Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Fusion mit GNY Werftenchef Friedrich Lürßen ist endlich Branchenprimus

Die Werftengruppe Lürssen wird zusammen mit German Naval Yards führend im Bau von Marineschiffen. Für den Co-Chef geht ein lang gehegter Traum in Erfüllung.
14.05.2020 - 15:57 Uhr Kommentieren
„Eine Konsolidierung unserer Werften ist sinnvoll und förderlich, um die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken.“ Quelle: imago/photothek
Friedrich Lürßen

„Eine Konsolidierung unserer Werften ist sinnvoll und förderlich, um die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken.“

(Foto: imago/photothek)

Frankfurt Friedrich Lürßen ist ebenso verschwiegen wie erfolgreich. Dass er wie die übrigen Mitglieder seiner Familie selten Interviews gibt, ist kaum verwunderlich. Die Lürssen-Gruppe baut Megajachten für die Vermögenden dieser Welt; und die bestehen eben auf Diskretion, zumindest wenn es um ihre Schiffe geht.

Noch verschwiegener ist die andere Kundengruppe der Bremer Werft. Es sind Regierungen, die bei Lürssen Marineschiffe aller Art einkaufen. Als Friedrich Lürßen im Jahr 1977 in das Unternehmen eintrat, da steuerten Kriegsschiffe 90 Prozent zum Umsatz bei. Diese Abhängigkeit hat der mittlerweile 70-Jährige zusammen mit seinem Cousin Peter Lürßen reduziert und die Werft im Bereich Jachten gestärkt .

Die beiden Männer fällen die wichtigen Entscheidungen gemeinsam, auch wenn sie die Bereiche aufgeteilt haben. Peter kümmert sich um die Jachten, Friedrich vor allem um die Marinesparte. Dort kann er sich nun einen langgehegten Traum verwirklichen. Die Lürssen-Werft, geschrieben mit international kompatiblem Doppel-s, einigte sich mit der Kieler German Naval Yards (GNY) auf einen Zusammenschluss der Marinewerften.

Mit dem ebenfalls familiengeführten Wettbewerber wollen die Bremer eine Gemeinschaftsfirma gründen, in die sie das jeweilige Geschäft mit Kriegsschiffen einbringen. Ausgenommen von der Fusion sind die jeweiligen Aktivitäten im zivilen Bereich, wie es hieß.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Dieser Werftenverbund wird den bisherigen Marktführer ablösen. Entgegen der ursprünglichen Überlegungen wird Thyssen-Krupp Marine Systems (TKMS) nämlich nicht Teil des neuen Schwergewichts. „Zumindest vorerst nicht“, wie ein beteiligter Manager berichtet.

    Für Friedrich Lürßen jedenfalls, der stets die Haare sauber nach hinten gescheitelt und den Rücken durchgedrückt hat, ist der Deal mit GNY ein Erfolg. Auf sein Betreiben hin hat Lürssen in den vergangenen Jahren Standort um Standort gesichert, um den Bereich zu festigen. Der große Wurf gelang ihm trotz wiederholter Anläufe aber nicht. Mehr als einmal hatten er und sein Vetter versucht, den Schiffbauarm des Industriekonzerns Thyssen-Krupp zu übernehmen.

    Thyssen-Krupp hatte zu hohe Preisvorstellungen

    Obwohl die Essener verkaufswillig sind, kam das Vorhaben nie zu einem Ende. Dafür waren die Preisvorstellungen von Thyssen-Krupp einfach zu hoch. Außerdem wollte Lürßen lediglich die Überwassersparte übernehmen und nicht den Bau von U-Booten. Der barg den Bremern zu hohe finanzielle Risiken.

    Ohne TKMS blieb Lürssen für die Bundesregierung stets zweite Wahl. Die Einkäufer des Verteidigungsministeriums vermissten die technische Kompetenz. Das Unternehmen kann zwar Schiffe bauen, allerdings fehlt es bei der Entwicklung an Kompetenz. Ingenieure für Kriegsschiffe sind ein rares Gut; und sie stehen vor allem bei TKMS unter Vertrag.

    Bei der Ausschreibung für das Mehrzweckkampfschiff MKS 180 musste sich Lürssen daher mit der Rolle des Juniorpartners für die niederländische Damen-Gruppe begnügen. Die Entwicklung für das teuerste Marineprojekt seit Gründung der Bundesrepublik war schlicht zu komplex für die Eisenbieger von der Weser, wie ein Wettbewerber unkte.

