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Gapless Digitaler Concierge: Auf dieser Plattform können Oldtimer-Liebhaber ihre Schätze verwalten

Jan Karnath hat ein Datenbankensystem mit Blockchain-Technologie entwickelt. Das oberste Ziel: Werterhalt und -steigerung.
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Mit der App Gapless soll die Dokumentation von Oldtimern verbessert werden. Quelle: Imago
Oldtimer

Mit der App Gapless soll die Dokumentation von Oldtimern verbessert werden.

(Foto: Imago)

Frankfurt Eines stellt Jan Karnath gleich zu Beginn des Gesprächs klar: „Ich liebe schöne und schnelle Autos. Aber ich bin kein Petrolhead, der schon mit seinem Vater in der Garage geschraubt hat.“

Und doch dreht sich das, was der 35-Jährige seit einiger Zeit macht, um Autos – um Oldtimer und andere wertvolle Fahrzeuge. Zusammen mit seinen Mitgründern Malte Häusler und Andreas Joebges hat Karnath im September vergangenen Jahres eine digitale Plattform entwickelt, auf der die rollenden Schätze per App oder am Desktop-Computer verwaltet werden können. „Das oberste Ziel sind Werterhalt und Wertsteigerung“, sagt Karnath. „Und dazu ist eine möglichst umfassende Dokumentation unerlässlich.“

Gapless haben die drei ihr Angebot deshalb genannt – das englische Wort für „lückenlos“. Die Firma dahinter trägt den Namen New Horizon GmbH. Neue Horizonte – das klingt nach Ambitionen. Die hat Karnath. New Horizon ist kein typisches Start-up, das irgendwo ein Problem sieht und dieses dann zu lösen versucht. „Wir kommen von der technischen Seite“, sagt Karnath. „Die Blockchain-Technologie finde ich faszinierend. Da steckt ein gewaltiges Potenzial drin, um neue Geschäftsmodelle aufzubauen.“

Blockchain – vereinfacht ausgedrückt ist das ein dezentral verteiltes Datenbanksystem, eben eine Kette aus verschlüsselten Datenblöcken. Durch die Verteilung wird an zahllosen Stellen an der Datenbank gearbeitet. Deshalb fallen Manipulationen sofort auf.

Karnath und sein Team haben sich überlegt, wo diese Eigenschaften gut zu nutzen sind – und sind auf besonders wertvolle Autos gekommen. Auf 1,8 Millionen Fahrzeuge – Oldtimer sowie neue und gebrauchte Fahrzeuge der Premiumklasse – schätzt Karnath den potenziellen Markt allein in Deutschland. Marktvolumen: 40 Milliarden Euro.

„Die Dokumentation wertvoller Fahrzeuge eignet sich hervorragend für den Einsatz der Blockchain“, ist Karnath, der CEO von New Horizon ist, überzeugt. Je besser die Historie eines Fahrzeugs dokumentiert sei, desto wertvoller sei es.

„Ein wachsendes Problem sind zudem Fälschungen. Gapless bietet mit der Blockchain-Technologie ein sehr gutes Instrument, um die Authentizität sicherzustellen. Wurde das Auto schon mal gestohlen oder gab es einen Totalschaden – all das kann schnell durch die Eingabe der Fahrzeug-Identifizierungsnummer aufgedeckt werden“, so Karnath. So schafft Gapless eine lückenlose Dokumentation, die den Nutzern permanent anzeigt, wie viel ihr Oldtimer gerade wert ist.

Kein Wunder also, dass Karnath und seine Kollegen recht schnell wichtige Partner für ihr Vorhaben gefunden haben. Mit Classic Data ist eines der führenden Unternehmen für die Bewertung historischer Fahrzeuge dabei. Auch die Fiva unterstützt Gapless. Die Organisation kümmert sich unter dem Dach der Unesco um das Kulturgut Auto.

