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Fleischindustrie Der Schlachtbetrieb Brand setzt auf faire Prinzipien

Ein Schlachtbetrieb kann erfolgreich sein, wenn er seine Mitarbeiter fest anstellt. Das beweist die Firma Brand aus Lohne, die nun expandiert.
05.07.2020 Update: 06.07.2020 - 10:32 Uhr Kommentieren
Der Unternehmer stellt die Mitarbeiter fest ein. Quelle:  Remigius Konietzny / Brand Lohne
Niko Brand

Der Unternehmer stellt die Mitarbeiter fest ein.

(Foto:  Remigius Konietzny / Brand Lohne)

Düsseldorf Die Region Vechta/Cloppenburg ist als „Schweinegürtel“ der Republik bekannt. Rund 3,4 Millionen Borstenviecher werden dort gehalten. Auf elf Schweine kommt ein Einwohner.

Das Familienunternehmen Brand Qualitätsfleisch aus Lohne sieht sich als „Dino der Schlachtbranche“. „In Sachen Mitarbeiter arbeiten wir noch wie ganz früher,“ sagt Niko Brand, der den Schlachtbetrieb in vierter Generation und mit festen Prinzipien führt. „Seit 90 Jahren haben wir nie Werkverträgler in der Schlachtung beschäftigt – aus Überzeugung. Trotzdem sind wir erfolgreich und profitabel“, betont der 31-jährige Niedersachse.

Bis nach Rheda-Wiedenbrück sind es von Lohne aus anderthalb Stunden mit dem Auto. Dort wurde der Schlachthof von Branchenprimus Tönnies vor zwei Wochen stillgelegt. Mehr als 1550 Beschäftigte – überwiegend Werkverträgler aus Südosteuropa – waren mit Corona infiziert. Viele arbeiten für dubiose Subunternehmer und leben oft in engen Unterkünften.

Werkverträge zu Billiglöhnen, die in der Branche weitverbreitet sind, lehnt Brand ab. „Das sind doch alles Menschen, die kann man nicht einfach verhökern“, sagt der Unternehmer, der Maschinenbau studiert und in der Zulieferbranche gearbeitet hat.

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    Sein Vater Paul, lange Jahre Präsident des Verbands der Fleischwirtschaft, hat ihm stets vermittelt: „Mit den Arbeitskräften steht und fällt eine Firma. Wenn es dem Arbeitnehmer gut geht, geht’s auch der Firma gut.“

    Auch sein Sohn Niko Brand ist überzeugt, dass eigene Mitarbeiter viel loyaler und motivierter sind. „Sie arbeiten für die Familie Brand, und wir sind für unsere Leute in der Pflicht.“ Viele Mitarbeiter, die aus diversen Ländern stammen, sind seit Jahrzehnten in Lohne tätig.

    Lieferungen nach China

    Der Familienbetrieb wurde 2015 von der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung (KAB) mit dem „Gütesiegel gute Arbeit“ ausgezeichnet. „Familie Brand aus Lohne zeigt, dass es möglich ist, die Mitarbeiter in der Schlachtung fest anzustellen und trotzdem profitabel zu wirtschaften. Daran sollten sich die großen Schlachter ein Beispiel nehmen“, lobt Matthias Brümmer, Geschäftsführer der Gewerkschaft NGG Oldenburg. Auch Unternehmen wie Böseler Goldschmaus und Steinemann kämen ohne Werkverträgler aus, so Brümmer.

    Der interne Mindestlohn liegt bei Brand mit elf Euro über dem gesetzlichen. Allerdings kann ein Alleinverdiener damit keine Familie nach Deutschland holen, dessen ist sich auch Brand bewusst. Deshalb will er künftig den Lohn anheben und verstärkt bezahlbaren Wohnraum für seine Beschäftigten aus dem Ausland vorhalten.

    Abnehmer von Brand-Fleisch sind meist kleine Metzgereien und andere mittelständische Firmen der Fleischindustrie. Das Familienunternehmen mit knapp 200 Beschäftigten liefert bis nach China. „Das ist für uns ein wichtiger Markt“, sagt Brand.

    Nach China gehen zum Beispiel Ohren und Pfoten. Alles, was in Deutschland kaum Abnehmer findet, gilt dort als Spezialität. „Wir waren einer der ersten Fleischbetriebe mit China-Lizenz“, erzählt der Unternehmer, der oft nach Asien fährt.

    Anders als in Schlachtkonzernen wie Tönnies wird bei Brand nicht rund um die Uhr, sondern im Einschichtbetrieb an fünf Tagen die Woche gearbeitet. „Qualität geht hier immer vor Geschwindigkeit“, sagt Brand.

    In Lohne werden 2000 bis 3000 Tiere am Tag geschlachtet, meist Schweine aus Strohhaltung, Aktiv- oder Offenställen. Verschiedene seltene und extrem hochpreisige alte Schweinerassen kommen ebenfalls an den Haken. Zum Vergleich: Bei Tönnies in Rheda werden bis zu 30.000 Schweine am Tag geschlachtet und zerlegt – meist für Großabnehmer.

    Auch Brand ist vor Kurzem in die Zerlegung von Schweinen eingestiegen. Auf die Schnelle waren nicht genügend erfahrene Mitarbeiter zu bekommen, deshalb ist er vorübergehend auf einen Werksvertragsdienstleister angewiesen.

    „Für solche Fälle ist ein Werkvertrag ja ursprünglich auch gedacht. Wir sind dabei, diese Mitarbeiter alle fest bei uns einzustellen“, versichert Brand, der in diesem Jahr 100 Millionen Euro Umsatz erwartet. Dafür stockt er auch seine Personalabteilung auf.

    Seine Branche ist schon lange in Verruf, weiß Brand. „Lange Jahre wurde immer nur das glückliche Schwein im Stroh gezeigt und nicht die Haltung, die heute Realität ist. Auch die Schlachtung wurde immer ausgeblendet. Das war falsch“, meint er selbstkritisch.

    Transparenz sei wichtig. Deshalb lässt er Kamerateams und Schulklassen ins Schlachthaus. „Wir Schlachter müssen uns nicht verstecken.“

    Mehr: Coronakrise stellt Tönnies’ Chinapläne auf die Probe.

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