    Hinter den despektierlichen Worten steckt allerdings eine große Portion Respekt. Außer der Meyer Werft ist kein Schiffbauer so erfolgreich wie Lürssen – und das ist ein Verdienst von Friedrich und Peter Lürßen.
    Mit Beharrlichkeit haben die Cousins ihre Expansionspläne betrieben. „Sie haben sich Zeit gelassen und auf den richtigen Augenblick gewartet“, sagt ein Manager aus den eigenen Reihen. Der kam meist, wenn ein Wettbewerber günstig zu haben war.

    Konkurrenz mussten die Lürßens nicht fürchten. Da ausländische Unternehmen beim Kauf nationaler Rüstungsfirmen von der Bundesregierung in der Regel gebremst wurden und auf deutscher Ebene niemand als Käufer hervortrat, mussten sie nur abwarten.

    Einer dieser Augenblicke ist nun gekommen. GNY ist selbst zu klein, um bei den wichtigen Marineaufträgen zum Zuge zu kommen. Außerdem fehlte dem Eigentümer, dem französisch-libanesischen Geschäftsmann Iskandar Safa, über das Friedrich Lürßen ausreichend verfügt: politischer Einfluss. Als Ex-Präsident des Bundesverbands der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie hat er guten Zugang zur Regierung. Ein Platz bei vielen Auslandsreisen deutscher Politiker war ihm lange Zeit sicher.

    Gemeinsam mit GNY erhofft sich Lürssen bessere Chancen auf lukrative Staatsaufträge des Bundes. Quelle: Lürssen Defence
    Patrouillenboot

    Gemeinsam mit GNY erhofft sich Lürssen bessere Chancen auf lukrative Staatsaufträge des Bundes.

    (Foto: Lürssen Defence)

    Die Rückendeckung funktionierte bei einem seiner wichtigsten Deals. Bei der Übernahme der Hamburger Werft Blohm & Voss steuerte ihm ein Verbund von Politikern aus CDU und SPD einen Auftrag für den Bau neuer Korvetten zu, mit der die Traditionswerft ausgelastet wurde.

    Rückendeckung erfahren die Vettern – die das 1875 gegründete Unternehmen in vierter Generation leiten – auch bei dem geplanten Zusammenschluss mit German Naval Yards. Die Bundesregierung habe im Hintergrund bereits ihre Zustimmung für den Deal gegeben, hieß es in Berliner Kreisen. Ihr sei sehr daran gelegen, einen starken Anbieter von Marineeinheiten an der deutschen Küste zu formen.

    Rückendeckung aus der Politik

    Friedrich Lürßen betonte dann auch, dass die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt werde. Außerdem werde ein „umfassenderes und leistungsfähigeres Angebot“ für die Bundesmarine geschaffen. Die Politik wünscht sich schon lange eine starke Marinewerft. Gegenüber Anbietern aus anderen Ländern sind die Deutschen im Nachteil, da die Industrie zerfasert ist. Die Hoffnung, dass Thyssen-Krupp die Branche unter seinem Dach konsolidiert, hat sich nicht erfüllt. Die Essener haben immer mit dem Schiffbau gefremdelt, wie es heißt.

    Nun sollen die Marinewerften also unter die Führung von Lürssen kommen. Die Bremer würden an der geplanten Gemeinschaftsfirma mit GNY die Mehrheit halten und auch die unternehmerische Führung übernehmen, wie es hieß. Miteigentümer Safa werde langfristig beteiligt bleiben.

    Für Thyssen-Krupp ist die Tür damit nicht zugeschlagen. „Sehr gerne könnte TKMS zu dem neuen Verbund dazustoßen“, sagte ein Vertreter der Branche. Konzernvorstand Oliver Burkhard deutet per Twitter an, dass sein Unternehmen sich noch beteiligen könnte. Ein nationaler Champion werde mit der Verbindung von Lürssen und GNY nicht geschaffen, erklärte Burkhard, der bei Thyssen-Krupp für die Werftensparte zuständig ist.

    Mehr: Marinewerften Lürssen und German Naval Yards wollen fusionieren

    Startseite
    Mehr zu: Fusion mit GNY - Werftenchef Friedrich Lürßen ist endlich Branchenprimus
    0 Kommentare zu "Fusion mit GNY: Werftenchef Friedrich Lürßen ist endlich Branchenprimus"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Serviceangebote
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%