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Fleischkonzern Clemens Tönnies macht lukrative Apartment-Geschäfte

Der Unternehmer verdient offenbar gutes Geld mit Wohnungen für Studenten. Trotz Kritik will er das Konzept nun auf osteuropäische Arbeiter ausweiten.
10.08.2020 - 11:01 Uhr 1 Kommentar
Die Wohnanlagen sollen als Muster für die neuen Tönnies-Arbeiterwohnungen dienen. Quelle: dpa
Studentenwohnheim in Lemgo

Die Wohnanlagen sollen als Muster für die neuen Tönnies-Arbeiterwohnungen dienen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die Wohnanlage am Lüttfeld in Lemgo fällt auf. Wie weiße Würfel sehen die Häuser aus, die 2018 hier errichtet wurden und seither weit über 100 Studenten der örtlichen Technischen Hochschule beherbergen. 147 Wohnungen umfasst der Komplex, vollmöblierte kleine Ein-Zimmer-Apartments. Rund 90 Prozent der Wohnungen sollen vermietet sein.

Als Vater des Projekts taucht in der Presse vor allem Marco Mikliß auf, der als Bauherr und Geschäftsführer der Lemgoer Firma Ambient Bau den Wohnpark errichten ließ. Die Studentenwohnungen werden von der HVO Hausverwaltung OWL GmbH & Co KG verwaltet, deren Geschäftsführer ebenfalls Mikliß ist.

Doch hinter den Lemgoer Studentenwürfeln steht ein anderer. Was die meisten Bewohner der Apartments nicht wissen dürften: Sie wohnen in Unterkünften, die dem Schlachthofbetreiber Clemens Tönnies gehören. Der 64-Jährige steht seit Monaten in der Kritik wegen einer Vielzahl von Coronavirus-Infektionen am Stammsitz seines Unternehmens in Rheda-Wiedenbrück und der Unterbringung seiner Arbeiter.

Nun will Tönnies genau in diesem Bereich sein weiteres Standbein ausbauen – mit der Vermietung von Wohnraum an Arbeiter aus Osteuropa. Die Studentenapartments sollen die Blaupause für rund 1500 Wohnungen sein, in denen er künftig bis zu 3000 ausländische Beschäftigte unterbringen will.

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    Vor wenigen Tagen präsentierte Daniel Nottbrock, Geschäftsführer der Tönnies-Holding, die Idee der Öffentlichkeit. Das Motto: „Tönnies schafft Wohnraum.“ Man wolle die Menschen künftig langfristig binden. Nottbrock: „Der erste Schlüssel dafür sind gut ausgestattete Wohneinheiten zu ortsüblichen, marktüblichen Mietpreisen.“

    Der Fleischunternehmer steht seit Monaten in der Kritik. Quelle: dpa
    Clemens Tönnies

    Der Fleischunternehmer steht seit Monaten in der Kritik.

    (Foto: dpa)

    Die Erfahrung zeigt: Was „üblich“ bedeutet, definieren Unternehmer gern nach eigenem Gutdünken. Die Arbeiterwohnungen sollen zu ähnlichen Preisen vermietet werden wie die Studentenapartments. Die sind nach Recherchen des Handelsblatts aber schwer als ortsüblich zu bezeichnen.

    „Das ist schon üppig“

    So sieht der aktuelle Mietspiegel in Lemgo selbst für Wohnungen in guter Lage maximal 7,30 Euro pro Quadratmeter vor. Bei 27 Quadratmetern, der üblichen Größe der Apartments, entspräche das einer Kaltmiete von 197,10 Euro – wenn man denn die Siedlung am Lüttfeld als gute Lage bezeichnen kann. Andernfalls wären es bei mittlerer Lage maximal 6,90 Euro.

    Vermietet werden die Tönnies-Studenten-Wohnungen aber für 425 Euro. Zwar sind sie möbliert. Enthalten sind darin zudem Heiz- und Stromkosten sowie ein Internetzugang. Aber diese Kosten sind nie annähernd so hoch wie die Kaltmiete selbst, geschweige denn höher. „Das ist schon sehr üppig“, sagt Ralf Brodda, Geschäftsführer des Mieterbundes Ostwestfalen-Lippe.

    Bei Tönnies will man dazu nichts sagen. Der Konzern verweist an jene Firma, der die Studentenwohnungen gehören und deren Alleingesellschafter Clemens Tönnies ist. Dort verweist man wieder an den Konzern.

    Daniel Nottbrock, Geschäftsführer der Tönnies Holding, in einem neu gebauten Studentenwohnheim. Quelle: dpa
    Studentenküche

    Daniel Nottbrock, Geschäftsführer der Tönnies Holding, in einem neu gebauten Studentenwohnheim.

