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Freighthub Start-up-Gründer Ferry Heilemann digitalisiert die Logistikbranche

Seine erste Firma hat er zweimal verkauft: erst an Google, dann an einen Rivalen. Jetzt plant er den nächsten Coup – diesmal in der Logistikbranche.
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2009 gründete Heilemann mit seinem Bruder die Online-Gutscheinplattform Daily Deal, die die beiden nach zwei Jahren für etwa 110 Millionen Euro an Google verkauften. Quelle: Hoffotografen
Ferry Heilemann

2009 gründete Heilemann mit seinem Bruder die Online-Gutscheinplattform Daily Deal, die die beiden nach zwei Jahren für etwa 110 Millionen Euro an Google verkauften.

(Foto: Hoffotografen)

Hamburg An diesem schönen Sommermorgen ist Ferry Heilemann, 31, schon sehr früh mit dem ICE von Berlin nach Hamburg gefahren. Der stattliche junge Mann mit dem vollen, zurückgekämmten Haar trägt zum weißen Hemd, dessen beide oberste Knöpfe arbeitslos sind, einen hellgrauen Anzug und ein breites Lachen. Er sagt: „Wir machen zwar zwei Drittel unseres Umsatzes mit Seefrachtsendungen. Aber das ist nicht der Grund, weshalb ich öfter hier im Hafen von Hamburg bin. Unser Geschäft ließe sich von überall auf der Welt gleichermaßen betreiben.“

Tatsächlich ist Heilemann mit seiner 2016 gegründeten Speditionsfirma Freighthub angetreten, die noch weithin analog funktionierende Logistikbranche aufzumischen – und zwar mit einer digitalen Plattform, die sämtliche Schritte der Abwicklung von globalen Luftfracht- und Seefrachtsendungen inklusive Verzollung und Versicherung abbildet.

Oder anders ausgedrückt: Freighthub möchte nicht nur Airbnb oder Uber nacheifern, den Pionieren der sogenannten Share Economy, und bloß Container für Kunden vermitteln – ähnlich wie es die bekannten Vorbilder mit Zimmern und Autos tun. Freighthub will stattdessen Frachtkunden mit Reedern und Lkw-Transporteuren auf einer digitalen Plattform versammeln und anschließend die Dienstleistung, also den Transport, auch komplett abwickeln.

„Wenn wir wirklich guten Service liefern wollen, müssen wir die gesamte Lieferkette abbilden“, sagt Heilemann. Schlichte Onlinevermittlung bringe den Kunden zu wenig Mehrwert. „Wir geben unseren Kunden die komplette Transparenz über alle Versendungen, verbessern die Verlässlichkeit durch automatisierte Prozesse und reduzieren den Zeitaufwand für unsere Kunden.“

Das alles handhabt Heilemann von Berlin aus. Nach Hamburg kommt er trotzdem regelmäßig, nicht wegen der großen Seeschifffahrtsunternehmen, sondern weil dort nahe dem Hafen einer seiner wichtigsten Berater und Kontrolleure sitzt: der ehemalige Chef von Roland Berger, Burkhard Schwenker.

Schwenker, inzwischen 60 Jahre alt, gehört dem Aufsichtsrat von Freighthub vom Start weg an, weil er als „Kleinaktionär“, wie er es selbst ausdrückt, investiert ist. Und weil er die Branche für „einmalig spannend“ hält. Als früherer Roland-Berger-Chef muss er es wissen: „Nach Industrie 4.0 ist jetzt die Digitalisierung der Logistik das nächste ganz große Thema, weil der digitale Boden in den meisten Unternehmen inzwischen bereitet ist und jetzt die Lieferketten umgestellt werden.“

Die Logistikbranche gilt hierzulande als stark fragmentiert. Die drei größten Unternehmen DHL, DB Schenker und Kühne + Nagel kommen zusammen auf gerade einmal etwas mehr als 20 Prozent Marktanteil. Dahinter folgen in zweiter Reihe Firmen wie Fiege und Schockemöhle und ungezählte mittelständische Unternehmen, denen Freighthub mit seinen inzwischen knapp 100 Mitarbeitern Kunden abjagen möchte.

