Floris van Bommel Wie drei niederländische Brüder mit ihrer Schuhfirma Deutschland erobern

Das Führungs-Trio der niederländischen Schuhfirma Floris van Bommel könnte unterschiedlicher kaum sein. Genau das ist die Stärke der Brüder.
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Das Unternehmen der Brüder wächst jährlich zwischen fünf und acht Prozent. Dieses Jahr dürften rund 600.000 Schuhe verkauft werden. Quelle: Uta Wagner für Handelsblatt
Die Brüder van Bommel

Das Unternehmen der Brüder wächst jährlich zwischen fünf und acht Prozent. Dieses Jahr dürften rund 600.000 Schuhe verkauft werden.

(Foto: Uta Wagner für Handelsblatt)

DüsseldorfFamilienunternehmen neigen mitunter zu langatmig staatstragenden Unternehmenshistorien. Humor und erst recht Selbstironie sind in vielen Clans ähnlich beliebt wie chinesische Großinvestoren oder ein Börsengang. Aber es gibt eine Firma, die sich in der eigenen Werbung sogar über ihr Geburtsjahr lustig macht: „1734... und noch immer keinen Plan“, haben die Eigentümer bereits gewitzelt. Oder sogar: „1734 ... bla bla bla.“

Und es war eine Menge „Blablabla“, seit die Brüder Adrianus und Christianus van Bommel vor über 280 Jahren damit anfingen, im niederländischen Breda Schuhe herzustellen. Man überlebte Weltkriege, Brandkatastrophen, Wirtschaftskrisen und wurde sogar „Hoflieferant“ des niederländischen Königshauses. Herrenschuhe als solche blieben indes von einer gewissen Kontinuität geprägt, man kann auch sagen: Sie sind vielerorts noch immer so sturzlangweilig wie vor hundert Jahren.

So kam Frans van Bommel (die achte Generation) schon 1996 auf die Idee, eine jüngere, frechere Schuhmarke aufzubauen, für die er auch schnell einen Namen hatte: „Floris van Bommel“, benannt nach seinem mittleren Sohn, was die anderen beiden durchaus akzeptierten. Nicht nur weil ihre Vornamen einfach weniger verkaufsfördernd klingen: Reynier und Pepijn.

Floris wollte ursprünglich nicht mal in die Firma einsteigen, sondern lieber als Comedian oder Rockmusiker durch die Lande ziehen. Drei Jahre später ließ er sich dann doch überzeugen, auch weil ihm der Papa größtmöglichen kreativen Freiraum versprach. Mittlerweile hat der Patriarch den Söhnen das Geschäft überlassen. Floris ist für Design und Marketing der nach ihm benannten Marke verantwortlich, während sich Reynier als CEO um die Finanzen kümmert und Pepijn, der Jüngste des Trios, den Vertrieb managt.

„Wir haben unterschiedliche Talente und Qualitäten“, sagt Pepijn. Das helfe sehr. Unterschiedlicher könnten die drei tatsächlich kaum sein. Da der kleine, ebenso quirlige wie geschäftsmännische Reynier mit seiner schweren Hornbrille. Dort der jugendliche Pepijn. Und hier der ruhige, fast schüchterne Freizeit-Rocker und Ford-Mustang-Fan Floris, immer noch am liebsten in zerknautschter Lederjacke unterwegs und derart gut aussehend, dass sie ihn frühzeitig auch zum Gesicht der Marke gemacht haben.

Regelmäßig darf er mittlerweile arbeiten, wo andere Urlaub machen: Zweimal im Jahr fährt er mit kleinem Team los, mal nach Alaska, Indien oder nach Kuba, um eine aktuelle Imagekampagne zu produzieren. Floris van Bommel als einsamer Weltenbummler und digitaler Nomade.

Da steht er dann mal im Schnee, mal im Dschungel. Die Schuhe sieht man meist gar nicht, was er auf deutschen Fachmessen, wo sie erst recht keinen Spaß verstehen, oft erklären muss: „Ehrlich gesagt tut das dem kreativen Prozess nur gut, wenn wir uns nicht dauernd darauf konzentrieren müssen, dass auch unsere Ware im Bild zu sehen sein muss. Umso eher können wir Gefühle transportieren.“ Und das mit den Gefühlen klappt offenbar gut.