Das Nutzen digitaler Medien sei im Oldtimerbereich mittlerweile selbstverständlich geworden, erklärt Marius Brune, Geschäftsleiter von Classic Data. Auch Classic Data habe sich in diesem Bereich weiterentwickelt und biete zum Beispiel im Internet ein Bewertungsprogramm an oder sei in den sozialen Medien vertreten.

„Und in diesem Zusammenhang suchen wir auch Partner, die unser Angebot für Kunden erweitern und bereichern“, so Brune. Da sei Gapless ein gutes Angebot für die Community der Classic-Car-Begeisterten.

Die Funktionen würden von der eigenen virtuellen Garage über den Austausch mit Gleichgesinnten bis hin zum Kostenmanagement reichen. Es gebe mittlerweile zwar mehrere Apps, die das Thema klassische Fahrzeuge bedienten, erläutert Brune von Classic Data: „Unseres Wissens unterscheidet sich aber Gapless durch die Concierge-Funktion und den Umfang der anderen Funktionen von ähnlichen Apps.“

Erster Investor: Porsche

Erster Investor von Gapless ist die Porsche AG. „Wir haben zudem rund 200 Nutzergespräche geführt, etwa auf der Techno Classica, um ein Gefühl für den Markt zu bekommen. Basierend auf diesem Feedback und Input von externen Experten haben wir unser Geschäftsmodell aufgebaut“, erinnert sich Karnath.

Der Unternehmer weiß, wie wichtig eine gute Vorbereitung ist. Nach dem Studium der Fachrichtung Business-Administration in Wien und in den USA heuerte er für zwei Jahre als Vorstandsassistent beim Softwareriesen SAP in Walldorf an. Er bildete sich an der Stanford University weiter und trieb den Aufbau des Start-ups APP Media, ein Android-App-Store, voran.

Und der Autoliebhaber lernte dabei eines: „Es fehlt in Deutschland nicht an Ideen und Kapital, es fehlt an Unternehmern, die eine Idee auch richtig umsetzen können.“ Ein Kardinalfehler sei es zum Beispiel, sehr früh etablierte Unternehmen mehrheitlich in die Firma zu nehmen. „Maximal 25 Prozent sollten Gründer in einer frühen Phase abgeben, sonst wird das nichts“, ist Karnath überzeugt.

Fast 10.000 Fahrzeuge werden aktuell über Gapless digital verwaltet. Der größte Nutzer hat eine Garage mit sage und schreibe 75 Fahrzeugen. Auch Händler nutzen die Plattform mittlerweile. Interessant dürfte sie zudem für Versicherungen sein.

Da die hinterlegten Daten sehr sensibel sind, garantiert Karnath den Nutzern eiserne Disziplin beim Thema Datenschutz und Privatsphäre: „Ungewollte Angebote wird von uns keiner bekommen, wir werden auch keine Werbung einbinden.“ Die reine Erstellung des Fahrzeugprofils sei kostenlos, ebenso die Nutzung des Kostenmanagers und der Exposé-Funktion.

„Unser Geschäftsmodell basiert auf Services“, erläutert der Unternehmer die Kapitalisierung der Geschäftsidee. „Der Besitzer eines Premiumfahrzeugs kann als Services unter anderem die Digitalisierung seiner Fahrzeughistorie und die Beantragung einer originalen Geburtsurkunde sowie weiterer fahrzeugspezifischer Informationen buchen. In naher Zukunft werden noch einige Services dazukommen.“

Grundsätzlich lässt sich die Plattform zudem auf andere wertvolle Schätze erweitern. „Wir denken da zum Beispiel an Uhren. Die Vision ist: eine Plattform ‚for things you love‘“, beschreibt Karnath den Ansatz. Und bremst umgehend zu hohe Erwartungen. „Wir haben erste Kontakte im Bereich Uhren geknüpft. Aber klar ist: Erst mal bauen wir das Thema Premiumfahrzeuge richtig auf.“

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