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Finn Hänsel

Der Movinga-CEO konnte jüngst eine Finanzierungsrunde in Höhe von 15 Millionen Euro abschließen.

(Foto: movinga)

Finn Hänsel Movinga stand vor der Pleite – Jetzt ist es die größte Umzugsplattform Europas

Finn Hänsel glaubte in der Krise an das Geschäftsmodell seines Start-ups und schaffte den Turnaround. Nun erhält Movinga erneut frisches Geld.
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BerlinNachhaltigkeit, ausgerechnet. Wenn Finn Hänsel sein Start-up Movinga heute jemandem vorstellt, rechnet er gern vor, wie viel CO2 der Umwelt erspart bliebe, wenn alle Leute ihren Umzug online buchen würden. Weil die Umzugsunternehmer, die im Auftrag von Movinga fahren, nicht nur auf der Hinfahrt voll beladen sind, sondern dank schlauer Algorithmen am Zielort gleich noch Fracht für die Rückfahrt aufnehmen.

Nachhaltigkeit, das war das Hauptargument für den Environmental Technology Fund, einen Londoner Risikokapitalgeber, der sich auf derlei Themen spezialisiert hat, bei Movinga einzusteigen. Wie das Handelsblatt exklusiv erfuhr, hat Hänsel, 36, gerade eine neue Finanzierungsrunde in Höhe von 15 Millionen Euro abgeschlossen. Auch Altinvestoren wie Earlybird, Rocket Internet und Santo, das Family Office der Gebrüder Strüngmann, geben wieder Geld dazu.

Mit dem frischen Kapital kauft Hänsel den französischen Marktführer, dazu sowie Teile des insolvent gegangenen deutschen Konkurrenten Move24. Damit ist Movinga die mit Abstand größte Umzugsplattform Europas. Nach den Übernahmen werde das Unternehmen das Jahr mit einem Umsatz von 36 Millionen Euro abschließen, ein Plus von mehr als hundert Prozent, prognostiziert der Geschäftsführer. Im nachfragestarken August sei die Firma zudem erstmals profitabel gewesen.

Mit Movinga Now will Hänsel außerdem eine neue Plattform für Miniumzüge bis 500 Euro und andere innerstädtische Transporte auf den Markt bringen. Vorbild ist das asiatische Start-up GogoVan, in das unter anderem der chinesische Alibaba-Konzern investiert hat und das derzeit mit einer Milliarde Dollar bewertet wird.

Zu diesem Zweck hat Movinga in Berlin schon zwei eigene Elektrotrucks angeschafft und beauftragt außerdem Fremdfirmen, wie schon bei den Umzügen. „Mal eben schnell per App einen Transporter buchen und das Sofa, das ich bei Ebay-Kleinanzeigen gefunden habe, nach Hause bringen – sonst braucht man in der Stadt doch gar kein Auto mehr“, erklärt Hänsel, der privat seit drei Jahren nur noch E-Roller fährt.

Wer ihn und Movinga länger kennt, weiß, dass Nachhaltigkeit nicht immer ganz oben auf der Agenda stand. Wie so viele Gründer begann Hänsel seine Karriere bei einer Unternehmensberatung. Später baute er im Auftrag von Oliver Samwer den Zalando-Klon The Iconic in Australien auf, von null auf einen dreistelligen Millionenumsatz: „Work hard, play hard“, so kannte man den gebürtigen Flensburger, seinerzeit Vorsitzender der Jungen Union in seiner Heimatstadt, in der Berliner Gründerszene. Nach einem Ausflug zum Pro-Sieben-Inkubator Epic und dem Aufbau einer kleinen Craft-Beer-Brauerei heuerte Hänsel vor genau drei Jahren als Geschäftsführer bei Movinga an, seinerzeit eines der am stärksten gehypten Start-ups der Stadt.

Turnaround in zwei Jahren

Ein Wagnis, wie sich bald herausstellte. Die beiden Gründer hatten sehr schnell sehr viel Geld eingesammelt, aber genauso schnell den Überblick über das Unternehmen verloren. Im Frühjahr 2016 stand Movinga kurz vor der Pleite. Die Gründer mussten gehen. Die Investoren baten Hänsel zu bleiben. Der zögerte. Sein Ruf stand auf dem Spiel. Er glaubte an das Geschäftsmodell – und schaffte den Turnaround.

Einfach war das nicht. Er musste über hundert Leute entlassen, die verbliebenen Mitarbeiter motivieren – und trotz einer desolaten Lage die dringend benötigten neuen Geldgeber von der Zukunft des Unternehmens überzeugen.

„Ohne seine positive Art gäbe es die Firma heute nicht mehr“, sagt ein ehemaliger enger Mitstreiter. Er habe großen Respekt davor, wie man über einen so langen Zeitraum einen derartigen Stresspegel aushalten und dabei immer noch Sicherheit und Entschlossenheit ausstrahlen könne.

In den drei Jahren bei Movinga sei er um sechs Jahre gealtert, scherzt Hänsel selbst. Aber er hat auch viel gelernt, zum Beispiel auf welche Investoren er sich verlassen konnte und auf welche nicht. Und wie wichtig es ist, Unterstützer an seiner Seite zu wissen, die in Krisenzeiten nicht davonlaufen, sondern fragen, wie sie helfen können. Nachhaltig eben.

Einer davon ist der Environmental Technology Fund, kurz ETF. Sie seien zwei Jahre intensiv im Gespräch gewesen und hätten die Entwicklung genau verfolgt, bevor sie bei Movinga eingestiegen seien, sagt Arne Morteani, der das Investment für die Londoner betreut. Mittlerweile zeigten die Kennzahlen alle in die richtige Richtung. Überzeugt habe ihn nicht nur das Geschäftsmodell, sondern vor allem auch das Management. „Finn Hänsel hat die Firma aus dem Sumpf gezogen“, sagt Morteani.

Und so gilt das Unternehmen, das mittlerweile wieder mehr als 200 Leute beschäftigt, heute wieder als Vorzeigegeschichte in Berlin. Der Bundesverband Deutscher Start-ups etwa präsentierte kürzlich seinen Jahresbericht in den Räumen von Movinga.

„Movinga ist ein Beispiel dafür, dass der Turnaround geschafft werden kann“, sagt Florian Nöll, der Vorsitzende des Verbands. „Von einigen schon abgeschrieben, hat Movinga durch gutes und effizientes Management, die richtigen Entscheidungen zur richtigen Zeit und eine große Kraftanstrengung das Blatt gewendet und steht jetzt so gut da wie nie zuvor.“

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