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Fitnessbranche Internationaler und exklusiver: Fitnessstudio-Kette McFit erfindet sich neu

McFit will sich umbenennen und künftig sogar Luxus-Sportstudios anbieten. Die Mucki-Bude für die breite Masse hat ausgedient, glaubt der Gründer.
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Der Entwurf zeigt, wie das größte Gym der Welt in Oberhausen aussehen könnte. Quelle: McFIT GLOBAL GROUP GmbH
Neues Konzept

Der Entwurf zeigt, wie das größte Gym der Welt in Oberhausen aussehen könnte.

(Foto: McFIT GLOBAL GROUP GmbH )

DüsseldorfBerlin gilt in vielerlei Hinsicht als Metropole – unter anderem als Hauptstadt der Frührentner. Und nicht anders sieht sich Rainer Schaller, seit er vor knapp einem Jahr die operative Führung seines Sport-Imperiums McFit abgab. Da war er 49.

Schaller, den „Business Punk“ schon mal „Muckis Liebling“ nannte. Schaller, der umtriebige Unternehmer, der Kahl- und Dickschädel. Auch Schaller, der Freund bequemer Joggingklamotten – womit dann aber schon wieder Schluss ist mit den Frührentner-Ähnlichkeiten. Wenn alle so aktiv wären wie der bullige Oberfranke, müsste die Republik jedenfalls nicht über Altersarmut diskutieren.

In den nächsten drei Jahren will der McFit-Gründer rund 100 Millionen Euro investieren, kündigt er nun gegenüber dem Handelsblatt an. Da ist die ab heute geltende Umbenennung seines Unternehmens noch die kostengünstigste Idee: 2020 soll die McFit-Global-Group umfirmiert werden in… na? Genau: Rainer Schaller Global. Kurz: RSG (bitte englisch aussprechen, also: Ar-Äss-Dschi). Eine Firma gleichen Namens gibt es zwar schon in Österreich. Aber mit der dortigen Gruppe mit ihren Kneipen und Bowling-Bahnen werde man wohl kaum zu verwechseln sein.

Der neue Name soll vor allem Internationalität verheißen, zumal die Berliner Gruppe von der Türkei bis in die USA weiter expandieren möchte: „Wir sehen uns heute anders, größer“, sagt Schaller, „als weltweiter Innovationsführer im Bereich Fitness und Lifestyle.“ Und weil das künftig eben viel mehr bedeutet als das klassische McFit-Konzept, mit dem er mal anfing, brauche das Kind einen neuen, anderen Namen.

Zugleich soll die RSG Group 2021 umziehen – vom Prenzlauer Berg im Osten der Hauptstadt, wo man mittlerweile aus allen Nähten platzt, ins Ku’damm-Eck im alten Westen. Dort sollen dann 20.000 Quadratmeter bespielt werden auf zehn Etagen voller Büros samt eigenem Hotel und Luxus-Gym. Gerade in der Diversifizierung sieht Schaller die Zukunft seiner Gruppe: „Mein größter Fehler war einst das Konzept ‚Die Fitnesshalle für alle‘.“ Masse allein bringt es nicht mehr. Heute gehe es um Plattform-Strategien und eine „möglichst genaue Ansprache unterschiedlichster Zielgruppen“. Auch deshalb wird McFit aus dem Konzernnamen verschwinden.

Was in der ganzen Branche als „Boutique-Konzept“ immer hipper wird, bedeutet im Fall Schaller unter anderem: In Los Angeles, San Francisco und Dallas will er als Nächstes mit einem besonders luxuriösen Studio-Konzept starten, wo der Monats-Beitrag bei 250 Dollar liegen dürfte.

