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Frisches Kapital für Smart Reporting Diese Software soll Radiologen im Kampf gegen Corona unterstützen

Bei der Bewertung der Krankheitsbilder von Corona-Patienten sind sich Ärzte oft unsicher. Die Software von Smart Reporting soll dabei nun helfen.
16.04.2020 - 14:30 Uhr Kommentieren
Wenn Radiologen CT-Bilder auswerten, können sie die Befundvorlage von Smart Reporting am eigenen Computer nutzen. Quelle: Smart Reporting GmbH/
Software von Smart Reporting

Wenn Radiologen CT-Bilder auswerten, können sie die Befundvorlage von Smart Reporting am eigenen Computer nutzen.

(Foto: Smart Reporting GmbH/)

Köln Die steigende Anzahl an Corona-Infizierten macht auch den Radiologen zu schaffen. Denn Covid-19-Patienten mit schweren Atembeschwerden oder gar Lungenversagen werden von den Medizinern per Computertomographie (CT) betrachtet. Mit dieser speziellen Röntgenaufnahme wollen die Ärzte den Verlauf der Atemwegs-Erkrankung besser einschätzen. Doch insbesondere Radiologen, die bisher noch nicht mit dem Virus in Kontakt kamen, sind sich bei der Bewertung des noch weitgehend unbekannten Krankheitsbildes häufig unsicher.

Wieland Sommer kennt die Komplexität beim Erstellen solcher Befunde aus eigener Erfahrung und hat deshalb eine Möglichkeit zur Unterstützung der Mediziner entwickelt. Der Radiologe ist Gründer des Start-ups Smart Reporting und bietet eine Software an, mit der unter anderem Radiologen ihre CT-Befunde dokumentieren können. Teil der Software ist nun auch eine Befundvorlage speziell für Covid-19-Patienten, die Sommer derzeit kostenfrei zur Verfügung stellt.

Wenn Radiologen die CT-Bilder auswerten, können sie die Befundvorlage von Smart Reporting am eigenen Computer nutzen. Dabei werden sie Schritt für Schritt durch die Anwendung geleitet und erhalten klinische Hintergrundinformationen, Referenzbilder, gängige Klassifikationen und aktuelle Empfehlungen der internationalen Radiologie-Fachgesellschaften zu Covid-19. Außerdem schreiben Radiologen den Befund nicht mehr im Freitext, sondern können vorgefertigte Textbausteine nutzen.

Die Vorlage für Covid-19-Patienten ist eine von vielen Vorlagen, die Sommer zusammen mit Medizinern und IT-Fachleuten seines Unternehmens Smart Reporting entwickelt hat. „Ich bin davon überzeugt, dass die Medizin der Zukunft auch eine Datenwissenschaft ist“, sagt Sommer. Weltweit nutzen Angaben des Unternehmens zufolge mehr als 10.000 Radiologen aus über 90 Ländern die Smart-Reporting-Vorlagen.

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    Und dabei soll es nicht bleiben: Für die weiteren Wachstumspläne hat Smart Reporting jetzt 15 Millionen Euro eingesammelt. Das geht aus einer Mitteilung hervor, die dem Handelsblatt vorliegt. Dabei ist der Münchener Risikokapitalgeber Yabeo Lead-Investor. In der Vergangenheit sicherte sich Smart Reporting bereits im Rahmen einer ersten Finanzierungsrunde Wachstumskapital in Höhe von 6,5 Millionen Euro.

    Grundlage für Algorithmen

    Yabeo-Investor Matthias Sohler hat neben dem technologischen Ansatz auch das Vertriebskonzept von Smart Reporting überzeugt. „Das Tolle an Smart Reporting ist – neben der Technologieplattform und der medizinischen Kompetenz – die ausgeprägte Diversifizierung des Vertriebskanals: dass man über große Unternehmen wie Agfa, General Electric oder Siemens einen B2B2C-Ansatz fährt.“ Wenn ein Krankenhaus ein neues CT-Gerät von einem der genannten Medizintechnik-Hersteller anschafft, kann die Smart Reporting-Vorlage gleich mitgeliefert werden.

    Mit dem frischen Kapital will Smart Reporting nun schnell wachsen. Geplant ist eine Expansion auf den US-amerikanischen Markt, außerdem soll es bald Befundvorlagen für Onkologen und Kardiologen geben. „Im Jahr 2025 kalkulieren wir mit einem Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro“, sagt Sohler. Das Unternehmen bietet seinen Dienst neben Radiologen auch bereits Pathologen an.

    Sommer hat sich vor der Gründung seines Unternehmens Know-how im Ausland erworben: Medizinstudium in Heidelberg, Madrid und Berlin; Assistenzarztstellen in der Radiologie in Lausanne und München; Masterabschluss in Public Health an der Harvard-University. Kurz bevor er im Dezember 2014 Smart Reporting als Spin-off aus einem Forschungsprojekt gründete, wurde er an der Ludwig-Maximilians-Universität München zum Professor für Radiologie berufen.

    Damals habe er sich gewundert, dass überall von „Big Data“ gesprochen wurde. Dabei sei die Grundlage dafür – standardisierte Dokumentation – überhaupt nicht gegeben. Der 40-Jährige hat ein kühnes Ziel: Befundvorlagen sollen für die gesamte medizinische Dokumentation zum Standard werden. Davon profitieren nicht nur andere Ärzte, weil sie die Einträge der Kollegen direkt verstehen können.

    Der Radiologe ist Gründer des Start-ups Smart Reporting. Quelle: Smart Reporting GmbH/Oliver Bellen
    Wieland Sommer

    Der Radiologe ist Gründer des Start-ups Smart Reporting.

    (Foto: Smart Reporting GmbH/Oliver Bellen)

    Standardisierte Daten werden auch maschinenlesbar und können eine Künstliche Intelligenz trainieren. „Wir arbeiten mit einem großen Uniklinikum zusammen, um Algorithmen zu entwickeln, aber das ist derzeit nicht unser Kerngeschäft. Wir bieten die Infrastruktur, andere trainieren die Algorithmen“, sagt Sommer.

    Das Geschäftsfeld ist deshalb auch für andere Unternehmen attraktiv, etwa für das Heidelberger Unternehmen Mint Medical, eine Ausgründung aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), oder für das französische Unternehmen Keydiag, das im Jahr 2018 gegründet wurde.

    „Die strukturierte Befundung wird mit der zunehmend komplexeren radiologischen Bildgebung und steigenden Untersuchungszahlen im täglichen Workflow weiter an Bedeutung gewinnen“, sagt Jens Vogel-Claussen. Er ist Oberarzt am Institut für Radiologie der Medizinischen Hochschule Hannover und hat sich als Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Thorax-Diagnostik“ der Deutschen Röntgengesellschaft mit dem Thema beschäftigt.

    Smart-Reporting-Gründer Sommer hat bei seiner Vision einige Unterstützer: Neben Co-Geschäftsführer Johannes Huber sind es circa 30 Investoren, darunter Wolfgang Reitzle, Aufsichtsratsvorsitzender der Dax-Konzerne Linde und Continental. Auch Sommers Vater ist Gesellschafter des Unternehmens, er ist ebenfalls Radiologe.

    Mehr: Ein Spray gegen Corona – Biotech-Firmen bilden neue Allianzen.

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