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Freizeitartikelhersteller Kettler ist gerettet – Investor übernimmt 500 Mitarbeiter

Die Beteiligungsgesellschaft Lafayette übernimmt den Kettcar-Hersteller. Erst eine Neuordnung der Kettler-Stiftung ermöglichte die Rettung.
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Ein Investor übernimmt das Unternehmen und rund 500 Mitarbeiter. Quelle: dpa
Kettcar-Hersteller Kettler

Ein Investor übernimmt das Unternehmen und rund 500 Mitarbeiter.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Insider berichten, dass in der Nacht zum Donnerstag noch verhandelt wurde. Nun ist klar: Die deutsche Beteiligungsgesellschaft Lafayette Mittelstand Capital übernimmt die Vermögenswerte des Freizeitartikelherstellers Kettler in einem sogenannten Asset Deal. Dazu zählen die Sparten Gartenmöbel, Sport- und Fitnessgeräte sowie die Produktion des im Jahr 1961 erstmals hergestellten Kettcar.

Am Donnerstag ist der Kaufvertrag unterzeichnet worden, der auch die Marken- und Lizenzrechte mit umfasst. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Es ist ein erster Schlusspunkt kurz vor Weihnachten. Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass sich das 1949 gegründete Unternehmen von rund 170 Mitarbeiter trennt. Sie werden in den kommenden Wochen in eine Transfergesellschaft wechseln.

Die anderen rund 500 Arbeitsplätze in den Werken in Soennern , Ense-Parsit und Werl sollen erhalten bleiben und in die neue Kettler Gruppe im Rahmen eines Betriebsübergangs wechseln. In der Mitteilung heißt es weiter, dass Unternehmen setze rund 100 Millionen Euro um.

Der bisherige Geschäftsführer Olaf Bierhoff soll an der Spitze der neuen Kettler Gruppe die Wende schaffen. „Dank der tatkräftigen Mitwirkung aller Beteiligten konnten wir nach einem zu Beginn recht schwierigem Prozess nun eine Lösung erarbeiten, welche dem Unternehmen erlauben sollte, erstmals nach langer Zeit sich wieder auf Wachstum und der Dienstleistung für Kettler begeisterte Kunden und Händler fokussieren zu können“, sagte Bierhoff.

Unruhige Zeiten liegen hinter dem Unternehmen

Nach Angaben von Kettler und Lafayette stehe der Kaufvertrag noch unter Gremienvorbehalt und weiteren vereinbarten Bedingungen. Doch die Zeit drängt, denn der Kaufvertrag wird erst rechtswirksam, wenn die Bedingungen noch in diesem Jahr erfüllt werden.

Seit 2015 befand sich das Unternehmen in unruhigen Zeiten. Damals meldete das von Heinz Kettler gegründete Unternehmen erstmals Insolvenz in Eigenregie an – unter anderem, um einen Finanzinvestor von einem Einstieg abzuhalten. Damals gelang nach dem Abbau von rund 200 Stellen und dem Verkauf der Fahrradsparte ein Neuanfang.

2017 sorgte dann ein tödlicher Autounfall der Firmenerbin Karin Kettler für neue Turbulenzen. Denn die Heinz-Kettler-Stiftung ist die Rechtsnachfolgerin der Tochter des Firmengründers. Es gab eine für das Unternehmen schwierige Gemengelage: Die Stiftung, die sich dem Behindertensport widmen soll, war so beschaffen war , dass sie wichtige Entscheidungen bei Kettler blockieren konnte, ohne die Eigentümerin des Unternehmens zu sein. In ihr liegen unter anderem wichtige Marken- und Lizenzrechte.

Kettler hatte bereits im Juli 2018 erneut einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Ziel war eine Neuausrichtung mithilfe eines Luxemburger Investors. Es gab viel Diskussionen zwischen Unternehmen und Stiftung, und ein inzwischen gefundener Investor sprang wieder ab, weil die Heinz-Kettler-Stiftung nicht bereit war, seine Forderungen zu erfüllen.

Dann schaltete sich auch NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) ein, unternahm einen Moderationsversuch und wunderte sich sehr, dass das Angebot nicht angenommen wurde. Die Belegschaft reagierte fassungslos.

Das Kuratorium der Stiftung, insbesondere der Vorsitzende Manfred Sauer, hatte sich zuletzt möglichen finanziellen Hilfen an Kettler verweigert. In der Stiftung selbst gingen dabei die Vorstellungen darüber auseinander, ob ein solcher Beitrag zur Rettung des Unternehmens rechtlich zulässig ist. Einer der beiden Stiftungsvorstände, Andreas Sand, hielt diesen Weg für gangbar. Der Vorsitzende Sauer verwies dagegen auf die Satzung der Stiftung, deren Zweck einzig die Förderung des Behindertensports sei.

In diesem Streit um die Zukunft Kettlers und die Beteiligung der Stiftung hatte Sauer Sand entlassen, ein Gericht kassierte diese Entscheidung aber. Dann griff die Bezirksregierung Arnsberg ein und berief in ihrer Funktion als Stiftungsaufsicht nun das dreiköpfige Kuratorium einen der beiden Vorstände ab.

Zudem setzte die Stiftungsaufsicht Sand als einzelvertretungsberechtigen Vorstand wieder ein. Ihm zur Seite gestellt wurde der Münchner Rechtsanwalt Christoph Schotte, der nun als Sachwalter der Heinz-Kettler-Stiftung fungiert.

Und dann ging alles recht schnell. Die Stiftung wirkte nun mit der neuen Spitze offenbar an dem Verkauf mit, so das Lizenz und Markenrechte nun mit an den neuen Eigentümer übergehen können. Die Mitarbeiter indessen haben seit 2015 viel durchlitten. Ein Geschäftspartner urteilt: „Der Zusammenhalt der Mitarbeiter ist phänomenal, aber die Produktionsanlagen sind zum Teil museumsreif.“

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