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Fleischkonzern Familienstreit bei Tönnies: „Mein Onkel will mich zum Schnäppchenpreis herausdrängen“

Robert Tönnies fühlt sich von seinem Onkel Clemens mit einer Mega-Investition in China überrumpelt. Er pocht auf einen geregelten Verkauf des Konzerns.
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Familienstreit bei Tönnies geht weiter Quelle: dpa
Clemens und Robert Tönnies (v.li.)

Liegen weiter über Kreuz.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Der Machtkampf innerhalb Deutschlands mächtigster Fleischerfamilie geht weiter: Robert Tönnies, dem die Hälfte des Schlacht- und Fleischkonzerns aus Rheda-Wiedenbrück gehört, hat die Auskunftsklage vor dem Landgericht Bielefeld, die an diesem Freitag verhandelt werden sollte, kurzfristig wieder zurückgezogen, wie beide Seiten gegenüber dem Handelsblatt bestätigten. Zuerst hatte das „Manager Magazin“ darüber berichtet.

Bei der Klage ging es um eine geplante Mega-Investition der Tönnies-Gruppe in China. Robert hatte sich dabei von seinem Onkel Clemens, Geschäftsführer und Mitgesellschafter, überrumpelt und unzureichend informiert gefühlt.

„Die Geschäftsleitung hat in letzter Sekunde unter dem Druck des anstehendenden Gerichtstermins die nötigen Unterlagen geliefert“, teilte Robert Tönnies auf Anfrage des Handelsblatts mit. „Es ist bedauerlich, dass die Geschäftsleitung mein mir vertraglich zustehendes Auskunfts- und Informationsrecht wiederum erst nach Einleitung von Rechtsmitteln erfüllt.“ Das zeige wieder einmal, dass Clemens Tönnies den Einigungsvertrag mit Füßen trete.

Die Familie des Onkels und der Neffe liegen seit Jahren über Kreuz. Beiden Parteien gehört je die Hälfte des Unternehmens. 2017 gab es eine Versöhnung, die mit einem komplizierten Einigungsvertrag besiegelt wurde.

Doch der „Westfälische Friede“ hielt nicht lange. Robert Tönnies, 41, will nun zeigen, dass das Verhältnis der beiden Parteien zerrüttet ist. In diesem Fall ist laut Einigungsvertrag ein Verkauf des Unternehmens möglich. Robert Tönnies, der mit der Strategie seines Onkels unzufrieden ist, möchte, dass sich die Gesellschafter trennen und forciert einen baldigen Verkauf. Der Onkel ist dagegen.

Zerrüttung würde Verkauf auslösen

Das Vorgehen im Fall der geplanten China-Investition füge sich nach Ansicht von Robert Tönnies klar in die Strategie von Clemens Tönnies, „mich zum Schnäppchenpreis aus dem Unternehmen herausdrängen“. Für den Neffen „ein unhaltbarer Zustand“. „Es wäre besser, wenn man sich endlich unter den fairen Regelungen des Einigungsvertrages trennt. Dazu ist mein Onkel leider derzeit nicht bereit“, so Robert Tönnies.

Die Geschäftsführung des Tönnies-Konzerns widerspricht der Darstellung: „Wenn Robert Tönnies behauptet, erst jetzt die geforderten Informationen über unser geplantes China-Joint-Venture erhalten zu haben, ist das unzutreffend“, sagte Daniel Nottbrock, Geschäftsführer der Tönnies Holding. „Unsere Geschäftsführung hat ihm und dem gesamten Beirat alle vorliegenden Informationen bereits zur Verfügung gestellt. Die eingeleiteten gerichtlichen Schritte waren von Anfang an überflüssig.“

Die Geschäftsführung des Fleischkonzerns verwahre sich entschieden gegen die „öffentliche Inszenierung von Robert Tönnies“. Dieser hatte in Zusammenhang mit dem geplanten China-Investment geäußert, er „mache sich Sorgen, dass Clemens Tönnies an Größenwahn erkrankt sein könnte“.

Ende September hatte Clemens Tönnies angekündigt, im Joint-Venture mit der chinesischen Dekon-Gruppe insgesamt 500 Millionen Euro in der Provinz Sichuan investieren zu wollen. Zunächst solle ein Schlacht- und Zerlegezentrum in China für zwei Millionen Schweine gebaut werden, das dann für sechs Millionen Schweine erweitert werde. Clemens Tönnies nannte die geplanten China-Investitionen einen „Meilenstein in der Firmengeschichte“.

Nach Sichtung der Unterlagen hat sein Neffe nun erklärt, das Investitionsvolumen liege deutlich unter den in der Presse genannten 500 Millionen Euro, aber deutlich über der Zehn-Millionen-Grenze. Ab dieser müsse der Beirat zustimmen. In der Beiratssitzung im Dezember soll nun über das Thema diskutiert werden.

Das juristische Tauziehen geht indes weiter: Vor einem Schiedsgericht hatte Robert Tönnies gegen seinen Onkel Clemens, 63, und dessen Sohn Max Klage eingereicht, die zusammen 50 Prozent des Familienunternehmens halten. Es geht dem Sohn des Firmengründers Bernd Tönnies darum, festzustellen, dass das Verhältnis zu seinem Onkel Clemens zerrüttet sei.

Eine solche Zerrüttung löst einen Mechanismus aus, der einen geregelten und offenen Verkaufsprozess in Gang setzen soll. Der Streitwert beläuft sich auf 600 Millionen Euro. Das Verfahren dürfte Insidern zufolge wohl ein bis drei Jahre bis zu einer Entscheidung brauchen.

Die Tönnies-Gruppe mit weltweit rund 16.000 Mitarbeitern hat 2018 mit dem Schlachten von Schweinen und Rindern einen Umsatz von 6,65 Milliarden Euro erzielt – das waren 3,5 Prozent weniger als im Vorjahr.

Mehr: Tönnies-Streit eskaliert: Robert Tönnies fühlt sich erneut von seinem Onkel Clemens getäuscht. Er sorgt sich, ob dieser an Größenwahn leide.

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