    (Foto: dpa)

    Volker Richter, Vorsitzender des runden Tisches zur Situation von Werkvertragsarbeitnehmern in Gütersloh, fordert, dass die geplanten Arbeiter-Wohnungen „zum Selbstkostenpreis an die Mitarbeiter vermietet werden“. Die menschenwürdige Unterbringung sei kein Renditeobjekt, sagt der SPD-Politiker, sondern in diesem Fall „die ethische Verpflichtung des ehrbaren Kaufmanns“. Schließlich werde ja schon aus dem Arbeitsverhältnis selbst Gewinn erwirtschaftet.

    Ob er damit bei Clemens Tönnies auf offene Ohren trifft, scheint fraglich. Der durchsetzungsstarke Unternehmer hat auch in der Vergangenheit eher auf das rechtlich Mögliche als auf das moralisch von seinen Kritikern Erwünschte gesetzt. So hatte er zuletzt staatliche Entschädigung für die Schließung seines Betriebs beantragt, was ihm einen Sturm der Empörung eingebracht hatte. Auch sein Amt als Aufsichtsratschef bei Schalke 04 hatte er erst aufgegeben, als die öffentliche Kritik wohl keinen anderen Weg mehr zuließ.

    Tönnies stellt sich laut eigener Pressemitteilung für eine Single-Arbeiterwohnung von 16 Quadratmetern 300 Euro Warmmiete vor, für ein 27 Quadratmeter großes Paar-Apartment 400 bis 450 Euro im Monat – und das bei bisherigen Arbeitslöhnen zwischen 1000 und 1500 Euro netto.

    Von dem Unternehmen heißt es, man erhalte viel Zuspruch für die Pläne. Da die Paar-Wohnungen voll ausgestattet sowie Strom- und Heizkosten in den Preis integriert sein sollen, liege die vergleichbare Kaltmiete bei 27 Quadratmetern rund 75 Euro niedriger.

    Damit erhalte eine Person diese Gesamtleistungen für insgesamt 160 bis 175 Euro Kaltmiete im Monat. „Wir sehen hier im Vergleich zu anderen Kleinflächen-Mieten definitiv einen sehr guten Preis für ein Neubau-Apartment“, sagt ein Sprecher.

    Städtische Wohnheime sind günstiger

    Tönnies führt deshalb das Wohnprojekt unbeirrt fort. „Grundsätzlich steht es natürlich jedem zukünftigen Mitarbeiter frei, sich selbst Wohnraum anzumieten“, sagt ein Sprecher. Jeder Interessent könne die Tönnies-Apartments „ruhig einmal mit ähnlichen Angeboten vergleichen“.

    Das Handelsblatt hat verglichen. Der Stadt Lemgo gehören ebenfalls einige möblierte Studentenwohnungen. Sie liegen in der Nähe der Tönnies-Apartments. Auch bei ihnen sind Heiz- und Stromkosten inklusive. Zwar sind sie schon älteren Baudatums. Aber sie kosten bei 27 Quadratmetern nur 311 Euro. Für Einzelapartments mit 14 Quadratmetern verlangt die Stadt nur 179 Euro. Was bei der Stadt also in etwa die Warmmiete ist, verlangt Tönnies als Kaltmiete.

    „Unsere Schwierigkeit ist leider, dass wir hohen Mieten rechtlich nicht beikommen“, sagt Mieterbund-Geschäftsführer Brodda. „Die Mietpreisüberhöhung in Paragraf fünf Wirtschaftsstrafgesetz hat so hohe Hürden, dass Mieter sich in der Regel nicht darauf berufen können. Die Mietpreisbremse gilt in Lemgo nicht, sodass wir nur politisch fordern können, etwas zu unternehmen.“

    Vergangene Woche hat das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf beschlossen, der dem System der Ausbeutung in der Fleischbranche ein Ende setzen soll. Als Reaktion auf die Kritik präsentierte der Schlachtkonzern sein Konzept zur künftigen Unterbringung seiner Arbeiter. Als Vorbild brachte Geschäftsführer Nottbrock die Lemgoer Studentenwohnungen ins Spiel – wohl auch, weil er bestens über sie Bescheid weiß.

    Nottbrock ist nicht nur Geschäftsführer der Holding. Er steht auch im Dienste einer Gesellschaft mit dem Namen Asset Investment GmbH, die den Wohnpark in Lemgo laut Bauherr Mikliß von ihm erwarb.

    Asset Investment verwaltet laut Handelsregister vor allem Immobilien und Beteiligungen, und zwar eines einzigen Gesellschafters: Clemens Tönnies. Sie ist eine kleine, aber wohlhabende Firma. Mit nur einem Mitarbeiter betreut Nottbrock ein Vermögen von mehr als 53 Millionen Euro.

    Mehr: Was es mit den 15 neuen Tönnies-Tochterfirmen auf sich hat.

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    1 Kommentar zu "Fleischkonzern: Clemens Tönnies macht lukrative Apartment-Geschäfte"

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    • Das Geschäft, was bisher irgend welche dubiosen Vermieter mit Schrott-Immobilien gemacht haben, kann man ja auch selber machen! Da kann es einem schlecht werden; (...) Das ist Kapitalismus pur! Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich. 

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