Das Unternehmen wächst jährlich zwischen fünf und acht Prozent. Rund 600.000 Paar Schuhe dürften dieses Jahr verkauft werden, die Mehrheit davon mittlerweile unter dem jugendlichen Zweitmarken-Label Floris van Bommel. Und gerade dessen Image strahlt in seiner lässigen Unangepasstheit längst auch aufs traditionelle Stammgeschäft ab.

Das gemeinsame Ziel des Trios ist klar: die Eroberung des deutschen Marktes, der neben Belgien das Haupt-Exportland der Brüder ist (in den Niederlanden kennt sie ohnehin jedes Kind). Regelmäßig eröffnen die (über)fliegenden Holländer in Deutschland eigene Shops. Jedes halbe Jahr soll ein neuer dazukommen, ohne die klassischen deutschen Einzelhändler zu verprellen, die’s ja auch nicht einfach haben in Zeiten der Digitalisierung.

„Die van Bommels haben das bislang hochprofessionell gemacht und sind in ihrer Nische hervorragend aufgestellt“, sagt Sabine Meister von der gleichnamigen Strategieberatung aus München. Die Branche allerdings habe „zu kämpfen. Der Schuhmarkt hat sich sehr beruhigt, der Wettbewerb ist hart geworden.“

Ein wenig „mehr Porno“

Ähnlich sieht das Günter Althaus, Chef der Verbundgruppe ANWR, in der europaweit rund 6000 Schuh- und Sporthändler organisiert sind: „Die Branche dürfte die Talsohle erreicht haben. Probleme gibt es jetzt allenfalls noch, wo Geschäfte sich nicht klar positionieren und wo ein Überangebot an Flächen besteht, das schlicht abgebaut werden muss.“ Aber mit Produzenten wie dem niederländischen Trio ist ihm nicht bange: „Die haben es geschafft, ihr klassisches Qualitätsversprechen mit guten Passformen und frechem Design zu kombinieren.“

Was anderen fehlte: Mut zum Wandel. Floris van Bommel zum Beispiel versucht, seinen Entwürfen immer etwas „mehr Porno“ zu schenken. Das können dann auch mal knallgelbe Wildleder-Schnürschuhe sein oder mehrfarbige Lederpumps für das – noch kleine – Damengeschäft der Schoenfabriek Wed. J.P. van Bommel, die ihren Sitz im kleinen Örtchen Moergestel nordwestlich von Eindhoven hat. Dort wird – neben einer Fabrik in Portugal – auch noch immer produziert.

In Moergestel wurde erst jüngst ein neuer Besucherrundgang samt Museum und Kino fertiggestellt. Die Schuhmacherei mit ihren 280 Arbeitsschritten soll dort erlebbar werden wie die Schuhe selbst.

Floris van Bommel wünscht sich, dass man seine Modelle gern anfasst, wenn man sie im Laden sieht. „Die Männer werden generell modebewusster.“ Besonderes Augenmerk legt der 43-Jährige auf ein Schuhteil, das man früher kaum wahrnahm: die Sohlen. Da wird dann auch schon mal absichtlich fehlerhaft der Begriff „Foodware“ eingestanzt oder eine Sammlung aller Mitarbeiter-Vornamen aus seiner Abteilung.

Und das gefällt immer auch seinen Brüdern, die seine crazy Kreationen ja letztlich finanzieren beziehungsweise verkaufen müssen? Was ist überhaupt das Erfolgsrezept des Trios? Seit der gemeinsamen Jugend verstünden sie sich „aufs Kämpfen“, lacht Pepijn. Das sei Vor- und Nachteil gleichermaßen: Man kennt die gegenseitigen Stärken und Schwächen. Sie wüssten genau, welche Knöpfe sie drücken müssen, um bestimmte Reaktionen zu provozieren. Ihr wichtigstes Erfolgsgeheimnis, da sind sich alle van Bommels einig, sei ihre „Stabilität“.

Apropos: Für eine nächste – die zehnte – Generation von Schuhmachern stehen die Chancen nicht schlecht. Ein halbes Dutzend Clan-Sprösslinge schickt sich an, in die Fußstapfen seiner Väter hineinzuwachsen. The shoe must go on.

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1 Kommentar zu "Floris van Bommel: Wie drei niederländische Brüder mit ihrer Schuhfirma Deutschland erobern"

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  • Liest sich wie eine versteckte Werbeeinschaltung.

    Den Holländern kaufe ich sowieso nichts ab. Da unterstütze ich lieber die heimischen Schuhhändler. Den Ausländern muss man das Geld ja nicht unbedingt in den Rachen werfen.

    Kauft bei einheimischen Unternehmen.

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