Den sehr deutschen Namen des neuen Projekts will er zwar noch nicht offiziell verraten, aber in der RSG Group soll es fortan alles geben: Von den Billig-Butzen namens High 5 (Klientel: eher Türsteher und arbeitslose Bodybuilder) über den puristischen Klassiker McFit, die deutlich plüschigere Pop-Variante John Reed und John’s Bootcamp für die Trainings-Masochisten bis zum Yoga-Studio soll dann für jedes Haushalts-Budget und Fitness-Faible etwas Adäquates dabei sein.

Fitnessfreunde hätten heutzutage „immer mehr Optionen“, sagt auch Björn Lehmkühler, der bei der Unternehmensberatung Deloitte die Sportbranche beobachtet. „Von klassischen ‚Full-Service-Anlagen‘ über eine steigende Anzahl kleinformatiger, oft hochpreisiger Nischenanbieter bis hin zu Fitness-Apps und digitalen Fitness-Formaten.“

Schon jetzt umfasst die künftige RSG-Gruppe rund ein Dutzend Unternehmen – von der Modelagentur über die Management-Beratung Tigerpool bis zum Sportnahrungs-Ableger Qi2. Die Video-Trainingseinheiten der Tochterfirma Cyberobics sind mittlerweile auch in den Zimmern der NH-Hotelgruppe abrufbar. „Die Leute lassen sich heute nicht mehr vorschreiben, wann und vor allem wo sie Sport treiben sollen“, glaubt Schaller.

Zwar werfen nicht alle seiner Ideen schon Gewinne ab. Einige der Start-ups stecken in den roten Zahlen. Doch das ficht den Unternehmer nicht an. Und seine Gruppe steht nicht schlecht da: Aktuell erwirtschaften bei Schaller über 5 000 Beschäftigte in 291 Studios und sieben europäischen Ländern einen Umsatz von etwa 355 Millionen Euro. Der Reingewinn lag im Geschäftsjahr 2018 bei rund 30 Millionen Euro. Als nächstes will die Gruppe neben den USA auch in Frankreich, der Türkei und der Schweiz starten.

Nicht nur Schaller, sondern der gesamten Branche geht es blendend: „Der Anteil der Fitnesstreibenden in Deutschland brach in der Vergangenheit von Jahr zu Jahr immer neue Rekorde“, sagt Alexander Wulf, Sprecher des Arbeitgeberverbandes deutscher Fitness- und Gesundheitsanlagen. „Dieser Trend setzte sich auch 2018 fort.“ Umsätze, Zahl der Studios und Mitglieder – alles geht nach oben, interessanterweise nur eines nicht: Der Umsatz pro Kunde rutscht immer weiter ab.

Fachleute erwarten, dass diese Entwicklung weitergehen wird, zumal sich zwei klare Trends zeigen: „Die Wachstumstreiber der Branche sind momentan der Discount- und der Special-Interest-Bereich“, sagt Verbandsmann Wulf. „Ersterer definiert sich durch einen monatlichen Mitgliedsbeitrag von meist deutlich unter 30 Euro, letzterer durch eine Gesamtfläche von weniger als 200 Quadratmetern und speziellem Angebot wie Elektromuskelstimulation, Vibrations-, Personal, Zirkel- und Funktionstraining.“

Eigentlich will Schaller genau das: überall dabei und am besten vorneweg sein.

Der McFit-Gründer will die Marke umstrukturieren. Quelle: Holger Talinski   / McFIT GLOBAL GROUP GmbH
Rainer Schaller

Der McFit-Gründer will die Marke umstrukturieren.

(Foto: Holger Talinski / McFIT GLOBAL GROUP GmbH )

Seinen Leibesertüchtigungs-Kosmos sieht er bereits als Plattform, an der weder Industrie noch Kundschaft vorbeikommen. Schallers größtes Prestige-Projekt ist deshalb „The Mirai“ in Oberhausen. In alten Industriehallen soll dort neben dem Einkaufszentrum Centro das größte Gym der Welt entstehen. Eigentlich hätte er gern schon dieses Jahr angefangen, aber Schaller kommt eben aus einer Welt, in der es mehr um Power als um Planfeststellungsverfahren geht. Nun ist der erste Spatenstich für Frühjahr 2020 und die Premiere im Jahr danach geplant.