Zu Heilemanns Geldgebern, insgesamt hat er 23 Millionen Dollar an Risikokapital gewinnen können, gehören neben Schwenker weitere prominente Namen aus der Venture-Capital-Szene, darunter Northzone, Global Founders Capital, Cherry Ventures, die indische Unternehmerfamilie Mittal und La Famiglia, jener Fonds, in dem sich Mitglieder namhafter Unternehmerfamilien (Miele, Viessmann, Siemens) zusammengeschlossen haben, um eine Brücke zu bauen zwischen alter und neuer Welt, zwischen etablierten und jungen Unternehmen.

Gründerfirmen, so die Idee bei La Famiglia, sollen mit ihren meist neuen Dienstleistungen und Produkten schneller mit potenziellen Kunden in Berührung kommen. Derart ließen sich aufseiten der Start-ups leichter erste Referenzkunden und damit auch signifikante Erlöse erzielen, erklärt Jeannette zu Fürstenberg, Managing Partner bei La Famiglia. „Und der bereits etablierte Kunde bekommt womöglich früh Zugang zu neuen Technologien.“

So ist das auch bei Freighthub. Die Software und Dienstleistung des Berliner Start-ups kommt beispielsweise schon beim Heizungsbauer Viessmann, beim Online-Möbelversender Home 24 sowie bei Miele zum Einsatz. Wann immer Aufsichtsrat Schwenker oder Fondsinitiatorin Fürstenberg Türen öffnen können, helfen sie mit ihren breit gefächerten Kontakten. Neulich erst war Schwenker zusammen mit Heilemann beim Hamburger Großzuckerhändler August Töpfer.

Umsatz bewegt sich stetig nach oben

Der Plan scheint für den Moment zumindest aufzugehen. Der Umsatz von Freighthub, so versichert es Heilemann, ohne im Detail konkret werden zu wollen, bewege sich im steten Schwung nach oben und habe bereits achtstellige Ziffern erreicht. Und auch die Wachstumsraten folgten dem typischen Zyklus junger Unternehmen.

Im ersten Jahr seien die Erlöse entsprechend um das Elffache gewachsen. Im jetzt laufenden zweiten Jahr werde in etwa eine Vervierfachung erwartet. Für 2016 wies Freighthub im Geschäftsbericht einen Jahresfehlbetrag von 0,7 Millionen Euro aus und hat wohl auch 2017 rote Zahlen geschrieben.

Dabei hat Heilemann, der bei Freighthub mit seinen Geschäftsführerkollegen Erik Muttersbach und Michael Wax weiter die Mehrheit der Anteile hält und Betriebswirtschaft studiert hat, trotz seines jungen Alters bereits viel Erfahrung als Unternehmenschef. 2009 gründete er gemeinsam mit seinem Bruder die Online-Gutscheinplattform Daily Deal, die die beiden nach zwei Jahren für etwa 110 Millionen Euro an Google verkauften. Fortan führten die Brüder Daily Deal unter dem Google-Dach samt der 300 Mitarbeiter weiter, ehe der Internetriese die Firma wieder verkaufte, weil sie offenbar doch nicht ins Portfolio passte.

Die Brüder kauften die Anteile zurück und mussten zunächst restrukturieren, „weil wir damals jeden Monat eine siebenstellige Summe verbrannt haben“. Als diese Phase abgeschlossen war, veräußerten sie Daily Deal ein zweites Mal, diesmal an die Berliner Mensch Danke GmbH, ein anderes Gutscheinportal.

Sein Bruder ist seitdem Investor. Ferry Heilemann suchte aber auch nach einer neuen Betätigung als Gründer. Schnell kam ihm die Logistikbranche in den Sinn, und das aus zwei Gründen: „Der Markt war und ist stark zersplittert und war und ist noch sehr wenig digital.“

Inzwischen hat der digitale Umbruch die Branche weithin erfasst. Größter Konkurrent von Freighthub ist Flexport aus Kalifornien, eine Firma, in die bekannte Namen aus dem Silicon Valley wie Peter Thiel oder Google Ventures investiert haben. Das in San Francisco beheimatete Start-up wird inzwischen mit nahezu einer Milliarde Euro bewertet, einem Wert, der zeigt, dass auch renommierte Investoren an das Geschäftsmodell glauben.

In der ersten Zeit nach der Gründung konzentrierte sich Flexport vor allem auf den Transport zwischen Nordamerika und Asien. Jetzt deutet die Eröffnung eines neuen Büros in Hamburg darauf hin, dass die Amerikaner verstärkt auch Dienstleistungen von und nach Deutschland durchführen wollen.

Ferry Heilemann sagt: „Das schreckt mich nicht. Der Markt ist wahrlich groß genug für mehrere Anbieter.“

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