seinen anderen Investitionen will er auch bei Paracelsus langfristig an Bord bleiben. Das Kapital in Porterhouse habe er den vorangegangenen Generationen zu verdanken, sagt Happel. Umso mehr fühlt er sich verpflichtet, es für die kommenden Generationen zu erhalten.

Verkauf von Gea brachte Milliarden

Sein Vater Otto Happel hatte von seinen Eltern die Gesellschaft für Entstaubungs-Anlagen (Gea) in Herne übernommen. Aus ihr hatte Otto Happel durch Zukäufe einen globalen Systemanbieter geformt, den er Ende der 90er-Jahre an die Frankfurter Metallgesellschaft verkaufte.

Das „Forbes Magazine“ schätzt das Vermögen des 70-Jährigen auf rund drei Milliarden Euro. Mit der 2016 gegründeten Porterhouse will Felix Happel die unternehmerische Tradition der Familie fortführen. Sein Vater habe bei Porterhouse zwar keinen direkten Einfluss, sagt der Sohn, doch tausche er sich regelmäßig mit ihm aus. „Wir haben ein sehr gutes Verhältnis.“

Zu den Porterhouse-Beteiligungen zählt eine schweizerische Tierklinikkette und eine Firma aus dem „Visual Merchandising“, das etwa Schaufensterpuppen herstellt.

Obwohl ihn der Paracelsus-Kauf beschäftigt hält, will Happel weiter Ausschau nach neuen Mehrheitsbeteiligungen halten. Wenn er sich nicht um Porterhouse kümmert, verbringt er Zeit mit seiner Familie, die kürzlich vierbeinigen Zuwachs bekam. Der Jazz-Fan joggt und segelt gern.

Viel Zeit dafür dürfte Felix Happel erst einmal nicht bleiben. Bei Paracelsus fängt die Arbeit erst an. Doch er ist gekommen, um zu bleiben. „Der Einstieg bei Paracelsus ist für uns mehr als eine Investition“, sagt Happel, „Er ist eine Lebensentscheidung.“

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