Finanzieren will er das Projekt mit Hilfe von Werbepartnern, Sportartikel-Industrie, aber auch Forschungs- und Entwicklungsunternehmen sowie großen Telekommunikations-Anbietern, die alle zusammen rund die Hälfte des mittlerweile auf über 100 Millionen Euro angeschwollenen Investitionsvolumens beisteuern sollen.

„The Mirai“ soll nicht nur eine Sportstätte werden, sondern eine 365 Tage pro Jahr geöffnete Messe samt Events. Für die sportbegeisterte Kundschaft wird der Eintritt gratis sein, sie zahlt dann eher mit ihren Fitness-Daten, die für Unis oder Industrie interessant sind. „Alle reden von Daten-Kraken“, beschwichtigt Schaller. „Ich rede lieber von Informationshäschen.“ Das klinge doch gleich viel freundlicher – und entspreche auch viel eher der „Mirai“-Realität und -Philosophie. Als Athlet sehe man die Arbeit mit Daten eh entspannt: „Was nutzt es, wenn ich mich nicht dauernd selbst vermesse? Auch einem 100-Meter-Läufer fehlt ohne Stoppuhr jede Referenz, um zu wissen, was noch zu verbessern ist.“

Träume vom TV-Kanal

Schaller hat noch viel vor. Der umtriebige „Frührentner“ schaut „mit positivem Neid auf die Fußballbranche, die mit deutlich weniger aktiven Sportlern als der Fitness-Sektor deutlich mehr Aufmerksamkeit erzielt“. Also träumt er bereits vom weltweit ersten 24-Stunden-Fitness-TV-Kanal. Und hatten wir schon die Alpaka-Zucht erwähnt, die er rund um ein noch zu bauendes Firmen-Resort auf Mallorca starten will? Oder die Backkünste des Berliner Schaller-Angestellten Steven, dessen Törtchen nur noch 90 Kalorien auf 100 Gramm enthalten? Auch solche Start-ups will Schaller fördern, seit er die operative Führung seines McFit-Imperiums an Vito Scavo abgegeben hat.

Scavo empfahl sich schon dadurch für den Führungsposten, dass er einst in seiner norditalienischen Heimat McFit so frech kopiert hatte, dass Schaller auf ihn aufmerksam werden musste – und Scavos Filialnetz namens „Happy Fit“ am Ende einfach kaufte. Man musste quasi nur das Namensschild an der Tür austauschen. Apropos: „Zukäufe bleiben auch in Zukunft eine Option für uns“, sagt Schaller. „Es muss nur zu unserer Firmenkultur passen.“

Nun ist Scavo also Chef – und beißt mit Sicherheit gelegentlich in seine Schreibtischkante, denn es vergeht kaum ein Tag, an dem sein 100-Prozent-Eigentümer Schaller nicht mit einer neuen visionären Idee um die Ecke kommt. Die Diskussionen der beiden Alphamännchen sollen – nun ja – intensiv sein, heißt es intern. Kraft-Proben eben. Das Frührentnertum seines Eigentümers hat sich Scavo jedenfalls sicher etwas ruhiger vorgestellt.

Der 1,92-Meter-Mann Schaller wird da womöglich seinem eigenen Vater immer ähnlicher. Der habe sein Leben lang bei Siemens gearbeitet und große Angst gehabt, mit Ende 50 als Frührentner in ein großes Loch zu fallen. Heute habe Schaller Senior einen volleren Terminkalender als in seiner ganzen Berufszeit, lacht der Sohn. Rainer Schaller fängt auch gerade erst an mit dem Frührentnertum.

Mehr: McFit-KonkurrentMit Spielhallen ist die Schmidt-Gruppe groß geworden. Der Chef der zweiten Generation rollt nun mit FitX den Fitnessmarkt auf.

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