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Fußballbranche Fortuna-Aufsichtsratschef Reinhold Ernst muss um die Macht beim Erstligisten kämpfen

Ernst ist einer der bekanntesten deutschen Wirtschaftsanwälte. Nun steht der fußballbegeisterte Jurist im Zentrum von Machtkämpfen und Managementkrisen.
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Der fußballbegeisterte Jurist steht in der Kritik und muss um seine Macht kämpfen. Quelle: Hengeler Mueller
Reinhold Ernst, Anwalt bei Hengeler Mueller

Der fußballbegeisterte Jurist steht in der Kritik und muss um seine Macht kämpfen.

(Foto: Hengeler Mueller)

München Mit den Gesetzen der Wirtschaft kennt sich Reinhold Ernst aus. Als Partner der bekannten Kanzlei Hengeler Mueller hat er es mit großen Deals und Übernahmen zu tun. Intern wird extremes Teamdenken gefördert, alle Einnahmen kommen in einen Topf und werden nach festen Quoten verteilt. Fast wie im Sozialismus. 

Der breiten Öffentlichkeit ist der Fußball-Fan jedoch eher durch ein Ehrenamt bekannt: Er ist Aufsichtsratschef des Erstligisten Fortuna Düsseldorf. Das bringt in der Landeshauptstadt sozialen Status wie sonst nur das Wirken als Karnevalsprinz oder eine Top-Funktion im Heimatverein „Düsseldorfer Jonges“.

Andererseits ist der Freizeitjob mit Zeitaufwand und Ärger verbunden: Der promovierte Jurist steht seit Wochen im Zentrum größerer Machtkämpfe und Managementkrisen.

Zur Debatte steht dabei auch sein Führungsstil – und die Frage, wie der Klub im Spitzenfußball jenseits von Großinvestoren als eingetragener Verein weiter reüssieren kann. Fragen, die auch auf der Mitgliederversammlung an diesem Sonntag eine Rolle spielen. 

Es gibt Ungereimtheiten. Ungeklärt ist zum Beispiel, warum der langjährige erfolgreiche Vorstandschef Robert Schäfer im April freigestellt wurde. Das Gehalt läuft weiter, die Anwälte scheiterten an einer gütlichen Lösung – obwohl Schäfer eine vorzeitige Auflösung bei Zahlung von 325.000 Euro angeboten haben soll. Da sein Vertrag bis 30. Juni 2021 läuft, steht nun eine hohe sechsstellige Summe im Raum.

Dafür musste Fortuna in der Bilanz offenbar genauso eine Rückstellung bilden wie für eine Provision von 650.000 Euro, die der Spielerberater Mohamed Al Faiech vor dem Landgericht Düsseldorf verlangt. Er hatte den Profi Benito Raman von Lüttich an den Rhein gelotst und dann zu Schalke 04 weitervermittelt.

Ein Vertrag über Al Faeichs Wirken liegt offenbar nicht vor, wohl aber eine Passage im internen Compliance-Bericht: Da ist von einer „Wegvermittlungsgebühr“ von zehn Prozent für den Berater die Rede. Ob Fortuna das Geld am Ende zahlen wird, steht noch offen.

Gewissenhaftigkeit in Person

Für den Verein, der in der Spielzeit 2018/19 schätzungsweise 71 Millionen Euro umsetzte und zwei Millionen Gewinn machte, sind solche Zahllasten Mühlsteine. Chefaufseher Ernst sieht dauerhaft gesunde Verhältnisse bei 100 Millionen Jahresumsatz.

Intern gilt er als „Micro-Manager“, der alles genau wissen will: Für die einen ist er ein „Kontrollfreak“, für die anderen die Gewissenhaftigkeit in Person. „Er ist ein glühender Fortuna-Fan“, urteilte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Sein Motto: „95 olé“.

Die wichtigen Dinge bespricht Ernst regelmäßig mit Stellvertreter Carsten Knobel vom Hauptsponsor Henkel, der dort zum Jahreswechsel vom Finanzchef zum CEO aufsteigt. Eine intakte Zweiergemeinschaft der Wirtschaftsgrößen, die sich mit Ligaausweisen der DFL frei im Stadion bewegen. Solche „Funktionsausweise“ werden von den Klubs bestellt, üblicherweise für operativ Tätige.

Den beiden Chefaufsehern ist es wichtig, sich so frei im Stadion bewegen zu können. Intern sorgte es für Aufsehen, dass Knobel Anfang des Jahres 2019 plötzlich Tickets aus dem Vorjahr gebündelt und vollständig privat bezahlt hat. Es ging um eine vierstellige Summe, erklärt ein Fortuna-Sprecher, „die Verwendung der Karten hatte rein private Gründe“.

Topanwalt Ernst legt auf Compliance-Themen größten Wert. Intern betont er, noch nie eine Quittung eingereicht zu haben. 2008 war er bereits im Aufsichtsrat an die Spitze aufgestiegen, holte die Markenrechte von der Firma Sportwelt zurück, warf dann aber nach nicht einmal einem Jahr die Brocken hin – auch aus dem Grund, nicht in Sponsorengespräche eingebunden worden zu sein.

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